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Krefeld
Villa Merländer feiert 25-jähriges Bestehen

Krefeld: Villa Merländer feiert 25-jähriges Bestehen
Bei der Feier im Glasfoyer des Stadttheaters (v.l.): OB Frank Meyer, Gerda Schnell, Rita Thies, Barbara Behr, Ingrid Schupetta und Oliver Keymis. FOTO: L. Strücken
Krefeld. Rund 2000 Schüler pro Jahr besuchen die NS-Dokumentationsstelle in der Villa. Oberbürgermeister Frank Meyer: "Die Erinnerungskultur ist das Patriotischste, was wir heute tun können." Von Mojo Mendiola

Die NS-Dokumentationsstelle in der Villa Merländer und ihr Förderverein feierten am Samstag im Theater bereits im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.

Die Vorsitzende Barbara Behr freute sich, dass neben den Mitgliedern und ihren Amtsvorgängern Rita Thies, Eugen Gerritz und Mechthild Staudenmaier auch Vertreter der politischen Parteien von Kommunal- und Landesebene sowie Würdenträger verschiedener Religionsgemeinschaften zu der Feier gekommen waren. Sie unterstrich die wachsende Bedeutung von Erinnerungsorten wie der Villa Merländer in einer Zeit, in der einerseits kaum noch Zeugen des NS-Regimes leben, um über das Geschehene zu berichten, in der aber andererseits ein neuer Rechtspopulismus neue Gefahren heraufbeschwört.

War es in den 1990er Jahren noch die Hauptaufgabe des Dokumentationszentrums, Forschung zu betreiben und die Schicksale der Opfer dem Vergessen zu entreißen - bis heute wirkt man aktiv an der Aktion Stolpersteine mit - so sei über die Jahre hinweg die Arbeit am historischen und politischen Bildungsangebot für die nachfolgende Generation immer wichtiger und inzwischen zur Hauptaufgabe geworden. Etwa 2000 Schüler pro Jahr besuchen die Ausstellungen in der Villa Merländer. Dafür benötige man aber auch mehr Personal - ein klarer Wink an die anwesenden Politiker. Oberbürgermeister Frank Meyer stellte die Gründung der NS-Dokumentationsstelle in den Zusammenhang mit anderen Gründungen - wie Kresch-Theater und Frauenkulturbüro. Diese Initiativen, die in den Jahren 1989 bis 94 gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt werden mussten, sind heute - so Meyer - nicht wegzudenkende Säulen des Krefelder Kulturlebens. Im Hinblick auf die zunehmende Verharmlosung der NS-Geschichte und der Versuche, den Umgang mit ihr "um 180 Grad" zu wenden, betonte Meyer, dass gerade die Erinnerungskultur das Patriotischste sei, was wir heute tun könnten. Für diesen Satz erhielt er besonders herzlichen Beifall.

Als dritter Festredner sprach Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtags NRW, und würdigte der Arbeit der Dokumentationsstelle, die auch vom Land Fördermittel erhält, mit der Feststellung, dass die Villa Merländer nicht nur ein unverzichtbarer Ort des Erinnerns sei, sondern auch einer, an dem man sich der Fragilität dieses Erinnerns bewusst werden könne. In einem Bildvortrag an großer Leinwand ließ Ingrid Schupetta, seit Beginn Leiterin der Institution, noch einmal die wichtigsten Stationen in der Geschichte des Hauses Revue passieren, zum Beispiel die vorübergehend drohende Schließung und die Restaurierung der Wandbilder von Heinrich Campendonk, und erinnerte an frühe Mitstreiter wie Aurel Billstein, selbst ein Verfolgter des Nazi-Regimes.

Nach der Pause mit schmackhaften Häppchen spielte die Gruppe "Grenzgänger" Lieder aus dem reichen Fundus an Widerstandsliedern, die zum großen Teil in Konzentrationslagern wie Buchenwald und Sachsenhausen entstanden waren oder aus den Federn von Brecht/Eisler stammten. In der Besetzung zwei Gitarren, Cello und Akkordeon schufen sie ein emotional sehr eindringliches Klangbild für die von Michael Zachcial gesungenen Lieder. Dabei brachten sie nicht nur den Ernst und den Schmerz der Gefangenen, sondern auch ihren trotzigen Überlebenswillen und ihre großartige innere Kraft zum Ausdruck, dem täglichen Grauen auch mal mit der Leichtigkeit des Swing-Rhythmus und blanker Ironie die Stirn zu bieten.

Besonders das Lieblingslied der Geschwister Scholl "Schlaf, Deutschland schlaf", ,,Und weil der Mensch ein Mensch ist" und natürlich die "Die Moorsoldaten" gingen tief unter die Haut.

Quelle: RP
 
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