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Krefeld
Viel Beifall für Doppelkonzert in Linn

Krefeld: Viel Beifall für Doppelkonzert in Linn
Die Mitglieder des Multiphonic Saxophonquartetts im Rittersaal der Burg Linn. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das Multiphonic Saxophonquartett spielte auf Burg Linn mit dem Vokalquartett "Urban Songbirds". Als kommissarisches Neumitglied für den in Neusseeland vermissten Christian Prehn spielte Luca Winkmann. Von Mojo Mendiola

Martina Ungruh-Prehn, nach wie vor die Managerin des Krefelder Multiphonic Saxophonquartetts, und Christoph Lühr, ebenfalls Krefelder und Bandleader des A-cappella-Quartetts "Urban Songbirds", hatten gemeinsam die Idee zu einem Doppelkonzert im Rittersaal der Burg Linn und besorgten auch gleich selbst die Organisation. Am Samstagabend präsentierten sich beide Gruppen in der gut besuchten mittelalterlichen Kulisse.

Passend zum draußen stattfindenden Bogenschützenfest eröffneten die Saxophonisten keck mit der Ouvertüre zu Rossinis "Wilhelm Tell", um nach diesem schwungvollen Intro, einem reinen Männerstück, wie sie fanden, Johann Sebastian Bachs getragene Air Suite BWV 1068 ausgleichshalber ganz den Damen zu widmen. Dvoráks "Amerikanisches Quartett" in F-Dur, op. 96 gelang ihnen in schönster Farbenpracht und leitete über zu einer minimalistischen, dabei aber sehr stimmungsvollen und melodischen Musik.

In Philipp Glass' japanisch inspiriertem "Mishima", einem aus fortwährender Repetition mit subtilen Varianten bestehender Komposition erzeugten drei der jungen Musiker den Eindruck eines mit leichtem An- und Abschwellen dahinfließenden Flusses, über den sich eine hohe Führungsstimme - im Original ein Glockenspiel, bei Multiphonic das Sopransaxophon - erhaben aufschwang.

Insgesamt bemerkenswert war an diesem Auftritt nicht nur der spieltechnische Entwicklungsstand, den Silas Kurth (Sopran), Simon Streit (Alt) und Fabian Blümke (Tenor) inzwischen erreicht haben, sondern auch, wie zügig sie ihr - einstweilen kommissarisches - Neumitglied Luca Winkmann (Bariton) auf dem Platz des immer noch in Neuseeland vermissten Kameraden Christian Prehn integriert haben.

Und das spricht natürlich auch für Winkmann selbst, er ist ein Glücksgriff für das Ensemble. Nicht ganz so glücklich verlief allerdings Astor Piazzollas "Libertango", den sie so schnell angingen, dass die im Tango essenziellen rhythmischen Kanten abgeschliffen und Kurths schönem Vibrato auf dem Sopran der Raum genommen wurde. Dafür bereitete ein südafrikanischer Township-Jive, eingefangen von Heiner Wiberny in dem Stück "Ulla in Afrika" und ausgesprochen sinnlich vorgetragen von Multiphonic, wieder ungetrübte Freude. Und mit Gershwins "Rhapsody In Blue" fingen sie sich ein Extra-Lob ihres wunderbaren Lehrmeisters Laszlo Dömötör ein, der natürlich mit im Saal weilte.

Mit recht unterschiedlichen Klangbildern wartete nach der Pause dann das folgende Vokalquartett "Urban Songbirds" auf. Durch zahlreiche Auftritte auf namhaften Bühnen und Preise in renommierten Wettbewerben sind auch sie bereits gestählt, doch konnte Tenor Willem Hinrichs nur im Satzgesang, nicht als Lead überzeugen. Dafür fehlte es ihm an Bauchstimme.

Zum Glück aber übernahmen auch Lioba Nave (Sopran), David Dickerson (Bariton mit reichlich komödiantischem Talent) und Christoph Lühr (Bass) abwechselnd die Führungsstimmen, und dann erinnerte das Ensemble mal an The Bobs mit "My Shoes Are On Top Of The World" , mal an Manhattan Transfer mit Shades "Smooth Operator" oder an die Beach Boys mit Bobby Gentry als Gastsängerin in "Boy From New York City". Auch etliche deutschsprachige Titel fanden Applaus, und am Schluss wurden noch mehrere gemeinsame Zugaben fällig.

Quelle: RP
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