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Krefeld
Violinistin bezaubert Publikum mit edlem Ton im Brahms-Konzert

Krefeld. Die Niederländerin Liza Ferschtman glänzte als Solistin bei den Niederrheinischen Sinfonikern - und übertraf alle Vorschusslorbeeren. Von Heide Oehmen

"Es ist ein Wunder, dass wir Liza Ferschtman verpflichten konnten", so äußerte sich Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson im Vorfeld des 6. Sinfoniekonzertes im Seidenweberhaus, das wiederum sehr gut besucht war. Ihre außergewöhnliche Qualität hat die junge, international gefragte Künstlerin jetzt bei ihrem Auftritt in Krefeld mehr als bestätigt.

Die Niederländerin stellte sich mit Johannes Brahms' einzigem Violinkonzert - D-Dur op.77 - einer besonderen Herausforderung. Hier ist - trotz zahlreicher virtuoser Passagen - das Soloinstrument weitgehend mit dem Orchester verwoben, und dies wusste die mit hoher Achtsamkeit auf werkgerechte Interpretation bedachte Künstlerin überzeugend zu vermitteln. Mit ihrem grenzenlos variablen, edlen Ton und ihrer nie zum Selbstzweck werdenden, blendenden Technik vermochte sie auch ihre orchestralen Mitstreiter zu beflügeln.

Der berühmte Geiger Pablo de Sarasate weigerte sich zeitlebens, das Brahms-Konzert zu spielen. "Da muss ich zu Beginn des zweiten Satzes lange mit der Geige unterm Arm dem Oboensolo zuhören", bemängelte er. Nicht so Liza Ferschtman. Sie wandte sich sogar dem einfühlsam interpretierenden Solo-Oboisten Yoshihiko Shimo zu. Danach arbeitete sie den Wechsel zwischen sanglicher Ruhe und Dramatik im Adagio plastisch aus, ehe sie sich mit gezügeltem Temperament in das feurige Finale stürzte.

Für den nicht enden wollenden Beifall dankte die bescheiden wirkende Geigerin dem Publikum mit dem Präludium aus der dritten Partita für Violine solo von Johann Sebastian Bach.

Richard Strauss schrieb seine Tondichtung op.40 "Ein Heldenleben", die eindeutig autobiografische Züge trägt, im Alter von 33 Jahren. Nach seinen Angaben schildert sie "einen Helden im Kampf mit seinen Feinden". Jedoch beschreibt der dritte Teil - "Der Held und seine Gefährtin" - eindeutig die kokette Strauss-Gattin Pauline, und das mittels eines umfangreichen Violinsolos, bei dem in der Krefelder Aufführung Konzertmeister Philipp Wenger großartig zu brillieren wusste. Ansonsten ist das "Heldenleben" ein angenehmes Wechselbad zwischen Lyrischem - oftmals bereits den "Rosenkavalier" vorwegnehmend - und wildem Schlachtengetümmel, das nicht nur das groß besetzte Blech extrem fordert. Die "Feinde des Helden" sind immer gegenwärtig und "stören" in allen Instrumentengruppen mit schnarrenden Zwischentönen.

Das alles ist für das Orchester eine Mammutaufgabe, die Kütson mit seinen Niederrheinischen Sinfonikern überaus sorgfältig - auch durch separate Proben mit jeder Gruppe - vorbereitet hatte. Das vom GMD mit Verve geleitete Ereignis war großartig, und alle Mitwirkenden wurden zu Recht gefeiert.

Das Konzert ist noch einmal zu hören am Freitag, 27. Mai, im Seidenweberhaus. Beginn: 20 Uhr. Kartenreservierung: Tel. 02151 80512.

Quelle: RP
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