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Krefeld
Unfall, Kollaps, "Schlüssel steckt": SWK-Leitstelle im Einsatz

Krefeld: Unfall, Kollaps, "Schlüssel steckt": SWK-Leitstelle im Einsatz
Auf den Computern können die Mitarbeiter in der Leitstelle in Echtzeit verfolgen, wo die einzelnen Fahrzeuge der Bus- und Bahnnetze gerade sind. Grüne Punkte stehen für "pünktlich im Plan", gelbe für Verspätung bis fünf Minuten, rote für Verspätung ab fünf Minuten. Auf dem Bild zu erkennen: Siegrid Cantay; ihr gegenüber sitzt Ullrich Bernhardt. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Ob Überfall, Unfall, Kollaps oder "Schlüssel steckt" - bei der Leitstelle der SWK in Krefeld laufen alle Fäden zusammen. Von Jens Voss

Noch während er erzählt, ist der Ernstfall da, wenn auch ein glimpflicher: Ein Straßenbahnfahrer meldet per Funk, dass er den Schlüssel nicht mehr aus dem Schloss eines Signalkastens herausbekommt. Ein kleines Problem mit erheblichen Folgen: Ohne den Schlüssel kann er die Bahn nicht fahren. Ralf Duhn, der den Funkspruch in der Leitstelle aufgenommen hat, fackelt nicht lange: Er bricht auf, das Schlüsselproblem zu lösen.

Im Prinzip könnte jeder Funkruf mit der wohl berühmtesten Ansage der Technikgeschichte beginnen: "Houston, wir haben ein Problem." Tag für Tag sind rund 300 Fahrer mit Bussen und Bahnen in Krefeld auf der Straße, und wann immer sie ein Problem haben, rufen sie die Leitstelle in der SWK-Mobil-Zentrale. Zwölf sogenannte "Verkehrsmeister" bilden das Leitstellen-Team. Es sind Leute, die als Bus- und Bahnfahrer Erfahrungen gesammelt haben, das Streckennetz gut kennen und in einer Zusatzsausbildung fit gemacht wurden für die Arbeit in der Leitstelle.

"Wenn etwas Großes passiert, ist der Verkehrsmeister wirklich allein verantwortlich. Er hat das Heft des Handelns in der Hand, auch wenn es um ein Menschenleben geht", sagt Guido Stilling, Geschäftsführer von SWK Mobil, "er muss das Nötige schnell hinbekommen, aber nicht überhastet. Diese Eigenschaft brauchen wir hier." Die Fahrer selbst haben keinen Funkkontakt untereinander.

So dramatisch geht es in der Regel nicht zu; meist geht es um Unfälle, falsch parkende Autos, selten um kollabierende Fahrgäste - das warme Wetter zurzeit setzt älteren und kreislaufempfindlichen Menschen zu -, ganz selten um Randale in der Bahn oder gar um Überfälle auf die Fahrer, etwas, was fast nie vorkommt.

Beim jüngsten schwereren Zwischenfall ist ein Lkw in die Oberleitung der Bahn im Bereich Bockumer Platz gefahren und hat fast 800 Meter Leitung zu Boden gerissen. "Das Erste, was dann schnell geschehen muss, ist, den Strom abzuschalten", sagt Stefan Fuchs, Leiter Abteilung Verkehrsbetriebe - die Stromleitung am Boden ist lebensgefährlich. Danach folgt die Organisation der Reparatur und der Umleitungen für den Bahn- und Busverkehr.

Häufiges Problem sind parkende Pkw, die die Bahn blockieren - was gerne auf der Kurfüstenstraße in Uerdingen passiert, wo Parkstreifen und Bahngleise recht eng nebeneinanderliegen. "Autofahrer unterschätzen die Breite der Bahn und die Wirkung ihres Außenspiegels", sagt Stilling. Da es sich rechtlich um eine vergleichsweise harmlose "Behinderung" des Verkehrs handelt, schreitet die Polizei nur moderat ein.

Dennoch kann diese Parkpanne für den Pkw-Fahrer teuer werden: Unter Umständen müssen die Stadtwerke ihren Fahrgästen mit Taxis die Weiterfahrt ermöglichen. Die Kosten dafür werden dem Falschparker aufgebürdet. "Das kann schon teuer werden", sagt Stilling. Überfälle kommen nur ganz selten vor, Randale auch. "Das liegt auch an der Videoüberwachung in unseren Fahrzeugen", sagt Stilling. Außerdem ist die Polizei im Ernstfall minutenschnell parat, auch deshalb, weil die Leitstelle präzise sagen kann, wo die Problembahn gerade steht.

Zu den kuriosen Vorfällen gehört es, wenn Autofahrer die Grube für eine Gleiserneuerung unterschätzen und mit dem Wagen plötzlich feststecken, weil die Räder über dem 30-Zentimeter-Abgrund den Halt verlieren. "Das ist doch einige Male in Bockum auf der Schütenhofstraße passiert", berichtet Fuchs.

Zu den größten Vorkommnissen gehörte der Sturm Kyrill vor acht Jahren: "Da liefen die Störmeldungen im Minutentakt hier ein", berichtet Fuchs. Bei dem Sturm im Mai 2014, der in Krefeld keine Schäden, aber in Düsseldorf viele Parks verwüstet hat, haben die Krefelder SWK-Leute den Düsseldorfer Kollegen vielfach unter die Arme gegriffen.

"Wir haben Hilfe organisiert, Busfahrer für den Schienenersatzverkehr gestellt und Oberleitungsteams zur Reparatur getroffener Leitungen geschickt", berichtet Fuchs. Es war schön, helfen zu können - und zu erfahren, dass die Männer und Frauen im Nahverkehr so etwas wie eine Familie bilden. Bus und Bahn verbinden eben nicht die Fahrgäste, sondern auch die, die den Betrieb stemmen.

Quelle: RP
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