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Krefeld
Verfremdete Bücher in der Mediothek

Krefeld: Verfremdete Bücher in der Mediothek
Sofie Clossen und Danai Emmanouilidis thematisieren mit ihrer künstlerischen Arbeit die Flüchtlingssituation und haben das Grundgesetz mit Draht, Nägeln und kleinen Figuren verfremdet.
Krefeld. Schüler der Montessori-Gesamtschule haben sich Werke des Krefelder Künstlers Hubertus Gojowczyk zum Vorbild genommen und Bücher umgestaltet - teils mit sehr aktuellem Bezug, wie Flüchtlingssituation und Terrorismus. Von Carola Puvogel

Der Krefelder Künstler Hubertus Gojowczyk ist Vorbild für Arbeiten von Schülern der Montessori-Gesamtschule, die noch bis zum 11. Januar in der Mediothek am Theaterplatz ausgestellt werden. Wie Gojowczyk haben die Schüler Bücher umgestaltet. Gojowczyk hatte vor mehr als 40 Jahren erstmals mit seinen Buch-Objekten Aufsehen erregt, als er auf der documenta 1977 eine "Tür zum Lesezimmer" aus Büchern und Mörtel installierte. In diesem Herbst schenkte er drei seiner Arbeiten dem Krefelder Stadtarchiv. Beim Besuch der Ausstellung hatten die Montessori-Schüler sich inspirieren lassen.

Auch die Arbeiten des Kunst-Grundkurses der Klasse 13 haben Bücher als Ausgangsobjekt, die Buchtitel spielten bei der Umgestaltung eine große Rolle. Einige Schüler stellten Bezüge zu aktuellen Themen wie Flüchtlingssituation oder Terrorismus her. Erschreckend die Aktualität, die die Arbeit "Die Terroristen" plötzlich erlangte: Zwei Wochen vor dem Pariser Attentat vom 20. November begannen die Schüler Yannick Dyllong und Matthias Waerder mit ihrer Arbeit und gestalteten die Buchvorlage "Die Terroristen" um. Sie veranschaulichen Zerstörung, Gewalt und Angst. "Das größere Buchfragment unseres Projektes zeigt die Folgen einer Explosion", erklären die Schüler. "Teile des Buches fliegen noch durch die Luft, herausgesprengt aus dessen Zentrum. Schaut man durch das Loch, sieht man zum einen die Terroristen, und zum zweiten die Bombe. Obwohl schon großer Schaden entstanden ist, steht eine weitere Detonation noch bevor, die Terroristen sind noch nicht am Ziel ihres Vorhabens."

Zerstörung, Gewalt und Angst soll mit dem Werk "Die Terroristen" veranschaulicht werden. Die Schüler Yannick Dyllong und Matthias Waerder begannen zwei Wochen vor dem Pariser Attentat mit ihrer Arbeit. FOTO: MS

Sofie Clossen und Danai Emmanouilidis haben "Das Grundgesetz und die Menschenrechtskonvention" als Buch ausgewählt. Sie thematisieren das Grundgesetz, Artikel 1, und das Asylrecht. Kleine Flüchtlingsfiguren stehen vor dem monumental wirkenden Buchobjekt, welches Barriere oder Chance sein kann. "Für viele Flüchtlinge sind gerade die Menschenrechte und das Gelten des Grundgesetzes in Deutschland wichtige Beweggründe, das eigene Land zu verlassen und nach neuen Lebensperspektiven zu suchen", sagen die Schülerinnen. "Mit unserem Buchobjekt wollen wir aber auch den Blick darauf lenken, dass es dabei eine völlig andere Seite gibt. Schließlich gibt es Flüchtlinge, die in Deutschland nicht bleiben dürfen. Wir wollen diesen Zwiespalt, die Perspektive und Chance auf der einen Seite und die Ausgrenzung auf der anderen darstellen und damit zum Nachdenken anregen."

Siegfried Lenz' Deutschstunde war Ausgangspunkt der Arbeit von Clemens Wallrath. Seine Skulptur soll einen Teil der deutschen Geschichte in chronologischer Reihenfolge darstellen.

Lena Pimpertz, Anika Stosiek und Mona Klümper geben dem Buch "Die Wachsmalerin", das die Geschichte Madame Tussauds erzählt, ein neues Gesicht. "Unsere Darstellung soll eine Geschichte erzählen, die bei dem Buch beginnt, Wachstropfen führen dann wie ein Weg durch das Leben Madame Tussauds", erklären die jungen Künstlerinnen.

Quelle: RP
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