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Krefeld
Viele Ausbildungsstellen noch unbesetzt

Krefeld. 205 Plätze für Auszubildende sind momentan noch frei. Schuld daran sind laut IHK, Kreishandwerkerschaft und Arbeitsagentur sowohl Betriebe als auch Bewerber. Positiv: Die Arbeitslosenquote sinkt von 10,3 auf 10,1 Prozent. Von Tim Kronner

Die Chancen auf eine Ausbildungsstelle in Krefeld stehen sehr gut. Das zeigen die Zahlen, die IHK, Kreishandwerkerschaft und Arbeitsagentur nun herausgegeben haben. Rein rechnerisch gab es in der Stadt in diesem Ausbildungsjahr 72 freie Stellen pro 100 Bewerbern. "Trotzdem können wir nach wie vor nicht alle Plätze besetzen. Wir suchen händeringend nach Azubis", sagt Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. In der Stadt stehen nach jetzigem Stand noch 107 Stellen offen, im Bezirk sind es sogar 205. Um das zu ändern, appellieren die Experten vor allem an die Betriebe, auch denjenigen eine Chance zu geben, die nicht zu 100 Prozent ins Anforderungsprofil passen. "Die Verantwortlichen müssen erkennen, dass es für den Fachkräftemangel nur eine Lösung gibt: ausbilden", sagt IHK-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz.

Die Betriebe tragen allerdings nicht die alleinige Verantwortung dafür, dass es im Bezirk Krefeld momentan noch 464 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz gibt. Auch die Bewerber sind hierfür mitverantwortlich. "Es ist schade, dass sich so wenige für die Breite an Möglichkeiten interessieren, sondern immer nur die gleichen Berufe gewünscht werden", sagt Dirk Strangfeld, Vorsitzender der Geschäftsführung der Krefelder Arbeitsagentur. Denn der Großteil der Bewerber konzentriere sich auf nur wenige Berufe und lasse vielversprechende Alternativen außen vor. Beliebt sei beispielsweise eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker, die sich in den vergangenen Jahren jedoch stark gewandelt habe und nicht mehr zwingend den Interessen der jungen Menschen entspricht. "Wer nicht nur Teile austauschen, sondern wirklich schrauben will, der wird heute wahrscheinlich besser Karossenbauer", sagt Strangfeld. Deshalb sei es notwendig, dass sich die Jugendlichen informieren und nicht nur den einen vermeintlichen Traumberuf im Kopf haben. "Die jungen Leute haben leider oft Vorurteile zu bestimmten Berufen", bestätigt auch Koralewski. Diese aus dem Weg zu räumen sei nicht nur Aufgabe der Betriebe, sondern benötige auch Eigeninitiative der Jugendlichen. Noch läuft die Nachvermittlung von Ausbildungsstellen - gesucht werden zum Beispiel Friseure, Verkäufer, Köche und zahnmedizinische Fachangestellte.

Obwohl die Experten nicht ganz zufrieden mit der momentanen Lage auf dem Ausbildungsmarkt sind, ist dennoch nicht alles schlecht. Insgesamt bewegt sich die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf dem Vorjahresniveau. In Krefeld gab es mit 1053 neuen Arbeitsverhältnissen exakt einen neuen Vertrag mehr als im Vorjahr. Angesichts rückläufiger Schulabgänger- und Bewerberzahlen sowie einem fortschreitenden "Akademisierungswahn", sind die Zahlen laut Steinmetz zufriedenstellend. Die Kritik der Experten ist somit eher vorsorglicher Natur. "Das größte Konjunkturrisiko ist nun mal der Fachkräftemangel. Diesem müssen wir mit Ausbildung frühzeitig entgegenwirken", sagt Steinmetz.

Insgesamt sieht es auf dem Krefelder Arbeitsmarkt derzeit wieder etwas besser aus. Mit einer Arbeitslosenquote von 10,1 Prozent ist die Arbeitslosigkeit im Oktober um 0,2 Prozentpunkte gegenüber September gesunken. Stand jetzt sind 12.000 Menschen in Krefeld arbeitslos gemeldet. "Ich freue mich, dass vor allem Jugendliche und junge Erwachsene von der Kräftenachfrage profitiert haben. Insgesamt haben wir in diesem Jahr einen robusten Arbeitsmarkt - mit qualifizierter Ausbildung sind die Perspektiven allerdings noch günstiger", stellt Strangfeld fest.

Quelle: RP
 
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