| 00.00 Uhr

Analyse
Vermeulens Beraterproblem

Krefeld. Der Abtritt des Beraters von CDU-Oberbürgermeisterkandidat Peter Vermeulen ist mehr als nur eine Personalie - offenbar lief im bisherigen Wahlkampf nicht alles wie gewünscht. Der Fall zeigt auch, wie wichtig das gegenseitige Vertrauen von Spin Doctor und Politiker ist. Von Sebastian Peters

Der Fall "Herbert Spies" hat im politischen Krefeld für Irritationen gesorgt, und es ist in diesen Wahlkampfzeiten fürwahr mehr als eine kleine Personalie: Der Berater des CDU-Oberbürgermeisterkandidaten quittiert seinen Job. Für Peter Vermeulen, der ab Herbst gerne Regie im Krefelder Rathaus führen möchte, ist dieser Abgang ein echtes Problem.

Der Mann, der Vermeulen eng zur Seite stand, der ihn ins rechte Licht rücken sollte, ist gegangen - und zwar nicht "in beidseitigem Einvernehmen", wie in solchen Fällen für gewöhnlich in Pressemitteilungen immer geschrieben wird. Herbert Spies betonte auf Anfrage unserer Zeitung, die als erste über den Fall berichtete, dass er selbst den Job gekündigt habe, sprach sogar von einer "beendeten Geschäftsbeziehung" zu Vermeulen; kühler kann man es kaum ausdrücken. Schmutzige Wäsche will nun keiner der beiden waschen, auch Spies nicht, der betont, dass Interna intern bleiben sollen. Das ist - mit Verlaub - weit weniger ehrenhaft, als es zuerst den Eindruck macht: Spies sagt dies natürlich auch, weil er in Zukunft noch gerne Politiker beraten will. Seine künftigen Geschäftspartner müssen das Gefühl haben, ihm vertrauen zu können. Da macht sich ein Streit mit Peter Vermeulen nicht gut.

Warum ging Herbert Spies? Diese Frage beantwortet also derzeit weder der Abtrünnige noch Peter Vermeulen selbst. Beobachter des CDU-Wahlkampfs entdecken aber durchaus strategische Defizite. In der persönlichen Begegnung macht Vermeulen zwar einen gewinnenden Eindruck, intelligent, redegewandt, mit Ideen. Er vermag im Gespräch glaubhaft darzustellen, wie eine Verwaltung auf Kurs gebracht werden kann. Sein Problem war aber bisher, dass beim Wähler zu wenig davon ankam. In den Dreierduellen auf Podien Krefeld-weit gegen die Kandidaten von SPD und Grünen, Frank Meyer und Thorsten Hansen, hat er bisher nicht ausreichend punkten können. Dass er im Falle des Rheinblick-Wohnprojektes seinen Immobilienbesitz in Uerdingen für den Bürger nicht transparent gemacht hat, war dem Image nicht förderlich. Und von einigen Aussagen Vermeulens war die CDU-Fraktion im Rat, so hört man, nicht begeistert. Bei den Gewerbesteuererhöhungen stellte er sich gegen die CDU, beim Thema fünfte Gesamtschule preschte er zu einem Zeitpunkt mit einem Statement pro Oppum vor, als die Verwaltung noch gar nicht alle Zahlen auf den Tisch gelegt hatte. Parteiintern war man, sagen wir es so: überrascht.

Eine PR-Strategie für Vermeulen müsste eigentlich sein, seine Verwaltungsqualitäten in den Vordergrund zu rücken. Stattdessen sieht man bei Facebook, wie er Straßenschilder säubert - eine Tätigkeit, die er als Oberbürgermeister hoffentlich nie mehr wird ausführen müssen, weil Krefeld dafür ausreichend Personal vorhält. "Der macht das" - der Slogan für Vermeulen ist eigentlich gut gewählt. Wobei dieses "das" jetzt endlich näher definiert werden müsste.

Im amerikanischen werden die Politikberater "Spin Doctors" genannt - Strippenzieher im Hintergrund für den Politiker auf der Bühne, immer um die rechte Präsentation ihres Chefs bemüht. Beide, Spin Doctor und Politiker, müssen großes Vertrauen zueinander haben. Im Zweifel muss der Berater vom Politiker Dinge wissen, die selbst die eigene Frau des Politikers nicht kennt. Für jeden Angriff des politischen Gegenübers muss der Berater gewappnet sein. Wer das Wirken von Heribert Spies beobachtete, der muss konstatieren, dass auch er seinen Job so verstand. Peter Vermeulen wiederum nimmt für sich in Anspruch, einen Wahlkampf nach eigener Vorstellung zu führen. Man kann also auch ganz nüchtern bilanzieren: Mit Vermeulen und Spies sind zwei Charaktere aufeinander getroffen, die nicht miteinander konnten.

Was lernt man?

Krefeld hat mit dieser OB-Wahl und der Strategie, Peter Vermeulen gleichzeitig als Menschen und Politiker bekannt zu machen, den ersten durchamerikanisierten Wahlkampf erlebt. Dass der Mann, der dafür verantwortlich war, Herbert Spies, als Berater nun nicht mehr an Bord ist, stattdessen eine Medienagentur engagiert wird, die mehr auf Pressearbeit fokussiert ist, kann auch ein Zeichen sein.

Weniger Inszenierung, mehr Inhalt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Analyse: Vermeulens Beraterproblem


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.