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Krefeld
Vierfach-Vater wegen Körperverletzung verurteilt

Krefeld. Nach missglückten Anmachversuchen in der Diskothek verfolgte ein Familienvater zwei junge Frauen auf dem Heimweg und schlug zu. Das Krefelder Schöffengericht hat den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er muss den Opfern ein Schmerzensgeld von insgesamt 2500 Euro zahlen. Von Birgit Lameyer

Dass ein fröhlicher Abend in der Diskothek mit Nasenbeinbruch und Krankenhausaufenthalt endet, wäre für die beiden jungen Krefelderinnen wohl kaum vorstellbar gewesen, wäre es ihnen nicht selber widerfahren. Sie hatten im April in einer Diskothek in der Innenstadt einige schöne Stunden verbracht. Angenehm war es auch noch, als sie den 35-jährigen Angeklagten kennenlernten. Doch bald schlug die Stimmung um, sie fühlten sich bedrängt. Eine kurze Information an den Türsteher sorgte für Ruhe. Der wies den Gast in die Schranken. Als die beiden Frauen sich auf den Heimweg machten, wollte er sich aber nicht mehr von ihnen abweisen lassen. Er hängte sich an ihre Fersen, als sie in Richtung der Haltestelle an der Rheinstraße liefen.

"Wir haben gesagt, er soll uns in Ruhe lassen", berichtete eines der Opfer, eine 22-jährige Krefelderin. Das habe er ignoriert und sei plötzlich aggressiv geworden. Auch ihr deutlicheres "Verpiss dich" habe er missachtet. Auf mehrfaches Nachfragen beteuerte sie, man habe ganz klare Signale gesetzt. Dann sei alles ganz schnell gegangen: "Ich ging durch einen Schlag zu Boden, dann kam ein Tritt ins Gesicht." Mit gebrochenen Nasenbein kam sie ins Krankenhaus und war drei Wochen arbeitsunfähig. Sie habe gesehen, dass der Mann dann auf die Freundin losging, berichtete die Zeugin weiter.

Die 21-Jährige bestätigte, dass der Angeklagte am Abend immer aufdringlicher wurde. Draußen sei die Situation dann eskaliert. Er habe sie an den Haaren gezogen, sie zu Boden gebracht und ihr einen Stoß mit dem Knie verpasst. Als sie am Boden lag, musste sie sich vor Tritten schützen. Eine Schädelprellung, eine Platzwunde an der Lippe und mehrere geprellte Rippen waren die Folge.

Eine beherzte Zeugin hatte einen Teil der Übergriffe gesehen und war sofort auf den Angeklagten zugelaufen. "Ich rannte los, packte ihn und drückte ihn ans Schaufenster eines Brillengeschäfts", schilderte sie. Dann kamen weitere Helfer. Der Mann konnte kurz darauf festgenommen werden. Auch ihr sei er zuvor in der Diskothek unangenehm aufgefallen, sagte die 30-Jährige. "Er hat recht penetrante Blicke auf mehrere Frauen geworfen", bestätigte sie.

"Es tut mir sehr leid!", sagte der Mann mit dem dichten dunklen Haar und Vollbart, der auf der Anklagebank saß. Er habe vier Kinder und sei dafür bekannt, dass er anderen helfe. Sein Verhalten könne er sich nur durch den Alkoholeinfluss erklären. Allerdings räumte er lediglich Schläge ein. Tritte habe es nicht gegeben.

Durch seinen Dolmetscher ließ er mitteilen, dass er die Frauen als arrogant empfunden habe und sich von ihnen diskriminiert fühlte. Genaue Angaben konnte er diesbezüglich aber nicht machen. Seine Behauptung, dass die späteren Opfer ihn anspuckten und schubsten, konnte von keiner Seite bestätigt werden. Das Motiv blieb im Dunkeln.

Quelle: RP