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Krefeld
Verhaltenes Lob für neues Parkkonzept

Krefeld: Verhaltenes Lob für neues Parkkonzept
Parkdruck auf der Breite Straße - im Kerngebiet der Innenstadt soll flächendeckend Bewohnerparken, Gebührenpflicht und eine Begrenzung der Parkzeithöchstdauer umgesetzt werden. FOTO: Lammertz
Krefeld. Gleich vier Bezirksvertretungen tagten gemeinsam, um sich über das angedachte neue Parkkonzept für die Krefelder Innenstadt informieren zu lassen. Beifall fand die Ausweitung des Anwohnerparkens, Kritik die kurze Parkzeitdauer. Von Otmar Sprothen

MITTE Im Bereich der Innenstadt soll der vorhandene Parkraum den gestiegenen Anforderungen angepasst werden. Wesentliche Punkte eines neuen Konzeptes, das die Neusser Ingenieurgesellschaft Stolz im Auftrag des Fachbereichs 61/Stadtplanung der Verwaltung erarbeitet hat, stellte Stolz-Gesellschafter Michael Vieten in der Aula der Kaufmannsschule den von der Neuerung betroffenen Bezirksvertretungen (BV) Mitte, Süd, Nord und West in einer gemeinsamen Sitzung vor, zu der Gerda Schnell, die Bezirksvorsteherin Krefeld Mitte, eingeladen hatte.

Mit dem neuen Konzept soll die Attraktivität der Innenstadt gesteigert werden, das Herumirren auf den Straßen bei der Suche nach einem Parkplatz verringert und die Zahl der Parkstände um rund 600 vermehrt werden. Durch eine generelle Gebührenpflicht von 50 Cent je Viertelstunde in der Kernzone zwischen den Wällen und einer Parkscheibenpflicht außerhalb der Kernzone - beide auf eine Maximalparkdauer von zwei Stunden begrenzt - soll die Attraktivität der Innenstadt als Wohn-, Dienstleistungs- und Einzelhandelsstandort gesteigert werden. Hinzu käme die Verringerung des heutigen Schilderwaldes durch ein vereinheitlichtes Parkleitsystem sowie flächendeckend die Möglichkeit des Bewohnerparkens.

Mit den öffentlichen und privaten Betreibern der 13 innerstädtischen Parkhäuser sollen die Möglichkeiten einer Anpassung an die vom ADAC vorgestellten Normen geprüft werden, denn nach Untersuchungen der Stolz-Studie bevorzugen die Krefelder die schlechter bewerteten Tageslicht-Parkplätze. Ausnahmen von der vorgegebenen Parkordnung möchte Vieten generell untersagen: "Solche Regelungen nehmen schnell überhand. Sie rauben Kurzparkern Parkmöglichkeiten, die bei der Masse der Nutzer dringend benötigt werden."

Verlierer der neuen Situation sind gebietsfremde Langzeitparker, die in der Innenstadt ihren Arbeitsplatz haben. Wer mehr als zwei Stunden parken möchte, wird auf Parkstände im Außenbereich verwiesen, es sei denn, er reist mit öffentlichen Verkehrsmitteln an oder mietet Parkraum im Parkhaus. Allerdings soll die neue Parkraumkonzeption von einem neuen P+R-Konzept begleitet werden.

Die Erweiterung des Anwohnerparkens wurde von den versammelten Bezirksvertretern mit Beifall aufgenommen. Dass der Teufel im Detail steckt, verrieten die Fragen aus dem Kreise der Versammelten. Nach Meinung von Günther Porst (FDP) müsste erst das Verbesserungspotenzial der Parkhäuser ausgeschöpft werden, ehe darauf aufbauend ein neues Parkraumkonzept entwickelt wird. Porst vermisst die Belange des Einzelhandels bei der Neuerarbeitung. Basri Cakir (Die Linke) sieht den Gedanken der Verminderung des innerstädtischen Autoverkehrs zu wenig berücksichtigt. Ingeborg Müllers (CDU) vermisst die Ausweitung der Standorte von Quartiersgaragen. Wie sollen die Bewohner der Innenstadt mit Besuch verfahren, der übernachtet? Wie könnte eine Parkregelung für Zweiräder aussehen? Anke Drießen-Seeger (SPD) möchte die Höchstparkdauer auf drei Stunden erweitert wissen, um ungestört die Stadt besuchen zu können. Außerdem ist der Politikerin unklar, was der Besitzer einer Parkberechtigung für Anwohner tun könnte, wenn er seinen Platz belegt vorfindet. Parkkonzept-Planer Vieten erwiderte, dass als Ziel vorgegeben war, neuen Parkraum zu schaffen, nicht den Autoverkehr zu verringern. Dazu sei eine rigorose Gleichbehandlung aller Parkraumnutzer notwendig. Bei einer Parkdauer von mehr als zwei Stunden würden Parkscheiben öfter nachgedreht. Dies mindere die Parkmöglichkeiten. Leider weise die Innenstadt zu wenige Freiflächen für die Einrichtung von Quartiersgaragen auf. Besucher von innerstädtischen Arztpraxen kämen bei den langen Wartezeiten sicher nicht mit zwei Parkstunden zurecht.

In der Ausweitung des Anwohnerparkens sieht Vieten eine generelle Erleichterung der derzeitigen Situation. Sollte ein Anwohner-Parkplatz besetzt sein, solle sich der betroffene Anwohner in der Nachbarschaft einen freien Platz suchen.

Wilfried Daniels (Grüne) sieht in dem Konzept einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Unter allgemeinem Beifall sagte der Politiker: "Ein großes Durcheinander wird mit diesem Konzept in einen Ordnungsrahmen gepresst, der nicht statisch ist, sondern sich weiterentwickeln wird. Schließlich sind in der Anfangsphase feste Evaluationen geplant."

Eine Stellungnahme des CDU-Verkehrsexperten Jürgen Wettingfeld, die Beratung und Beschlussfassung über das neue Parkkonzept so lange zurückzustellen, bis für den Bereich der Innenstadt ein Verkehrs- und Mobilitätskonzept vorliege, wurde dem Sitzungsprotokoll zur späteren Beratung beigefügt, ebenso die Anträge mehrerer Bürgervereine zu Einzelproblemen des Verkehrs in ihrem Quartier.

Quelle: RP
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