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Krefeld
Uerdingens Botschaft im Kanzleramt: Wir sind als Menschen alle gleich

Krefeld: Uerdingens Botschaft im Kanzleramt: Wir sind als Menschen alle gleich
Das Uerdinger Prinzenpaar Dirk II. (Müller) und Nicole I. (Specker) sagt über den Sinn von Karneval: " Wir sind alle Narren - also alles Menschen. Alle anders, aber eben alle gleich." Beide reisen am 26. Januar zu Kanzlerin Merkel. FOTO: RP-Fotos (2) T.l.
Krefeld. Erstmals nimmt ein Krefelder Prinzenpaar am Karnevalsempfang im Kanzleramt teil - wir sprachen mit den Uerdingern Nicole I. und Dirk II. über ihr Toleranz-Motto, über das Verhältnis von Gewerkschaft und Humor (beide sind Gewerkschafter) und über den Empfang am 26. Januar. Es war ein schönes Gespräch - wir dokumentieren es daher als Interview.

Wie konnte das passieren, dass zwei Menschen, die sich in der Gewerkschaft engagieren, zum Karneval kommen?

Nicole Specker (lacht) Gegenfrage: Warum denn nicht? Das ist doch kein Widerspruch. Man sagt Gewerkschaftern ja gerne nach, sie seien stets hemdsärmelig und dafür bekannt, dass sie gerne feiern. Es gibt da sogar einen gemeinen Spruch, wir wären wie die Heiligen Drei Könige: Sie legten ihre Arbeit nieder, zogen sich teure Gewänder an und begaben sich auf Reisen. Das sind alles uralte Klischees. Ich finde, das passt viel besser zu uns als Prinzenpaar: Wir haben Urlaub genommen, unser schönes Ornat angezogen und fahren nun zur Frau Merkel.

Sie fahren durch einen Zufall zur Kanzlerin (das zunächst eingeladene Krefelder Prinzenpaar hatte abgesagt) und haben wunderbarerweise ein Motto mit einer politischen Botschaft: "Oeding ist jeck und tolerant - wir feiern mit allen Narren Hand in Hand." Wie kam es dazu?

Nicole Specker Dieses Motto wurde zu einem Zeitpunkt beschlossen, als von Flüchtlingen nicht die Rede war. Wir haben uns ja schon vor drei Jahren beim KZV Uerdingen als Prinzenpaar beworben. Wir sind beide geprägt von der Gewerkschaftsbewegung der "Gelben Hand". Dabei geht es um ein Bekenntnis gegen Rassismus. Die Gelbe Hand meint eine Kampagne mit dem Slogan "Mach meinen Kumpel nicht an" und wird bis heute von Gewerkschaftern gelebt. Die Kampagne wurde 1986 entwickelt und stammt ursprünglich aus dem Bergbau. Wir wollten diesen Gedanken auch im Karneval transportieren und zeigen, dass wir alle Narren, also alles Menschen sind. Alle anders, aber eben alle gleich. Dirk Müller Dazu kommt, dass wir wirklich viele Freunde und auch Kollegen mit Migrationshintergrund haben: Armenier, Türken, Italiener, Spanier, Polen, Niederländer, Griechen und so weiter. Die Industrie ist eben auch ein Raum internationaler Begegnung. Auch das wollten wir stützen und stärken und uns dazu bekennen.

Dieses Bild mit Motiven aus Uerdingen wird das Uerdinger Prinzenpaar Kanzlerin Angela Merkel überreichen. Gemalt wurde es von Klaus Viehmann, künstlerisch begabter Currenta-Mitarbeiter. FOTO: Thomas lammertz

Das Motto hat unfreiwillig an Brisanz gewonnen. Ist das ein Problem?

Nicole Specker Im Gegenteil, wir begrüßen das. Es ist ja gut, dass wir so im Karneval mit dazu beitragen können, für Toleranz auch gegenüber Flüchtlingen zu werben. Dirk Müller Ich glaube, bei den meisten ist das Mitgefühl mit den Flüchtlingsschicksalen auch noch ungebrochen stark. Der Karneval ist da auch eine Chance.

Inwiefern?

Nicole Specker Der Tulpensonntagszug zieht ganz in der Nähe der Heinz-Melcher-Halle vorbei, in der Flüchtlinge untergebracht sind. Wir möchten es insbesondere den Kindern dort ermöglichen, Karneval mitzufeiern. Die Kinder gehen hier ja auch zur Schule und in die Kindergärten. Da wird kostümiert Karneval gefeiert und so manche Konfettischlacht geschlagen. Diese kleinen Menschen stehen ohne Kostüm dann noch mehr als Außenseiter da, obwohl es gerade dann mit der Integration gut klappen könnte. Daher rufen wir gerade mit der Aktion "Helfende Hände Krefeld" über Facebook auf, Kostüme für die tollen Tage zu spenden. Viele haben doch bestimmt noch alte Kostüme im Keller, das ist bestimmt kein Problem, genügend zusammenzubekommen.

Wie stehen Sie zur Kanzlerin? Als Gewerkschafter stehen Sie ja nicht in Verdacht, CDU-Politiker zu mögen.

Nicole Specker Das stimmt so eigentlich nicht: Die IG BCE, in der ich aktiv bin, ist personell in beiden großen Parteien vertreten und aktiv. Aber wie ich zur Kanzlerin stehe? Ach, darüber habe ich mir im Zusammenhang mit dem Berlin-Besuch kein wirkliches Urteil gebildet. Wir hatten in den letzten Tagen und Wochen ohnehin nur Karneval im Sinn. Und der Empfang in Berlin ist von karnevalistischer Natur und sollte es auch bleiben.

Wie läuft der Besuch in Berlin ab?

Dirk Müller Das Protokoll steht fest. Der Empfang dauert eine Stunde; zu Gast sind 17 Prinzenpaare; 16 für jedes Bundesland und das Bonner Paar. Die sind immer dabei, ein Privileg mit Blick auf die Zeit von Bonn als Hauptstadt und weil dort noch Ministerien beheimatet sind. Die Paare samt Gefolge werden auf einer Treppe platziert und nach und nach zur Kanzlerin gerufen. Wir werden ihr unseren Orden und ein Bild überreichen, dass Klaus Viehmann eigens für diesen Anlass gemalt hat. Es zeigt die Karnevalisten und ein Ensemble von Uerdinger Ansichten. Und während wir nach vorne gehen, spielt eine Band das Prinzenlied des jeweiligen Paares an - also auch unser Lied "Ich brenne für Oeding".

Werden Sie mit der Kanzlerin reden?

Dirk Müller Wir werden sicher ein paar Worte wechseln, aber für ein Gespräch dürfte die Zeit zu knapp und das Protokoll zu straff sein.

Freuen Sie sich? Sie schaffen es immerhin mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Heute-Journal.

Nicole Specker Klar freuen wir uns. Das Lustige ist: Im letzten Jahr haben wir die Bilder von dem Empfang in den Nachrichten gesehen, und ich hab scherzhaft zu meinem Mann gesagt: "Nächstes Jahr sind wir auch da!" Jetzt fahren wir wirklich hin. Ist ja irre. Und vielleicht sehen uns dann andere Paare und denken wir: Und wir fahren da auch mal hin (lacht).

JENS VOSS FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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