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Krefeld
Verdi-Chef sieht die Rente in Gefahr

Krefeld. Auf der Mai-Kundgebung im Krefelder Stadtgarten zeigte sich der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske in Kampfstimmung. Bis zur Bundestagswahl wird der DGB die Finanzierbarkeit einer höheren Rente einfordern. Von Otmar Sprothen

Gerade hatte die Sonne die letzten Wolkenschleier verdrängt, als der am Platz der Wiedervereinigung gestartete Demonstrationszug zu den Klängen des von der Bergmannskapelle "Rheinpreußen" zackig intonierten Steiger-Liedes bei der traditionellen Maifeier des Krefelder DGB im Stadtgarten eintraf. An der Spitze des Zuges gingen der Krefelder DGB-Vorsitzende Ralf Köpke, Oberbürgermeister Frank Meyer und der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske, der nach intensiven Warnstreiks einen respektablen Abschluss für den öffentlichen Dienst erreicht hatte.

"Das Motto Zeit für mehr Solidarität hat einen sozialen Schwerpunkt", sagte Verdi-Chef Frank Bsirske, der das Hauptreferat der Kundgebung hielt. "Wenn ein 1964 geborener Baby-Boomer bei einem Gehalt von 2400 Euro brutto nach 40 Arbeitsjahren nur 740 Euro Rente bekommt, dann haben wir kein demografisches, sondern ein soziales Problem." Bei der Rente ticke eine soziale Zeitbombe, denn das Riestern lohne sich nicht und die derzeitigen Betriebsrenten könnten eine verlässliche staatliche Rente nicht ergänzen. Bsirske forderte einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. Zeiten der Arbeitslosigkeit und im Niedriglohnsektor müssten aufgewertet werden. "Es ist nicht normal, dass ein Briefträger oder eine Verkäuferin bei Karstadt mit ihren Steuern den Armutslohn der Konkurrenz subventionieren dürfen und dieser ihnen dann entgegengehalten wird", sagte der Verdi-Chef und erhielt anhaltenden Applaus von den etwa 1000 Besuchern.

Über die Hälfte der derzeitigen Arbeitsverhältnisse seien befristet. Leiharbeiter müssten vom ersten Tag an den gleichen Lohn wie Stammarbeiter erhalten. Bsirske lobte den neuen Gesetzentwurf der Arbeitsministerin Andrea Nahles, der den Einsatz von Leiharbeitern als Streikbrecher verbietet. Für Bsirske ist eine Erhöhung der Rentenbeiträge bei einer angemessenen Beteiligung der Arbeitgeber kein Tabu: "Lieber zahle ich drei oder vier Prozent höhere Beiträge, als dass ich später von Hartz IV abhängig bin." Bsirske kündigte eine von September bis zur Bundestagswahl durchgängige machtvolle Rentenkampagne der Gewerkschaften an.

Eine gute Arbeit verlange nach guten Löhnen, hatte Oberbürgermeister Frank Meyer den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst kommentiert. Allerdings dürften die Länder die Kommunen nicht aus dem Blickfeld verlieren, denn diese brauchten eine leistungsfähige Finanzausstattung. Meyer lobte die vielen freiwilligen Helfer für ihren Einsatz, aber auch seine Stadtverwaltung bei der Eingliederung der Flüchtlinge: "Ihr macht einen ganz tollen Job, liebe Kolleginnen und Kollegen."

Der Stadtgarten bot bei frühlingshaftem Wetter den Rahmen für ein Familienfest mit kulinarischen Spezialitäten aus aller Welt. Grillrauch zog über die bunten Zeltdächer der 35 Stände von Initiativen und Vereinen durch das lichtgrüne Blätterdach der Bäume. Neben einem portugiesischen Stand, der Sagres-Bier anbot, hatte sich der Bund der alevitischen Jugend aufgestellt. Neben selbst gebackenen Brownies und Kuchen konnte man in Broschüren blättern, die alevitisches Leben, aber auch die Benachteiligung der Aleviten in der Türkei schilderten.

Von attac bis zur Anarchistischen Gruppe, die ganz brav eine Bilderausstellung zur Geschichte des 1. Mai bot, zeigte sich ein buntes Bild. Zwei Schritte weiter beklagte eine grüne Aktionsgruppe den Zustand der Krefelder Radwege, während auf der Bühne der Friedenschor "Brüder zur Sonne zur Freiheit" sang.

Quelle: RP
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