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Krefeld
Umweltschützer unterstützen Kritik an Luftreinhalteplan

Krefeld. Krefeld will vorerst keine weiteren Umweltmaßnahmen umsetzen. Unterstützung kommt ausgerechnet von Naturschützern des BUND. Die Vorschläge des Landes ließen "Ernsthaftigkeit vermissen". Von Sebastian Peters

Der Krefelder Sonderweg beim Luftreinhalteplan hat deutschlandweit für Wirbel gesorgt. Wegen des VW-Abgasskandals hat die Stadt Krefeld angekündigt, vorerst keine weiteren Maßnahmen des Luftreinhalteplans umzusetzen - auf den Bau von Ladestationen und Parkplätzen für E-Mobile und E-Bikes wird vorerst verzichtet, ebenso auf Parkverbote und neue Ampelschaltungen. Unterstützung erhält Krefelds Umweltdezernent jetzt ausgerechnet von Angelika Horster, Kreisvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). In einem Schreiben an die Bezirksregierung Düsseldorf, das unserer Redaktion vorliegt, kritisiert Horster die vom Land vorgeschlagenen und mit Krefeld abgesprochenen Maßnahmen als "unwirksam".

Vier Din-A-4-Seiten ist Horsters Stellungnahme lang. Sie liest sich wie eine Generalabrechnungen mit dem Luftreinhalteplan, der seit dem 1. Oktober 2010 gilt und in dessen Folge sowohl LKW-Verbotszonen geschaffen wurden als auch Autos ohne Grüne Plakette die Einfahrt in die City verwehrt wurde.

Krefelds Umweltdezernent Thomas Visser verteidigte im Gespräch mit unserer Redaktion abermals das Vorgehen der Stadtverwaltung, vorläufig keine weiteren Maßnahmen umzusetzen. Solange das Land von den auf dem Papier stehenden Emissionen der Kraftfahrzeuge ausgehe, sei die Berechnung der Schadstoffe nicht valide. Krefeld werde dann die Grenzwerte für Stickstoffdioxid, die an Oranierring und Kölner Straße immer noch zu hoch sind, weiter nicht unterschreiten. Sein Vorgehen habe er auch in Gremiensitzungen des Deutschen Städtetags thematisiert, sagt Visser.

Der BUND schlägt in Krefeld viel radikalere Maßnahmen vor als die, die bisher vorgeschlagen sind: Regelgeschwindigkeit Tempo 30 im Stadtgebiet, grundsätzliches Lkw-Durchfahrverbot für Lkw ab 7,5 Tonnen, künstliche Verengung der Einfahrtstraßen in die City, keine weiteren Bauplanungen mit Aufkommen von zusätzlichem KFZ-Verkehr, Fahrradverkehr auf allen Einbahnstraßen in beide Richtungen, keine weiteren Baumfällungen mehr, Vorrangschaltung an Ampeln für Bus und Bahn, Fahrrad- und Fußgängerverkehr.

Angelika Horster listet in ihrem Schreiben an die Bezirksregierung detailliert die einzelnen Maßnahmen auf, die neu geplant sind und die selbst Umweltdezernent Thomas Visser als "reinen Aktionismus" bezeichnet. Den Sinn der vorgeschlagenen Einrichtung von neuen Fahrradboxen zweifelt Horster an. "Wir regen an, die Öffnungszeiten der vorhandenen Fahrradstationen zu erweitern." Auch die "Errichtung von zehn Fahrradabstellanlagen" ist für sie nur eine Scheinmaßnahme. "Schon der Zeithorizont bis 2018 lässt bezweifeln, dass es je dazu kommt." Der Vorschlag, verkehrliche Maßnahmen wie Durchfahrt und Verkehrsverbote zu kontrollieren, werde nicht funktionieren. Polizei und Ordnungsamt seien "nur sehr widerstrebend" bereit, die Überwachungsaufgaben wahrzunehmen. Zu den E-Bike-Aufladestationen sagt Horster: "Es ist nicht einzusehen, warum Eigentümer von E-Bikes diese nicht auf ihre eigenen Kosten in ihren Wohngebäuden aufladen können. Andere Verkehrsteilnehmer mit normalen Fahrrädern und per Pedes wären benachteiligt."

Quelle: RP
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