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Krefeld
Umbau des Schwanenmarkts gerät ins Stocken - noch kein Bauantrag

Krefeld: Umbau des Schwanenmarkts gerät ins Stocken - noch kein Bauantrag
Auf der Expo im vergangenen Jahr wurden Ansichten für den umgebauten Schwanenmarkt gezeigt. FOTO: msp
Krefeld. Der Krefelder Gestaltungsbeirat legt sein Veto zu den bisherigen Plänen des Architekturbüros msp aus Dortmund ein und stellt den Verantwortlichen dort ein schlechtes Zeugnis aus. Von Norbert Stirken

Vernichtender kann ein Urteil nicht ausfallen: Der nicht öffentlich tagende Krefelder Gestaltungsbeirat unter dem Vorsitz des Diplom-Ingenieurs Rainer Lucas bescheinigt dem Dortmunder Architekturbüro msp, das den Um- und Neubau des Schwanenmarkts in der Krefelder City vorbereiten soll, seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Im Protokoll der betreffenden Sitzung, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es, dass die Architekten Holger Paul und Lothar Strothmann auf die erfolgten Anregungen unzureichend bis gar nicht reagiert hätten. Die Entwürfe für die Baukörper an der Breite Straße und Evertsstraße "entsprechen nicht den gewünschten Zielvorstellungen". Die "Fassadenformulierungen am Schwanenmarkt lassen nach wie vor die Gestaltkriterien, die diesem Ort entsprechen sollten, vermissen".

Die Vorbereitungen für die Komplettüberarbeitung eines der ersten innerstädtischen Einkaufszentren Deutschlands von 1976 befindet sich derzeit offenbar in einer Sackgasse. Der Zeitplan - Eröffnung in 2018 - scheint kaum mehr einhaltbar. Bei der Fachverwaltung der Stadt Krefeld liege auch noch kein Bauantrag vor, bestätigte Stadtsprecherin Angelika Peters gestern Vormittag auf Anfrage unserer Redaktion.

Der Schwanenmarkt steht heute für rund 50 Läden plus Gastronomie, ein Parkhaus mit etwa 700 Plätzen, ein zwölfgeschossiges Hochhaus mit rund 200 Wohnungen und eine Kindertagesstätte mit Außenspielflächen auf dem Dach des Parkhauses. Vor zwei Jahren kauften die israelischen Investoren Samuel und Pinchas Schapira das Objekt und kündigten gleich massive Änderungen und Modernisierungen an.

Die bisherige Planung sieht einen Abriss des Parkhauses an der Evertsstraße vor. An dieser Stelle doll ein Neubau mit einer Verkaufsebene im Erdgeschoss sowie einer weiteren im Untergeschoss entstehen, die für den Verkauf von Lebensmitteln vorgesehen ist. Im Obergeschoss sind Parkdecks geplant. Die Kindertagesstätte soll bleiben, aber verlagert werden. Die Bebauung würde weiter in den heutigen Straßenraum der Breite Straße rücken.

Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt beantragt, das Thema Schwanenmarkt in die Tagesordnung für die nächste Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Stadtsanierung aufzunehmen sowie einer Beratung und gegebenenfalls einer Beschlussfassung zuzuführen. Die CDU bittet um einen Sachstandsbericht der Fachverwaltung als Beratungsgrundlage und die Beantwortung folgender Fragen: Wie will der Investor auf die Wünsche der Stadt Krefeld oder des Gestaltungsbeirates eingehen? Kann der historische Stadtgrundriss berücksichtigt werden? Wie soll mit dem denkmalgeschützten Schirmhaus umgegangen werden?

Neben gestalterischen Aspekten müssen die Investoren zahlreiche andere Baustellen beackern. Problem Nummer eins: Beim denkmalgeschützten Haus Hochstraße 102 ist nicht nur die Fassade erhaltenswert, sondern auch das Innere wie das Treppenhaus. So lässt sich das Objekt jedoch kaum in die Verkaufsetagen integrieren. Problem Nummer zwei: die Wirtschaftlichkeit. Nach Informationen unserer Redaktion driften Ansprüche und Kosten auf der einen Seite und Wirtschaftlichkeitsbestrebungen auf der anderen Seite derzeit noch auseinander. Problem Nummer drei: Noch sind offenbar nicht alle Eigentumsfragen - Stichwort Walbusch-Haus - endgültig geklärt.

Schlussendlich lässt der Gestaltungsbeirat nicht locker: Er kritisiert unter anderem, dass die Fassade entlang der Hochstraße und am Schwanenmarkt in der Gebäudetypologie und der Flachdachausbildung die gewünschte Einfügung in die Umgebung und die Historie vermissen lasse. Ferner wünsche er sich, dass der ehemalige Altstadtbereich Breite Straße und Evertsstraße räumlich wieder wahrnehmbar und eine auf den Ort bezogene Architektursprache der Gebäude erkennbar werde.

Die angesprochenen Architekten des Dortmunder Büros msp standen gestern für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Quelle: RP
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