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Krefeld
Vom Insekt zum Zoo - eine tolle Geschichte

Krefeld: Vom Insekt zum Zoo - eine tolle Geschichte
Das naturwissenschaftliche Museum der Stadt Krefeld im Kaiser-Friedrich-Hain um 1935/40. Es wurde 1908 eröffnet und 1943 zerstört.
Krefeld. Der Krefelder Naturkundler Wilhelm Julius Ernst Puhlmann würde in einigen Tagen seinen 150. Geburtstag feiern. Von Norbert Stirken

In wenigen Tagen hätte Wilhelm Julius Ernst Puhlmann seinen 150. Geburtstag gefeiert. Der Mann hatte einen internationalen Ruf und war erster Direktor und Kurator des naturwissenschaftlichen Museums Krefeld, das 1908 in einem repräsentativen Haus im Kaiser-Friedrich-Hain in der Innenstadt eröffnet worden war. Das Haus ist Geschichte. Es fiel dem Bombenhagel 1943 während des Zweiten Weltkriegs zum Opfer.

Die Person Puhlmann und die Impulse seines Tuns sind heute nicht nur einem Fachpublikum bekannt. Das Naturkundliche Museum bot der Sammlung des Krefelder Naturforschers Friedrich Wilhelm Hönninghaus eine Heimat und darf getrost als Vorläufer des Krefelder Zoos bezeichnet werden.

Unter der Ägide des in Brandenburg geborenen Direktors Puhlmann zog das Haus zu seiner Zeit mehr Publikum als das Kaiser-Wilhelm-Museum. Angespornt durch diesen Erfolg bauten die Verantwortlichen das Gebäude immer weiter aus. Einer Abteilung für Geologie folgte ein Schulgarten mit heimischen Tieren. Weil diese Abteilung schnell wuchs und viel Platz benötigte, wurde sie 1938 in den Grotenburgpark verlegt. Der Tierpark dort entwickelte sich später zum Krefelder Zoo.

Puhlmann wurde am 24. August 1865 an der Havel geboren. Er studierte in Heidelberg und Karlsruhe und schloss als Diplom-Chemiker ab. Nach seinem Militärdienst im Pommerschen Infanterieregiment Nummer 42 arbeitete er für diverse Chemieunternehmen unter anderem auch in China. Danach begann er in ostasiatischen Ländern Insekten und andere Tiere zu sammeln und zu präparieren. Seine Abnehmen seien große Museen in Amerika und Europa gewesen, teilt der Entomologische Verein Krefeld mit. Unter den Kunden war auch ein Herr Rothschild aus London.

Die Geschicke des Naturwissenschaftlichen Museums in Krefeld führte Puhlmann von 1908 bis 1932. Seine Sammlung und seine Bibliothek vermachte er dem Museum. Die Veröffentlichungen Puhlmanns sind Belege für sein weit gestecktes Interesse. Er publizierte über die Wirbeltiere von Krefeld, die Zikaden und Köcherfliegen, Farbveränderungen bei Schmetterlingen und parasitoide Hautflügler. Puhlmanns Sammlungen in Krefeld enthielten zahllose Belege seiner Tätigkeit als Naturkundler, teils mit Arten die heute in der Region bereits ausgestorben seien, informierte Werner Stenmans vom Entomologischen Verein Krefeld. Puhlmann lebte bis zu seinem Tod kurz vor dem 94. Geburtstag in einer bescheidenen Hütte an den Nieper Kuhlen. Jahrzehnte nutzte er die Behausung auch als Beobachtungsstandort. Nachdem seine Wohnung in der Innenstadt im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, verlagerte er seinen Lebensschwerpunkt komplett an die Nieper Kuhlen, die im Volksmund auch Puhlmanns Kull genannt werden. Der Krefelder Entomologe Albert Ulbricht hat eine von Puhlmann gesammelte Schlupfwespe nach ihrem Finder mit dem Namen Hygrocryptus puhlmanni benannt.

Vor der Eröffnung des Naturkundlichen Museums Krefeld hatte die Hönninghausensche Sammlung keine feste Heimstätte. 1856 schenkten die Erben sie der Stadt Krefeld. Die Fossilien und Conchilien wurden vom Naturwissenschaftlichen Verein damals in der Provinzialgewerbeschule - dem späteren Fichte-Gymnasium - ausgestellt. Später wurden die wertvollsten Stücke im Kaiser-Wilhelm-Museum gezeigt - 1908 wechselten sie in das von Puhlmann eröffnete neue Museum.

Quelle: RP
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