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Krefelds größtes Flüchtlingscamp
Unmut in Forstwald über Düsseldorf

Krefelds größtes Flüchtlingscamp: Unmut in Forstwald über Düsseldorf
Hans-Josef Ruhland, CDU, (rechts) und Günther Porst, FDP, hatten mit ihrem Engagement im Vorfeld frü das Einberufen der Sondersitzung gesorgt. FOTO: TL
Krefeld. Erstmals hat ein Vertreter der Bezirksregierung die Bürger über die Zeltstadt für 1000 Flüchtlinge informiert. Die Bürger fühlen sich übergangen, es gibt Ängste vor Kriminalität, Krankheiten und dem Alltag mit den neuen Nachbarn. Von Carola Puvogel

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat erstmals öffentlich ihre Pläne erläutert, auf dem ehemaligen Kasernengelände in Forstwald eine Notunterkunft für 1000 Flüchtlinge zu errichten. Bernhard Wasen, zuständiger Bezirksregierungs-Mitarbeiter, war zu Gast in der Sondersitzung der Bezirksvertretung West. Rund 100 Bürger nahmen an der Sitzung teil, um sich aus erster Hand über den Stand der Dinge zu informieren, sie bekamen auch die Gelegenheit Fragen zu stellen.

In den rund zwei Stunden wurden mehrere Dinge deutlich: Die Bezirksvertreter ärgern sich über die mangelhafte Informationspolitik der Bezirksregierung und mutmaßen, dass die Krefelder Verwaltung ebenfalls Informationen zurückgehalten haben könnte. Die im Forstwald lebenden Bürger fühlen sich gleichfalls schlecht informiert und übergangen. Der Mangel an Information hat, so war spürbar, nicht nur zu brodelnder Gerüchteküche, sondern auch zu großer, teils diffuser, Verunsicherung geführt. Redner äußerten beispielsweise Ängste, dass von der Flüchtlingsunterkunft Kriminalität, Vergewaltigung und Krankheit ausgehen könnten.

Die Fakten, so wie Wasen sie darstellte, sind folgende: Mitarbeiter der Bezirksregierung haben das im Besitz der Bundesanstalt für Immobilien befindliche Gelände im September im Alleingang besichtigt, ohne die Stadt einzubeziehen. Das Areal sei von allen rund 30 Grundstücken landesweit, die auf ihre Eignung hin überprüft worden sind, eines der besten gewesen. "Die Lage ist nicht zu zentral, aber erreichbar und kaum zu toppen", formulierte Wasen. Im nächsten Schritt habe man die Verwaltung informiert. Politik und Öffentlichkeit seien nicht gesondert informiert worden, weil aus Sicht der Behörde "die Information schon da gewesen ist", nämlich durch Zeitungsberichterstattung.

Rund 100 Bürger haben die Sondersitzung der Bezirksvertretung West besucht, in der es um das Flüchtlingslager auf dem ehemaligen Kasernengelände ging. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Auf dem Kasernengelände soll eine Leichtbauhalle gebaut werden, die nur dann, so Wasen, als Notunterkunft für maximal 1000 Flüchtlinge, nicht mehr, dienen soll, wenn die Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) mit 10.000 Plätzen des Landes voll sind und auch die so genannten Zentralen Unterbringungseinheiten (ZUE), die aktuell 30.000 Plätze haben, keine Kapazitäten mehr haben. "Wir bauen also eine Unterbringung für bis zu 1000 Menschen, von der wir hoffen, dass wir sie nie brauchen." Das heißt, dass es möglich wäre, dass auf dem ehemaligen Kasernengelände eine Unterkunft errichtet wird, die dann leersteht. Wasen erklärte, dass, egal wie viele Flüchtlinge dort untergebracht werden, auf jeden Fall die volle Zahl, also 1000, auf das Krefelder Kontingent angerechnet werden. "Das gilt, sobald die Halle steht, also etwa am Ende des ersten Quartals." In Krefeld sind derzeit rund 3000 Flüchtlinge untergebracht. Sobald die Notunterkunft des Landes startklar ist, würde es folglich keine weiteren Zuweisungen geben, Krefeld müsste also 1000 Flüchtlinge weniger aufnehmen. Ziel sei es auch, so Wasen, Turnhallen wieder für den Sport zugänglich zu machen. Nach dem Jahreswechsel sollen landesweit 10.000 Plätze in Turnhallen "zurückgegeben werden".

Die Notunterkunft auf dem Kasernengelände sei nicht als dauerhafte Unterbringung gedacht, Menschen sollen dort nicht länger als drei Monate, möglichst kürzer, bleiben. Es werde kaum Komfort und Privatsphäre geben. Den Tagesablauf der Flüchtlinge schilderte Wasen so: "Sie stehen auf, bekommen drei Mahlzeiten und gehen wieder schlafen. Die Menschen sollen dort nicht wohnen oder leben, die Unterkunft ist nur Obdach." Die Behörde rechne nicht damit, dass die Menschen den Drang haben würden, das Gelände zu verlassen. "Die wollen erst mal ankommen", sagte Wasen - und erntete im Publikum Gelächter. Trotz seiner Versuche, mit seinen Erläuterungen die Diskussion zu versachlichen, machte der Bezirksregierungs-Mitarbeiter teils eine unglückliche Figur. Beispielsweise durch seine offensichtliche Orts-Unkenntnis: Ein Zuhörer sorgte sich, dass es für die Kriegsflüchtlinge furchtbar sein würde, in einem von Stacheldraht umzäunten militärischen Lager anzukommen. Wasens Reaktion ließ darauf schließen, dass ihm nicht bekannt war, dass die ehemalige Kaserne einen Stacheldrahtzaun hat.

Die Notunterkunft solle, so Wasen, zunächst auf drei Jahre befristet sein. Denn nur so lange würden die Leichtbauhallen nutzbar sein. Er schloss jedoch nicht aus, dass im Bedarfsfall eine neue Halle aufgestellt werden könnte. Über die Bauplanungsdetails konnte er nichts sagen, "darauf bin ich nicht vorbereitet", jedoch werde das Gelände vorbereitet, von Problemen für die Wasser- und Stromversorgung oder Abwasserentsorgung sei ihm nichts bekannt. Sollten die Abwasserkanäle zu klein sein, würden auf Landeskosten neuen gebaut. Generell würden der Stadt durch den Bau der Einrichtung keine Kosten entstehen.

In der ersten oder zweiten Januarwoche soll es nun eine gemeinsame Bürgerversammlung von Bezirksregierung und Stadt Krefeld geben. Der Termin werde mit Oberbürgermeister Frank Meyer abgestimmt.

Quelle: RP
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