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Krefeld
Untreue-Verdacht in Wohnungsgesellschaft

Krefeld. Das neue Jahr hat mit drei wichtigen Entscheidungen für die 1901 in Krefeld gegründete Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen AG (GWG) begonnen. Unter anderem hat sich das Unternehmen wegen Untreue-Verdacht von einem Mitarbeiter getrennt. Von Norbert Stirken

Die Stadt Krefeld behält ihre Aktien an der GWG; Diplom-Kaufmann Michael Aach wurde neuer Vorstandsvorsitzender; und das Unternehmen hat sich von einem führenden Mitarbeiter fristlos getrennt, weil der Verdacht der Untreue im Raum steht.

Bis 2002 steuerte die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft des Kreises Viersen AG ihre Geschäfte vom Firmensitz in Krefeld. Einer der Großaktionäre des Unternehmens ist bis heute die Sparkasse Krefeld mit einem Anteil von knapp 39 Prozent im Nennwert von gut 6,3 Millionen Euro. Der Anteil der Stadt Krefeld ist mit 1,09 Prozent und einem Nennwert von knapp 178.000 Euro deutlich geringer. Grund genug für die Krefelder Ratsfraktion der Freien Demokraten, im Zuge der Haushaltsberatungen den Verkauf der Beteiligung zu beantragen. Eine Ratsmehrheit lehnte dies ebenso ab, wie den Verkauf der Geschäftsanteile der Stadt an der Volksbank Krefeld, dem Helios Klinikum und der Allgemeinen Wohnungs-Genossenschaft.

Über die Entscheidung dürfte sich auch der neue Vorstandsvorsitzende der GWG freuen. Der Aufsichtsrat hat den Diplom-Kaufmann Michael Aach zum neuen hauptamtlichen Vorstand und damit zum Nachfolger von Diether Thelen bestellt, der im Juni dieses Jahres in den Ruhestand geht. Aach hat seine Aufgabe zum Jahreswechsel angetreten.

Der 1977 geborene Aach saß bisher dem Verwaltungsrat der Sparkasse Krefeld vor. Bis Frühjahr war der Dülkener in seiner Heimatstadt auch Ortsbürgermeister. Im Viersener Kreistag, dem er seit 1999 angehört, fungiert er als Fraktionschef der CDU. Aach ist gelernter Bankkaufmann, hat in Düsseldorf ein Studium zum Diplom-Kaufmann absolviert und war zuletzt Geschäftsführer der Niederrhein-Unternehmensberatung sowie Vorstandsmitglied des Gemeinnützigen Bauvereins Dülken eG.

Anfang März erwartet den neuen GWG-Chef allerdings eine für einen Arbeitgeber unangenehme Aufgabe. Ein fristlos entlassener Mitarbeiter und die GWG treffen sich vor dem Arbeitsgericht. Zum wahrscheinlich ersten Mal in der Unternehmensgeschichte hat sich die Aktiengesellschaft von einem Objektverwalter getrennt, der für die Betreuung von fast 1000 Wohnungen zuständig war und die so genannten "goldenen Löffel gestohlen" haben soll. "Wir werfen dem Mitarbeiter Untreue vor", sagte GWG-Sprecher Peter Bauland auf Anfrage unserer Redaktion.

Im Vorfeld der Trennung seien alle notwendigen Schritte vollzogen worden, berichtete er. Sowohl der Betriebsrat sei eingebunden als auch ein Gütetermin einberufen worden. Am Ende stand die fristlose Trennung von dem Fachwirt für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. Der Schaden soll sich im niedrigen vierstelligen Bereich bewegen.

Zur Geschichte: Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen AG (GWG) wurde am 12. Juni 1901 in Krefeld gegründet und hat sich in den Jahren des Wiederaufbaus nach 1945 vor allem im sozialen Wohnungsbau engagiert und erheblich zur Behebung der Wohnungsnot im Landkreis Kempen-Krefeld beigetragen.

Das Geschäftsgebiet umfasst heute den Kreis Viersen sowie die Städte Meerbusch, Geldern und Krefeld. In der Seidenstadt besitzt die GWG 121 Wohnungen. Im Frühjahr 2002 wurde der Firmensitz von Krefeld nach Viersen verlagert. Im Kreis Viersen verwaltet die Gesellschaft traditionell den Großteil ihres Wohnungsbestandes, derzeit 3666 der insgesamt rund 4514 Wohnungen.

Darüber hinaus kümmert sich die Wohnungsgesellschaft auch um die Verwaltung der Immobilien der Sparkasse Krefeld. Deren Vorstandsmitglied Lothar Birnbrich ist stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der GWG, die über 40 Millionen Euro Eigenkapital verfügt. Die Bilanzsumme beträgt 163 Millionen Euro. Die GWG beschäftigt 53 Mitarbeiter, davon vier Auszubildende.

Quelle: RP
 
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