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Krefeld
Übertriebene Hygiene macht Kinder anfälliger

Krefeld. Am Redaktionstelefon zum Thema chronisch entzündlicher Darm ging es um die Ursachen und die Angst vor dem Essen Von Petra Diederichs

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa - zwei chronisch entzündliche Darmkrankheiten - nehmen zu. Etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung in der Bundesrepublik sind derzeit betroffen, manche mit hohem Leidensdruck. Andere können zwischen den Schüben die von starken Schmerzen und (blutigen) Durchfällen begleitet werden normal leben. Dr. Stefan Enders, Chefarzt für Innere Medizin am Helios-Cäcilien-Hospital Hüls, die niedergelassene Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie Dr. Jutta Ullrich und Ernährungsberaterin Andrea Stallmann beantworteten rund um den "Crohn & Colitis-Tag" Fragen am Redaktionstelefon. Die wichtigsten Themen:

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa treten meist bei jungen Menschen zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr erstmals auf. Der erste Schub kann aber auch Ältere treffen. Stress befördert die Krankheiten und kann Schübe auslösen. Familiäre Häufungen kommen vor. Aber die Ursachen für die chronischen Entzündungen sind letztlich nicht geklärt. Die Annahme, dass durch eine Infektion hervorgerufen wird, ist bisher nicht belegt. Keime werden als Ursache bisher nicht ausgeschlossen. Und die Praxis zeigt, dass übertriebene Hygiene bei Kindern die Anfälligkeit erhöht, weil ihr Immunsystem nicht trainiert wird.

Wenn Nahrung Schmerzen auslöst, brennt sich das ins Gedächtnis ein. Viele Patienten bauen regelrechte Angst vor Essen auf, trauen sich nur noch an ganz wenige Lebensmittel heran. Daraus entwickelt sich ein Teufelskreis: Wer nicht isst, schwächt sein wegen der Durchfälle angegriffenes Immunsystem noch weiter. Die Ernährungsexpertin empfiehlt ein Ernährungsprotokoll: Wer aufschreibt, was er isst und wann er Beschwerden hat, erkennt Zusammenhänge. Grundsätzlich gilt: "Sie sollten alles essen, was sie vertragen." Das ist individuell verschieden. Während akuter Schübe sind Ballaststoffe tabu. Am besten: Den Darm ruhig stellen und gar nichts essen.

Die Krankheiten verlaufen höchst unterschiedlich. Es gibt Patienten, die einen akuten Schub erleben, und dann keinen weiteren. Andere werden nie ganz beschwerdefrei. Dazwischen ist die Bandbreite groß. Die meisten können zwischen den Schüben ganz normal leben. Für jeden muss eine individuelle Basistherapie beim Spezialisten erstellt werden. Da gibt es verschiedene Stufen von Tabletten bis zur modernen Behandlung mit Antikörpern oder zur Operation. Bei der Colitis ulcerosa ist nur der Dickdarm betroffen: Wird der entfernt, sind die Symptome verschwunden.

Dabei wird das Immunsystem heruntergefahren. Nach einer auf den Patienten abgestimmten Dauer wird die Therapie wieder zurückgefahren. Während der Behandlung seien keine vermehrten Infektionen bekannt, sagt Ullrich. Doch bei Fieber mit mehr als 38,5 Grad sollten die Patienten zum Arzt und Antibiotika nehmen. Es gibt ein erhöhtes Tuberkulose-Risiko, das gut abgeklärt werden muss.

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind nicht heilbar - aber auch nicht tödlich. Die Lebenserwartung ist nicht reduziert.

Es gibt keine Prophylaxe, aber der Darm reagiert. Zum Beispiel auf Stress. Viele kennen es, wenn Prüfungsangst auf die Eingeweide schlägt. Aber auch das Essverhalten, das sich bei Stress verändert, kann den Darm stören. Achtsames Essen, bei dem alle negativen Gedanken ausgeschlossen werden, und Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training sind hilfreich.

Quelle: RP
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