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Krefeld
Villa Merländer: Das Gedächtnis Krefelds

Krefeld: Villa Merländer: Das Gedächtnis Krefelds
Leiterin Ingrid Schupetta mit einer Pumpe im "Bunker" FOTO: Strücken Lothar
Krefeld. Die NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer besteht seit 25 Jahren: ein wichtiger Lernort zur Geschichte jüdischen Lebens in Krefeld. Von Isabel Mankas-Fuest

Sie sind Mitarbeiter der ersten Stunde: Ingrid Schupetta, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle, und ihr Kollege Burkhard Ostrowski erinnern sich noch gut an die Ausgangssituation, die sie am 24. November 1991 vorfanden: "Ich habe mit Nichts angefangen, es gab kein Konzept für eine Ausstellung und nur wenig Archivmaterial, auf das ich zurückgreifen konnte, denn vieles wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört", sagt Schupetta. Die Gedenkstätte in der Villa Merländer wird in diesen Tagen 25 Jahre alt. Sie ist wichtiger Lernort zur Geschichte jüdischen Lebens in Krefeld.

Schupetta und Ostrowski haben in den ersten Jahren intensive Forschungsarbeit betrieben, bevor sie ausreichend Material für eine eigene Ausstellung zusammengetragen hatten. Anders als heute, gab es damals viele Zeitzeugen, mit denen die Historikerin sprechen konnte: "Juden aus sogenannten Mischehen gab es in Krefeld noch einige, heute sind die meisten verstorben; und es gibt sogenannte Zweitzeugen, die wiederum die Verstorbenen kannten und Auskunft über ihr Leben geben können", berichtet Schupetta. Der Arbeitsschwerpunkt des NS-Dokumentationszentrums hat sich verändert. Das Forschungsthema Krefeld und der Nationalsozialismus stehen zwar noch an erster Stelle, doch mindestens genauso wichtig ist die adäquate Präsentation der Forschungsergebnisse in den Räumen der historischen Stadtvilla. Erst im Juni 2014 wurde die Dauerausstellung völlig neu strukturiert: "Auch die Arbeit mit neuen Medien ist uns wichtig", betont die Leiterin und verweist auf die Anbringung von sogenannten Duftstationen, die in der Ausstellung themenbezogen angebracht wurden. "Unsere Ausstellung ist haptisch, optisch und akustisch erfahrbar, so kommen wir mit unseren Besuchern schnell ins Gespräch", erläutert Beigeordneter Gregor Micus und unterstreicht den Bildungsauftrag der NS-Dokumentationsstelle. Besonders Schüler zwischen 14 und 16 Jahren besuchen die Villa Merländer und werden in einer 90-minütigen Führung durch die Ausstellung begleitet. Fragebögen helfen ihnen, Zugang zur Geschichte der NS-Zeit zu bekommen, oft dient ihr Besuch auch zur Vorbereitung von Gedenkstättenfahrten nach Auschwitz-Birkenau.

Ein Bunkerraum ist in der Villa Merländer eingerichtet. FOTO: l. Strücken

Bis zu 2000 Schüler besuchen die Villa Merländer jährlich. Jede weiterführende Schule in Krefeld, betont Micus, ist Partner der NS-Dokumentationsstelle. Auch das große ehrenamtliche Engagement des Fördervereins Villa Merländer lobt Micus. Überregional erfährt die Villa Merländer ebenfalls große Wertschätzung. Sie ist Mitglied im Verbund von insgesamt 26 Gedenkstätten im Land NRW und erhält vom Land eine jährliche Unterstützung von 47.000 Euro. Diese großzügige Förderung ermöglichte unter anderem den Aufbau einer Datenbank, die ehemalige jüdische Einwohner in Krefeld erfasst und für die eine neue Stelle geschaffen werden konnte.

Mit Zuversicht blickt Schupetta in die Zukunft: "Ich bin stets auf der Suche nach Dingen, die noch nicht ausgewertet sind." Auf ihrem Schreibtisch liegen weitere spannende Zeitzeugenberichte, die sie noch übersetzen und publizieren möchte. Das Thema Nationalsozialismus als Diktaturerfahrung werde immer aktuell bleiben, auch in den nächsten 25 Jahren.

Eine offizielle Jubiläumsfeier findet gemeinsam im März 2017 statt.

Quelle: RP
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