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Krefeld
Tristesse und Trost beim Pommes-Opi

Krefeld: Tristesse und Trost beim Pommes-Opi
Treffpunkt der gescheiterten Existenz (alle gespielt von Anuschka Gutowski) ist die heruntergekommene Wurstbude. FOTO: Tobias Becker
Krefeld. Pommes rot-weiß, auch "Schranke" genannt, gab es am Freitag im "Theater hintenlinks", denn die Szenen des Stücks "Budenzauber" von Peter Gutowski gruppierten sich alle um eine Imbissbude. Von Mojo Mendiola

Es ging aber nicht um nostalgische Erinnerungen an die rock'n'rollende Halbe-Hähnchen-Zeit, sondern hauptsächlich um Charaktere aus dem gegenwärtigen prekären Drittel, für die solch ein schmuddeliger Karren zum letzten gastronomischen Zufluchtsort geworden ist.

Ruslan Maximovski kam als erster auf die Bühne: Auf seinem Akkordeon fasste er die Tristesse in eine genial einfache Folge von vier Noten, die sich in ihrer Wiederholung tief ins Herz jedes Zuschauers bohrte. Um es gleich vorwegzunehmen: Die ursprünglich angestrebte Balance zwischen heiterer Unterhaltung und melancholischem Denkanstoß fand nicht statt, die Moll-Töne überwogen. "Das hat sich während der Proben so entwickelt, weil es ja auch im Moment so ist", kommentierte Gutowski, und freute sich gerade deshalb über sein Premierenpublikum, das die Aufführung mit donnerndem Applaus quittierte.

Und das war natürlich ganz besonders das Verdienst von Anouschka Gutowski, die einmal mehr bewies, was für eine wandlungsfähige und ausdrucksstarke Darstellerin sie ist. Zu Julius Fuciks Zirkusmarsch "Einzug der Gladiatoren" wechselte sie auf offener Bühne ein paar symbolische Kleidungsstücke und war ausstaffiert für die nächste Rolle - acht verschiedene insgesamt: Als erstes gab sie die Latte-Macciato-Mutti, die - inzwischen Besseres gewohnt - nur noch selten vorbeikam. Es folgten: ein reisender Vertreter, ein aus dem Ausland zugewanderter Straßenkehrer, eine liebenswerte Punkerin und eine Frau aus der Schar derer, die ihre Ernährung aus der "Tafel" bestreiten müssen. Mimik und Gestik gelangen stets punktgenau, ebenso die großenteils aus literarischen Vorlagen entlehnten Textpassagen. Und sieht man von der "Currywurst" ab, so vermochte sie auch bekannte Lieder wie "In The Ghetto" oder "Windmills of Your Mind" in minimalistischer Vortragsweise ungewohnt zu gestalten. Sogar "Wenn ich einmal reich wär" meisterte sie souverän. Als "Pommes-Opi" hinterm Tresen und als Obdachlose überzeugten Johannes Walterfang und Birgit Neschen.

Aufführungen: 04.11., 05.11., 11.11., 18.11., 19.11., 25.11. und 26.11., jeweils 19.30 Uhr sowie 13.11. um 17 Uhr.

Quelle: RP
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