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Krefeld
Volksbank mit Party und Kampfesmut

Krefeld: Volksbank mit Party und Kampfesmut
Der Blick nach oben ist in der großen Halle des neuen Volksbank-Gebäudes ist immer wieder beeindruckend - zugleich bietet sie einen schönen Raum für einen Festakt mit Musik, Essen und Reden. Am Tisch vorn im angeregten Gespräch: SWK-Geschäftsführerin Kerstin Abraham. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Die Volksbank feierte ihr Jubiläum zum 125-jährigen Bestehen mit einem Festabend, der beides verband: Partystimmung und den festen Willen, sich in Europa gegen eine aus deutscher Sicht fatale Brüsseler Geldpolitik zu behaupten. Von Jens Voss

Es war ein Moment der Heiterkeit, als der sozialdemokratische Oberbürgermeister Frank Meyer in seinem Grußwort an die 350 Gäste augenzwinkernd betonte, wie wohl er sich unter lauter Genossen fühle. Meyers heitere Bemerkung hatte einen ernsthaften Kern: Das Genossenschaftsprinzip der Volksbanken lebt von Solidarität, und es sollte von Anfang an vor allem die kleinen Leute schützen und stützen. Das alles begann in der Region Krefeld vor 125 Jahren in Hüls - was daraus geworden ist, wurde jetzt mit einem Festakt im prachtvollen neuen Volksbankgebäude gefeiert.

Der 1891 in Hüls gegründete "Hüls-Unter-Benrader Spar- und Darlehnskassen-Verein" hatte nach einem Jahr 26 Mitglieder; "Kassenstunden waren sonntags nach dem Hochamt", berichtete der Vorstandsvorsitzende Klaus Geurden in seiner Rede.

Was sich so gemütvoll anhört, fiel in eine Zeit des Aufbruchs. Darauf wies Michael Gehlen, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Krefeld, in seinem Grußwort hin: 1891, sagte er, habe der Bau der sibirischen Eisenbahn begonnen, Otto Lilienthal habe mit dem Flugzeugbau experimentiert und in London - "jetzt kommt's" - sei der erste Briefmarkenautomat in Betrieb gegangen.

Die Kernidee von damals - eine Bank als genossenschaftliche Gemeinschaft - hat sich als stabil und krisenfest erwiesen. Gehlen betonte, dass es die Familiarität dieser Gemeinschaft ist, "die unsere Leistungsfähigkeit garantiert". Aus dem "kleinen Sparverein" sei ein "hochmoderner Finanzdienstleister" geworden. In jüngster Zeit wurden die Weltbanken- und die Euro-Krise zur Belastungsprobe für die Volksbank-Philosophie. Genossenschaftliches Prinzip, regionale Verwurzelung und solides Wirtschaften wurden in allen Ansprachen als Garanten dafür ausgewiesen, dass die Volksbanken nicht in den Abwärtsstrudel globaler Großbanken gerieten. "Wir lassen die Finger von riskanten Geschäftsmodellen", sagte Geurden etwa. Das "Wir-Gefühl" (Geurden) hat eben nichts mit am Ende doch geschäftsschädigender Kungelei zu tun, sondern damit, dass man sich kennt und realistisch einzuschätzen vermag. Eine zentrale Kompetenz in der Frage, wem man Geld leiht.

In einem durchaus packenden Grußwort erläuterte Uwe Fröhlich, Präsident der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, dass zurzeit in Brüssel ein Existenzkampf um dieses deutsche Regionalbanken-Prinzip geführt wird. Einer der Kritikpunkte: Die deutschen Sicherungssysteme, die Banken wie Volksbank und Sparkasse aufgebaut haben, sollen zwangsvergesellschaftet werden mit anderen europäischen Banken - was im Kern darauf hinausläuft, dass deutsche Banken und Sparer für Risiken ausländischer Banken mithaften. "Der andere zahlt, was ich anrichte" - mit diesem Satz umschrieb Fröhlich das damit verbundene Motto, das er als "ordnungspolitischen Frevel" oder schlicht als "Katastrophe" brandmarkte. Er zeigte sich froh, dass die Volksbanken in diesem Punkt sowohl die deutsche Politik als auch die Sparkassen mitkämpfend an ihrer Seite haben. Was auf dem Spiel steht, machte eine Zahl deutlich: Deutschlandweit sind 18,2 Millionen Deutsche Mitglied einer Genossenschaftsbank - um deren Ersparnisse geht es, wenn Brüssel die Haftungsregeln ändert oder den Zins praktisch abschafft. Geurden beklagte auch, dass die Brüsseler Politik Banken, die im globalen Vergleich klein sind, schwäche: "Wer kleine Banken schwächt, der schwächt den Mittelstand", sagte er - und nannte damit eine weitere Säule deutscher Wirtschaftskraft: Mittelständische Unternehmen, die - das betonen Mittelständler wie der Krefelder Lutz Goebel als Präsident des Verbands der Familienunternehmen immer wieder - auch deswegen erfolgreich sind, weil sie mit Regionalbanken wie der Volksbank vertrauensvoll zusammenarbeiten. Rückbesinnung auf historische Wurzeln, Mut zu Herausforderungen der Zukunft, Veränderungsbereitschaft - neben diesen ernsten Stichworten kam an diesem Abend auch das nicht zu kurz, was Familiarität eben auch ausmacht: das Feiern. Die große Halle des Volksbank-Neubaus ist wie geschaffen auch dafür; die moderne Ausstrahlung stützte die lockere Atmosphäre, zu der auch die Musik des Sollbrüggen Swingtetts beitrug; es wurde gegessen, getrunken, geplaudert und gelacht.

Ganz familiär eben.

Quelle: RP
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