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Krefeld
Vergnügliche Theaterpremiere mit kindischen Eltern

Krefeld: Vergnügliche Theaterpremiere mit kindischen Eltern
Die Eltern nehmen auf den Stühlen im Klassenraum Platz, um mit der Lehrerin ihrer Kinder ins Gericht zu gehen. FOTO: Stutte
Krefeld. Bei einem ernsten Stoff ist es manchmal am besten, "einfach" eine Komödie daraus zu machen. Das beherrscht nicht nur Autor Lutz Hübner, sondern auch Regisseurin Anja Panse samt Ensemble, und folglich gelang auch die Krefelder Premiere des Erfolgsstücks "Frau Müller muss weg" am Samstag im Stadttheater. Von Mojo Mendiola

Das erste Bild, eine Idylle mit Bällen und Springseilen noch ganz vorschulmäßig unbefangen spielender Kinder, wurde jäh durchbrochen von einem trommelschlagenden "Pauker" und erinnerte an die Drill-Pädagogik noch gar nicht so lang zurückliegender Tage - ein starker Kontrast zu den Verhaltensweisen, die das aktuelle Stück bestimmten, und dennoch erhellend für ihr Verständnis: In einem Klassenzimmer trat ein Grüppchen Eltern an, um auf wenig feine Weise die Lehrerin ihrer Kinder zu überrumpeln, damit diese, angeblich verantwortlich für nachlassende Leistungen ausgerechnet vor dem Übergang zur weiterführenden Schule, die Klasse abgab. Doch das Vorhaben stockte bereits in Ansatz, weil es von so vielen persönlich-charakterlichen Defiziten auf Elternseite geprägt war, dass es für die kurzweilige Gestaltung eines ganzen Theaterabends reichte.

Frau Müller, die Lehrerin, treffend ambivalent dargestellt von Helen Spott, räumte das Feld keineswegs kampflos, und so kam auch zutage, dass sich ihre Schüler oft genug wie kleine Monster aufführten. Vom knallend aufs Pult geschlagenen Zeigestock bis zur Friede-Freude-Schmuseszene war alles dabei, was man an Klischees von selbstherrlichen Lehrern, wettbewerbsverkrüppelten Vätern - überzeugend erbärmlich Adrian Linke und Christopher Wintgens - und moralinversauerten Müttern erwarten darf, wobei das Übergewicht diesmal nicht beim Lehrer-Bashing, sondern eher beim Eltern-auf-die-Schippe-nehmen lag.

Und gelacht wurde reichlich in dieser Premiere. Ob sich eine Berlinerin, herrlich exaltiert gespielt von Helen Wendt, am Niederrhein so fremd fühlte, als käme sie mindestens aus Kairo, ob die ach so coole Elternsprecherin, offensiv verkörpert von Susanne Jansen, in einen hysterisch geschrieenen Monolog explodierte, ob ausgerechnet der Musterschülermutter, von Esther Keil mit Lebendigkeit ausgestattet, plötzlich ihre Sinnlichkeit durchging, oder ob sich in das Chorlied "Schön ist die Jugendzeit" karikierend eine gewollt zittrige Altfrauenstimme mischte - die ganze Lächerlichkeit dieses verlogenen "Haufens", von keiner noch so überraschenden Handlungswende zu bremsen, traf immer wieder das Zwerchfell und erntete den begeisterten Applaus des erheiterten Publikums.

Quelle: RP
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