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Krefeld
Tschechisches Seelendrama für die Opernbühne

Krefeld. Am Samstag hat Helen Malkowskys Inszenierung von "Katja Kabanowa" Krefeld-Premiere. Die Regisseurin schwärmt von der Figur und Janáceks Musik. Von Petra Diederichs

Mit Wiederaufnahmen ist das so eine Sache. Mancher Regisseur hat nach der Premiere mit seiner Inszenierung abgeschlossen, den Kopf vielleicht übervoll mit den Ideen für eine neue Arbeit - und dann muss seine Produktion nach monatelanger Ruhepause wiederbelebt und gar an die veränderten Gegebenheiten eines anderen Hauses angepasst werden. Für Helen Malkowsky ist das ein Glücksfall, die Freude über die neuerliche Arbeit mit dem hiesigen Ensemble an "Katja Kabanowa" lässt sie strahlen. Auch wenn Tschaikowskys Oper "Pique Dame", die sie in sechs Wochen im Theater Chemnitz auf die Bühne bringen wird, ebenfalls ihre Gedanken besetzt - und die gehört zu einem ganz anderen Klangkosmos als Janáceks Opus. Die "Katja", die vor der Sommerpause in Mönchengladbach zu sehen war, kommt morgen nach Krefeld. Und die Regisseurin ist immer noch mehr beseelt von dieser tragischen Figur und der wehmütigen Musik Leos Janáceks. "Er hat sie mit brennendem Herzen geschrieben, und das hört man auch", sagt sie.

Das Libretto hat der Komponist selbst verfasst - nach dem Schauspiel "Das Gewitter". Auch dieser Titel wäre für die 1921 in Brünn uraufgeführte Oper ideal gewesen. "Es ist das Symbol für Katjas Seelenzustand - in einer Zeit, als Gewitter von den einen als Strafe Gottes verstanden wurde, für andere nur die Ansammlung von Elektrizität bedeutete", ergänzt Dramaturgin Ulrike Aistleitner.

Hochspannung ist denn auch die Grundstimmung der Drei-Akt-Oper, die kurz nach dem Ersten Weltkrieg entstand. Katja, gefangenen in einer unglücklichen Ehe, leidet unter der gefühlskalten, dominanten Schwiegermutter und der Enge in der bigotten Dorfgemeinschaft. Als der Ehemann auf Geschäftsreise geht, lässt sie sich auf eine Liaison mit Boris ein - aus dem erotischen Abenteuer wird mehr. Katja ist gefangen zwischen den Zwängen der Gesellschaft und den eigenen Wünschen. "Janácek zeigt den dünnen Grat zwischen Trieb, Sexualität und Sehnsucht. Besonders in die Frauenfiguren hat er genau hineingeschaut. Die Männer sind skizzenhaft", sagt Malkowsky. Die vielschichtige Musik begleitet die emotionale Achterbahnfahrt Katja Kabanowas zum Gipfel des Glücks und rasant in die Tiefe, als Boris, zu dem sie sich allen Anfeindungen zum Trotz bekennt, sie verlässt. Jetzt will sie nur noch sterben. "Es ist tragisch, dass die Frau, die so viel emotionale Kraft hat, nicht die Stärke besitzt, sich gegen die Normen der Gesellschaft und eigene Schuldgefühle zu behaupten", findet die Regisseurin. Diese Zerrissenheit spiegele die Oper mit großer Aufrichtigkeit. Janácek, selbst von unglücklichen Lieben geprägt, habe sich in seiner Musik leidenschaftlich ausgedrückt - voller Angst nicht gehört zu werden, und mit noch größerer Furcht, richtig verstanden zu werden. Malkowsky bringt es auf den Punkt: "Janácek wünscht sich den Engel und komponiert die Venus."

Premiere Samstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, im Theater. In tschechischer Sprache. Ab 19 Uhr Einführung im Glasfoyer. Aufführungsdauer ca. 1 Std. 40 Minuten. Keine Pause. Kartentelefon: 02151 805125.

Quelle: RP
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