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Krefeld
Unheimliches Insektensterben geht weiter

Krefeld: Unheimliches Insektensterben geht weiter
Eine Malaise-Falle in Orbroich nahe Flöthbach: aufgestellt vom Entomologischen Verein; benannt nach René Edmond Malaise (1892 bis 1978). Er war von Beruf Entomologe (Insektenkundler) und zudem Kunstsammler, Reiseschriftsteller und Atlantisforscher.
Krefeld. Die Alarmglocken schrillen: Der Bestand an Insekten im Naturschutzgebiet Oerbroicher Bruch und darüber hinaus geht in einem atemberaubenden Tempo zurück. Von Norbert Stirken

"Es ist katastrophal, wenn man sieht, mit welcher Geschwindigkeit die Artenvielfalt zurückgeht", sagte Reiner H. Rosendahl, Vorsitzender des Naturschutzbundes Krefeld und Kreis Viersen gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Rosendahl stützt sich dabei auf Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld. Der hatte im Dezember 2013 nach intensiven Zählungen einen Rückgang des Bestands um drei Viertel konstatiert. Kontrollzählungen jetzt, so Rosendahl, hätten eine Fortsetzung des Trends bestätigt.

Unter anderem sieht der Nabu-Vorsitzende eine Ursache in der regelmäßigen Anwendung von Neonikotinoide. Diese so genannten systemischen Insektizide würden sogar im Naturschutzgebiet eingesetzt. Das hätten entsprechende Recherchen ergeben. Dabei trifft den Landwirten nicht einmal eine direkte Schuld. Ihr Saatgut für Rüben, die im Oerbroicher Bruch angebaut würden, werde von der Zuckerrübenindustrie nur noch als Pellets angeboten. "Das heißt, das Saatgut ist bereits in eine Schicht von Neonikotinoiden eingebettet", erklärt Rosendahl anschaulich. Auf diese Weise komme das systemische Insektizid mit dem Saatgut auf die Felder inmitten des Naturschutzgebietes. Mit verheerenden Folgen für die Artenvielfalt und den Bestand an Insekten dort und in ganz Krefeld.

Eine harte Konfrontation mit den Landwirten führe nicht zum Erfolg glaubt der Nabu-Chef. Gleichwohl empfiehlt er, die Beipackzettel genauer zu lesen und die Dosierungen präziser einzuhalten. Systemische Insektizide stellten gewissermaßen ein systemisches Problem dar. Rosendahl hofft, dass der Einsatz des niederrheinischen Landwirts Karl Heinz Florenz in Brüssel zu einer Sensibilisierung für die Thematik führt. Der Europaabgeordnete genieße bei Naturschützern, Jägern und Bauern gleichermaßen Vertrauen. Der Naturschutzbund startet im Juni zum zweiten Mal seine Schmetterlingszählaktion mit dem Ziel, mit Hilfe der beliebten bunten Falter Aufmerksamkeit für die Problematik zu erzeugen.

Quelle: RP
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