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Krefeld
Verjazzter Bach begeistert in der Burg

Krefeld: Verjazzter Bach begeistert in der Burg
Kontrabassist Dieter Ilg, Pianist Rainer Böhm und Schlagzeuger Patrice Héral schafften im Rittersaal die Verbindung von Bach und Jazz. FOTO: JKK
Krefeld. Es war kein Kammermusik-Abend für alte Musik, der im gut gefüllten Rittersaal Burg Linn mit zarten Bach-Klängen am Klavier eingeleitet wurde. Vielmehr handelte es sich um das letzte Konzert des Krefelder Jazzherbstes. Das Dieter Ilg Trio hatte sich die Musik Johann Sebastian Bachs vorgeknöpft, um sich ihr auf eine ganz eigene Art und Weise zu nähern. Von Gert Holtmeyer

Es ist ein eigentümliches Phänomen, dass man Bach so mit Jazz-Rhythmen kombinieren kann, dass es gleichermaßen nach Bach und nach Jazz klingt. Natürlich lässt sich auch Mozart "verjazzen". Aber in der Regel klingt es dann entweder nicht mehr richtig nach Mozart oder noch nicht richtig nach Jazz. Für Beethoven, Schubert und Brahms gilt Ähnliches. Für eine Bach-Jazz-Symbiose gibt es prominente Vorbilder. "Play Bach" mit dem 1934 geborenen Jacques Loussier fällt einem ein. Beim Dieter Ilg Trio klingt es ähnlich, trotzdem ist der Ansatz ein ganz anderer. Loussier versetzt Bachsche Stücke mit Jazz-Rhythmen. Das Dieter Ilg Trio nimmt die Themen als Ausgangspunkt für eigene Improvisationen. Das Gleichgewicht zwischen typisch Bach und typisch Jazz blieb dabei in Burg Linn stets gewahrt.

Der Mann am Klavier heißt in diesem Trio Rainer Böhm. Der weiß auf seinem Instrument zärtlich und träumerisch zu spielen und das in der Bachschen Musik verborgene romantische Element aufzuspüren. Allerdings: Schnell kann er auch, und da zeigt sich, dass er offensichtlich etliche Stunden seines Lebens mit dem Studium der Geläufigkeit zugebracht hat. Das rentiert sich heute. Schnelligkeit und Präzision fallen bei ihm zusammen; er bringt eine gehörige Portion Virtuosität ins Spiel. Chef des Trios, der für Programme und Arrangements verantwortlich zeichnet, ist Dieter Ilg, der Kontrabassist. Auch ihn zeichnet eine verblüffende Technik auf seinem Instrument aus. Souverän beherrscht die linke Hand das Griffbrett, zupfen die Finger der rechten in die Saiten. Schlagzeuger Patrice Héral steht seinen Mitspielern in nichts nach. Er garantiert das richtige Tempo. Lässig schlägt er die kompliziertesten Rhythmen, bei Bedarf auch mit nur einer Hand.

Den Zuhörern gefiel der veränderte Bach, ob die Themen nun aus den Goldberg-Variationen, dem Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach oder der h-Moll-Suite stammten.

Quelle: RP
 
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