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Krefeld
Traum-Einstand auf dem Weg zur WM

Krefeld: Traum-Einstand auf dem Weg zur WM
Lea Schüller ist in Tönisvorst geboren und in Krefeld aufgewachsen. In ihrer Jugend spielte sie beim Hülser SV und wechselte vor vier Jahren zum Bundesliga zur SGS Essen. Jetzt feierte sie ihr Debüt im Nationalteam. FOTO: imago
Krefeld. Die Krefelderin Lea Schüller hat zum ersten Mal für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen gespielt - und direkt ein Tor geschossen. Der Traum der 19-Jährigen, die seit vier Jahren für SGS Essen in der Bundesliga spielt: die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich. Von Tim Kronner

Diese Bilder gehen Lea Schüller nicht mehr aus dem Kopf: Sie bekommt den Ball, läuft im Vollsprint aufs Tor zu. Die Gegenspielerin in ihrem Nacken, nur noch die Torhüterin vor sich. Die Zuschauer schreien sie nach vorne. Sie legt sich den Ball vor, schießt und dreht zum Jubeln ab - denn der Ball ist drin! "Mein erstes Tor im ersten Spiel für die Nationalmannschaft. Das werde ich nie vergessen", sagt die 19 Jahre alte Krefelderin. Eine Woche ist es her, da saß Lea Schüller im Wiesbadener Stadion auf der Ersatzbank und sah der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft bei ihrem WM-Qualifikationsspiel gegen Island zu. Es blieb nicht bei der Zuschauerrolle, und heute ist sie offiziell Nationalspielerin mit einem Treffer auf ihrem Konto. "Ich freue mich riesig, wie das gelaufen ist", sagt Schüller.

Es war nicht das erste Mal, dass die Fußballerin, die bereits Erfahrungen in den Jugendmannschaften des Deutschen Fußballbundes (DFB) sammeln durfte, in der A-Nationalmannschaft dabei war. Schon vor der Europameisterschaft in diesem Sommer gehörte sie zum erweiterten Kader. Mehr als Trainingseinheiten mit den "Großen" war bis zum vergangenen Wochenende aber nicht drin. Deshalb saß Schüller, die in Tönisvorst geboren wurde und in Krefeld aufgewachsen ist, auch vor einer Woche zunächst nur auf der Bank. "Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet zu spielen", erzählt Schüller. Doch in der zweiten Halbzeit dann die große Überraschung für die Profi-Fußballerin: Bundestrainerin Steffi Jones schickte sie zum Warmmachen. "Da wusste ich es: Ich spiele zum ersten Mal für die Nationalmannschaft. Das war ein super Gefühl", erinnert sich Schüller. Getoppt wurde das nur noch von ihrem Schuss ins Glück in der 88. Spielminute.

"Ich habe mich in dem Moment sehr gefreut, dann aber auch direkt gedacht: Mist, wir müssen noch eins machen", sagt Schüller. Denn bei ihrer Einwechslung in der 79. Minute lag Deutschland mit 1:3 hinten. Sie sorgte mit ihrem Treffer zwar nochmal für Spannung, am Ende verlor die DFB-Elf aber mit 2:3. "Trotz des Tores überwiegt bei mir der Ärger, dass wir den Ausgleich nicht mehr geschafft haben", sagt die ehrgeizige Sportlerin, die von den Zuschauern zur besten Spielerin der Partie gewählt wurde.

Schon vier Tage später, am vergangenen Mittwoch, gab es für sie erneut Grund zur Freude. Beim Spiel gegen die Faröer-Inseln schaffte sie es in die Startelf. "Ich habe es erst erfahren, als ich die Aufstellung gesehen habe", berichtet Schüller. "Es war toll, meinen Namen da zu lesen. Ich war aber noch nervöser als am Freitag", erzählt die 19-Jährige, die anschließend zum ersten Mal während der Nationalhymne auf dem Rasen stand. Beim 11:0-Sieg des Teams gelang ihr zwar noch ein Tor, die Schiedsrichterin gab den Treffer jedoch nicht. "Das ist natürlich schade, aber hauptsache, wir haben gewonnen", findet Schüller.

Obwohl die Profi-Fußballerin inzwischen seit fast vier Jahren in der Bundesliga-Mannschaft der SGS Essen spielt, verbindet sie immer noch viel mit Krefeld. "Ich wohne, seit ich denken kann, in Hüls und finde es einfach schön hier", sagt Schüller. Auch die Hochschule gefällt ihr gut. Als Studentin des Wirtschaftsingenieurwesens ist sie inzwischen im dritten Semester. "Obwohl ich fünf Mal in der Woche nach Essen fahre, lässt sich das ganz gut mit dem Fußball vereinbaren", sagt sie.

Darüber ist Philipp Symanzik, Geschäftsführer der SGS Essen, natürlich froh, denn Lea ist eine von nun drei Nationalspielerinnen des Vereins. "Obwohl sie noch so jung ist, ist sie für uns schon unglaublich wichtig. Neben ihren fußballerischen Qualitäten ist sie einfach eine positive Persönlichkeit", sagt Symanzik und ergänzt: "Wir sind sehr glücklich, sie hier zu haben und sehen sie auf jeden Fall als elementar wichtigen Baustein für die Zukunft der SGS Essen."

Wie ihre nähere Zukunft aussehen soll, weiß Lea Schüller selbst schon ziemlich genau. Der Trend im Fußballgeschäft, immer jünger zu großen Top-Clubs im In- oder sogar Ausland zu wechseln, geht an ihr vorbei. "Ich fühle mich wohl, so wie es ist, und will erst mal mein Studium in Krefeld fertig machen, bevor ich in diese Richtung irgendwie weiter denke", sagt Schüller. Eine große Sache auf internationaler Ebene reizt sie allerdings schon: "Es wäre natürlich ein Traum, wenn ich bei der nächsten Weltmeisterschaft dabei sein könnte. Dafür gebe ich alles."

Quelle: RP
 
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