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Krefeld
Umstrittenes Antikriegsdrama bald im Studio

Krefeld. Matthias Gehrt inszeniert "Draußen vor der Tür" - ein Stück mit kaum bemerkter Karriere und nicht unumstritten. Dienstag ist Premiere. Von Petra Diederichs

Wolfgang Borchert (1921-1947) hat nur ein einziges Theaterstück geschrieben. Aber das hat eine große Karriere gemacht, die allerdings weitgehend so unspektakulär läuft, dass sie vielen gar nicht auffällt: "Draußen vor der Tür" zählt zu den meistgespielten Stücken weltweit: "Seit der Uraufführung 1947 gibt es keinen Monat, in dem das Stück nicht irgendwo auf der Welt gespielt wird - in mehr als 40 Sprachen", sagt Matthias Gehrt. Die Geschichte des Kriegsheimkehrers Beckmann, der im Leben keinen Tritt mehr fasst, sei zeitlos-aktuell. Ein Grund, warum der Schauspieldirektor das Drama inszeniert hat. Am Dienstag, 15. Dezember, 20 Uhr, ist Premiere in der Fabrik Heeder.

Schlagzeilen hat "Draußen vor der Tür" gemacht, als Jan Philip Reemtsma kritisierte, dass Borchert die Schuldfrage völlig ausblende, den Faschismus und die Kriegsursachen nicht reflektierte. Für Gehrt mindert das die Qualität des Stückes nicht: "Borchert war 26 Jahre alt, er hat es 1947 geschrieben, als er quasi gerade aus dem Krieg getaumelt war. Da war die Reflexion noch gar nicht da. Sechs Millionen ermordete Juden erwähnt er nur in einem Satz. Das muss man vor diesem Hintergrund sehen."

Borchert - wie sein autobiografisch gefärbter Held Beckmann - leidet an etwas, für das es damals noch keine Terminologie gab: posttraumatische Belastungsstörungen. Erst seit dem Vietnamkrieg sind die Beschädigungen der Seelen bei den heimkehrenden Soldaten thematisiert worden. Heimkehrer aus Afghanistan haben heute ähnliche Symptome wie Beckmann, der zum Symbol seiner Generation wurde. Deshalb hat Gehrt in seiner Bühnenfassung des Borchert-Stücks den Zweiten Weltkrieg "nicht außer Acht gelassen, aber es gibt keine dezidierten Bezüge auf das Ende der 40er Jahre", sagt er. Auch Kundus und Verdun werden genannt - Gräuel des Kriegs sind an keinen Ort, an keine Zeit singulär gebunden. Beckmann könnte aus jedwedem Krieg heimkehren.

"Es ist ein Kammerspiel, keine große Bilderwelt, deshalb passt die intime Atmosphäre der Fabrik Heeder sehr gut", sagt Gehrt. Für Adrian Linke ist der Beckmann wieder eine Charakterrolle. Und eine körperliche Herausforderung. Dass er ständig im Regen stehengelassen wird, ihm alle Türen vor der Nase zugeschlagen werden, setzt Bühnenbildnerin Gabriele Trinczek mit einer großen Regenanlage um. "Wenn er nass wird, sich seine Kleider vollsaugen, dann macht das etwas mit ihm", sagt sie. Einen schützenden Neoprenanzug hat Adrian Linke abgelehnt.

Premiere Dienstag, 15. Dezember, 20 Uhr, Fabrik Heeder (fast ausverkauft). Am Sonntag, 13. Dezember, 19.30 Uhr, gibt es eine Soiree e im Theater.

Quelle: RP
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