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Krefeld
Vaters Vermächtnis

Krefeld: Vaters Vermächtnis
Axel Vater war Künstler und Bühnenbildner: Seine Bildkästen erlauben einen Blick in das "Hotel Dieu" (2009). Dabei gibt es viel zu entdecken. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. In einer großen Doppelausstellung zeigen Krefelder Kunstvereine ab heute eine Retrospektive des 2014 verstorbenen Krefelder Künstlers Axel Vater. Von Norbert Stirken

Wenn der, der macht, eins ist mit dem, was gemacht wird, dann ist das, was gemacht worden ist, etwas Absolutes, das keines Beweises bedarf, sprich keiner Erklärung bedarf, folglich muss auch der Inhalt des Gemachten nicht bewiesen und erklärt werden. Diese Lektion erteilte Axel Vater vor mehr als 30 Jahren in Schriftform einer promovierten Kunsthistorikerin, die sich von dem spröden Künstler etwas Hilfe für ihre Eröffnungsrede zur Präsentation seiner Werke erhofft hatte. Die bekam sie auch, aber anders als erwartet.

Lektionen - oder auch Lebenshilfe - erteilt der 2014 verstorbene Vater nun posthum durch seine vielfältige Kunst. Er war ein Meister vieler Medien - Zeichnungen, Collagen, Materialbilder, Bildkästen. Der Kunstverein und der Verein Kunst und Krefeld eröffnen heute und am Sonntag zwei große Ausstellungen im Buschhüterhaus am Westwall und in der Alten Post an der Steinstraße, die einen repräsentativen Querschnitt des künstlerischen Tuns über die Jahrzehnte liefern. Beatrix Vater-Dobberstein hat die Auswahl aus dem riesigen Fundus getroffen.

Beatrix Vater-Dobberstein hat schlichte Rahmen für die Zeichnungen ihres Mannes ausgewählt, die nicht in Konkurrenz zu den intensiven Arbeiten stehen. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Vater war in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Künstler. Er arbeitete als Bühnenbildner im schweizerischen Winterthur, ehe er drei Jahre bei Professor Rolf Crummenauer an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf studierte. Dabei war er bereits Meisterschüler dort. Der viel ältere Crummenauer und dessen Kollegen und Freunde müssen einen großen Eindruck auf Vater gemacht haben. Der 1946 in Görlitz geborene Student fühlte sich zu den renommierten Kollegen der Osterather Radiergemeinschaft, zu der unter anderem Erwin Heerich, Holger Runge, Franz-Joseph und Hans van der Grinten gehörten, hingezogen. "Zu Holger Runge pflege ich heute noch lieben Kontakt", berichtete Beatrix Vater-Dobberstein bei der Vorstellung des 120-seitigen Ausstellungskatalogs im Kunstverein. Runge ist mit 90 Jahren der einzige noch Lebende aus der Runde und jemand, der mit seinen Materialbildern eine enge künstlerische Verwandtschaft zu Axel Vater aufweist. Beide schätzen die Verbindung von Handwerk und Kunst, die durch den Deutschen Werkbund und die Arbeit der Werkkunstschule Krefeld befördert wurde.

Axel Vaters Antennen standen stets auf Empfang. Sein Leben war ein Sammeln und Suchen - von Fundstücken, Ideen, Nachrichten, Gefühlen. 20 Jahre lang schlenderte er im Urlaub an dänischen Stränden entlang, um Treibgut zu entdecken. Seine Auswahl für Collagen und Bildkästen war enorm. Er konnte alles gebrauchen. Mitunter warteten halb fertige Arbeiten wochen- oder monatelang, bis die zündende Idee, das richtige Fundstück gefunden war, um die Werke abzuschließen. Vater besaß die untrügerische Sicherheit, seine Komposition spannungsgeladen und stimmig auszubalancieren. Natürlich erinnert er damit an den bekannten Joseph Beuys. Vater zitiert in seinen Bildern viele moderne und zeitgenössische Kollegen.

Der Krefelder beließ es nicht nur bei seiner Arbeit im Atelier. Er stand mitten im Leben, war Mitorganisator der Großen Kunstausstellung NRW im Museum Kunstpalast im Düsseldorfer Ehrenhof, saß in der Jury, arbeitete im Vorstand und scheute sich auch vor weiteren gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht. Jahrelang verantwortete er im Vorstand des Fördervereins der Stiftung Museum Schloss Moyland die Entwicklung des Hauses in Kleve und des Lebenswerks der Brüder van der Grinten mit. Die bekannten Beuys-Sammler aus Kranenburg setzten großes Vertrauen in den jungen Mann aus Krefeld, den sie aus der Osterather Radiergemeinschaft kannten.

In den benachbarten Niederlanden engagierte er sich als Juror und Mitorganisator der Kunstmesse "Huntenkunst" in Doetinchem sowie als Gastkonservator für die Ausstellung Enigma in Deventer. Einen Briefumschlag mit den Namen der Künstler, die Vater für diese Präsentation auswählte, ist Bestandteil einer Collage, die in der aktuellen Ausstellung im Kunstverein zu entdecken ist.

Vernissagen: heute, ab 19 Uhr, Buschhüterhaus, Westwall, und Sonntag, 31. Januar, 11.30 bis 14.30 Uhr in der Alten Post, Steinstraße

Quelle: RP
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