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Krefeld
"Unseren Tieren geht es gut"

Krefeld: "Unseren Tieren geht es gut"
Tom Dick (32) sagt: "Wir gehen bei der Dressur heute anders vor und nutzen Instinkt und Intelligenz der Tiere. Auch bei Großkatzen gebrauchen wir Sprache und Körpergestik, wenn wir mit ihnen arbeiten." Er wuchs mit Großkatzen auf - auch sein Vater ist Dompteur. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Militante Tierschützer wenden sich seit Jahren gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen. Die Leute vom "Wintercircus" um die Familie Probst halten dagegen: Unseren Tieren geht es bei uns besser als in freier Wildbahn. Von Otmar Sprothen

Zirkuschefin Brigitte Probst ist sicher: "Ohne Tiere funktioniert Zirkus nicht. Für einen Familienzirkus, wie wir einer sind, schließen sich extreme Beanspruchungen von Mensch und Tier aus. Familien, die uns besuchen, wollen unterhalten werden. Zu Clownerien und Akrobatik gehören eben auch Tiere, die man aus der Nähe beobachten, hören und riechen kann." Nachdem er in Gelsenkirchen sein Weihnachtsprogramm vorgeführt hat, bereitet der Zirkus Probst auf dem Sprödentalplatz seine heutige Premiere vor.

Die Zirkuschefin blickt begeistert zurück. Nachdem Raubtiere, Lauftiere und Kleintiere wieder einen gewichtigen Teil des Programms ausmachen, erreichte der Zirkus eine sagenhafte Platzauslastung von 98 Prozent. "Bei manchen Vorstellungen mussten wir Hunderte Besucher abweisen", erinnert sich Probst. Sie führt das gesteigerte Interesse an den Zirkustieren darauf zurück, dass viele Menschen keinen direkten Kontakt mehr zu Tieren haben. Insofern sei ein Zirkus ein Kulturgut, denn er bringe den Besuchern etwas nahe, was sie schon verloren glaubten, sagt sie.

Die Artisten des "Krefelder Wintercircus" rund um die Zirkusfamilie Probst laden ab heute zu Vorstellungen ein. Rechts vorn im Bild Stephanie Probst, Tochter von Zirkuschefin Brigitte Probst. FOTO: Thomas lammertz

Ihr Mann Reinhard Probst legt auf eine breite Streuung der Tierarten großen Wert. Unter den 70 Tieren, die der Zirkus mitführt, sind Pferde, darunter zwei Kaltblüter, Zebras, Lamas, Emus, ein Zebruid, eine Kreuzung zwischen Pony und Zebra, vier Tiger und zwei weiße Löwen. Die Jagdtiere werden abgeschirmt vor den anderen Tieren untergebracht. Der Jagdinstinkt ist noch wach, aber sehr abgeschwächt, da die Tiere ausnahmslos aus der Nachzucht zoologischer Gärten stammen. "Nicht jede Tierhaltung eignet sich für einen Zirkus", ergänzt Stephanie Probst. "Wir suchen aus."

Anders sieht das eine Gruppierung von Tierschützern, die auch in Krefeld aktiv ist. Die bemängelt, dass Wildtiere, die normalerweise in weiten Revieren umherzögen, einen Großteil ihrer Zeit in engen Käfige eingepfercht würden. Standortgebundene Tierarten müssten ständig den Ort wechseln, Lauftieren hätten zu wenig angemessenen Auslauf, und insgesamt würden Zirkustiere nicht ausreichend beschäftigt. Die Folge seien Verhaltensstörungen, Gesundheitsschäden und erhöhte Sterblichkeit. Juniorchefin Stephanie Probst ärgern solche Vorhaltungen. Um ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen, ist die Familie Probst einige Male in Afrika gewesen. Dort erkundete sie das Verhalten von Wildtieren im Kampf ums Überleben. "Es ist klar, dass Wildtiere draußen weite Züge unternehmen müssen, um an Wasser oder Futter zu gelangen", sagt Stephanie Probst, die mit ihrer Dressur von sieben Araberhengsten fester Bestandteil des Programms ist. "Unsere Tiere erhalten zu festen Zeiten hochwertiges Futter. Dressur wird nicht erzwungen, denn wir wollen heutzutage die Tiere nicht brechen. Vornehmlich arbeiten wir mit der Modulation unserer Stimme, auf die die Tiere reagieren, und das funktioniert glänzend, wie man in der Vorstellung sehen kann."

Probst' Araber-Hengste wurden alle um das Jahr 1989 geboren, sind also keine Jünglinge mehr. Wenn die Zirkustiere ein Alter erreicht haben, in dem sie die 30 bis 35 jährlichen Reisen nicht mehr mitmachen können, erhalten sie in einer Abteilung des ehemaligen Reiterhofes in Essen-Katernberg ihr Gnadenbrot. Vor der Reise nach Krefeld hat der Zirkus dort ein 29-jähriges Pony zurücklassen müssen.

Tom Dick, der 32-jährige Sohn des gleichnamigen Großkatzen-Dompteurs des Zirkus Probst ist für Tierschutz. "Wir gehen bei der Dressur heute anders vor und nutzen Instinkt und Intelligenz der Tiere. Auch bei Großkatzen gebrauchen wir Sprache und Körpergestik, wenn wir mit ihnen arbeiten." Für Tom Dick, der von klein auf mit Großkatzen aufwuchs, ist es das größte Kompliment, wenn Besucher loben, dass die Tiere gut aussähen. Anders als in den Vorwürfen der Tierschützer hätten Zirkustiere eine längere Lebenserwartung als Wildtiere, die heute Wilderern und der Einengung ihrer Lebensräume unterworfen seien. Der Jungdompteur wirft den Tierschützern vor, sich mehr auf Vorurteile zu stützen als auf gesichertes Wissen. Dick arbeitet mit Großkatzen, die bis in die 22. Generation in Zoos geboren wurden. Neben intensiver tierfachärztlicher Betreuung seien gute Pflege, ausreichende Beschäftigung und ständiger Auslauf die Grundlage dafür, dass die Tiere sich in menschlicher Obhut vermehren würden oder aus eigenem Antrieb in die Reisewagen springen, wenn der Zirkus weiterzieht.

Quelle: RP
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