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Krefeld
Umzug in den Knast: 54 Häftlinge kommen an die Nordstraße

Krefeld. Spätestens in vier Wochen soll die im August vergangenen Jahres geschlossene JVA belegt werden. Von Joachim Niessen

In vier Wochen wird das Gefängnis an der Nordstraße wieder betriebsbereit sein. "Wir gehen davon aus, dass dort dann 54 Personen wieder untergebracht werden können", sagt Dieter Grave, stellvertretender Leiter der Justizvollzugsanstalt Willich. Die Haftanstalt in Krefeld - wie auch das Gefängnis in Mönchengladbach - ist eine Zweiganstalt der JVA Willich. Beide Dependancen wurden im vergangenen Jahr geschlossen, weil es angeblich zu viele Haftplätze gab. So argumentierte auf jeden Fall Landesjustizminister Thomas Kutschaty (SPD).

Mit dem Vorfall in Münster ist das plötzlich alles hinfällig. Die dortige JVA ist derart baufällig, dass sie binnen 48 Stunden geräumt werden musste. Gestern Mittag wurden dort die letzten der mehr als 500 Häftlinge abtransportiert, 26 haben in der JVA-Hauptstelle Willich ihr neues Quartier bezogen. "Nach Aussage des Ministeriums sind derzeit alle Reserven in NRW ausgeschöpft. Deshalb müssen geschlossene Einrichtungen reaktiviert werden", so Grave. Dass viele Gefängnisse in NRW alt und marode sind und deshalb saniert werden müssen, wird am Münsteraner Beispiel dramatisch deutlich. Das Krefelder Gebäude wurde 1892 bis 1894 errichtet und steht unter Denkmalschutz. Ob es den Bedingungen des modernen Strafvollzuges entspricht, ist mehr als fraglich.

Vor der Schließung des Hauses im August 2015 waren dort 72 Untersuchungshäftlinge inhaftiert. "Wir gehen davon aus, dass auch nach der Wiederinbetriebnahme dort Untersuchungshäftlinge untergebracht werden", erklärt Grave. 54 Personen soll die Haftanstalt dann Platz bieten. Ein Raumproblem an den Krefelder Gerichten entpuppt sich jetzt für die NRW-Regierung zum Glücksfall. Da weder das Amts- noch das Landgericht genügend Zellen für die Häftlinge während der Verhandlungstage haben, wurde ein Teil der alten Haftanstalt weiter als "Gewahrsamsbereich" genutzt. "Das heißt, dass das Gebäude auch nach der offiziellen Schließung im vergangenen Jahr weiter in Betrieb gewesen ist", sagt Grave.

Baulich muss in den historischen Komplex "nur minimal" investiert werden. "Das Haus ist in einem guten Zustand, allerdings ist es innen quasi nackt", beschreibt der 66-Jährige die derzeitige Situation. Die Planung in der Willicher Zentrale läuft derzeit auf Hochtouren: Zellen müssen neu ausgestattet, Verwaltungsräume wieder eingerichtet werden. "Einschließlich Betten, Wäsche oder Besteck, die Dinge des täglichen Bedarfs müssen neu besorgt werden", sagt der stellvertretende JVA-Chef. Auch über Sportmöglichkeiten und die Ausstattung eines Kirchenraums wird gesprochen.

Bleibt das Personalproblem: Mit der Schließung der Krefelder Zweigstelle waren zahlreiche Vollzugsbeamte mit anderen Aufgaben beim Land betraut worden. Unwahrscheinlich ist, dass sie so schnell wieder im hiesigen Gefängnis eingesetzt werden können. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten mutmaßt daher, dass Beamte aus Münster künftig in Krefeld ihren Dienst werden tun müssen. Grave geht davon aus, dass 35 Mitarbeiter benötigt werden, um einen reibungslosen Betrieb an der Nordstraße zu ermöglichen. Positiv für eine zügige Umsetzung der Landespläne ist, dass es in der Krefelder Anstalt keine eigene Küche gibt. Das Essen war schon früher aus Willich angeliefert worden.

Mit einem lachenden Auge betrachten Land- und Amtsgericht die künftige Situation in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft: Wenn die Untersuchungshäftlinge künftig wieder in der angrenzenden Haftanstalt leben, müssen sich die Gerichte nicht mehr um die Unterbringung der inhaftierten Angeklagten während des Prozesses kümmern. Und auch die Willicher Anstalt profitiert von dem veränderten Zustand: Der derzeitige Pendeldienst zwischen der dortigen JVA und den Krefelder Gerichtssälen entfällt.

Quelle: RP
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