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Krefeld
Vom Kresch ins Kino

Krefeld. Am Samstag feiert das Stadt-Kinder-und-Ju-gendtheater Kresch sein 25-jähriges Bestehen mit einer Gala. Unter den Gästen ist auch der Schauspieler und Produzent Heiko Pinkowski. Morgen kommt "Die Hände meiner Mutter" ins Kino. Darin spielt der gebürtige Krefelder an der Seite von Jessica Schwarz. Von Petra Diederichs

In seinem Terminkalender steht zwischen Filmfestspielen und Preisverleihungen in diesen Tagen ein Datum, das Heiko Pinkowski besonders wichtig ist: Samstag, 3. Dezember, 19 Uhr, Krefeld: Jubiläums-Gala des Kreschtheaters. Das Stadt-Kinder-und-Jugendtheater liegt dem 50-Jährigen am Herzen. Denn hier hat auch er einst Feuer gefangen für die Bühne.

Er erinnert sich gut an die Anfänge: "Es war eine spannende Zeit. Ich hatte gerade vom Fichte ans Maria-Sibylla-Gymnasium gewechselt. Dort hatte Inge Brand eine Theatergruppe, aus der dann das Kresch erwachsen ist." Als Kind beim Krippenspiel in der Freien Evangelischen Gemeinde hatte er bereits bemerkt, dass es ihm leicht fiel, Texte zu behalten. Zu Intendanzzeiten von Eike Gramss ist er mit wachsender Freude ins Theater gegangen, hat sich als 14-Jähriger als Statist beworben. Als Matthias Hartmann, der später von 2009 bis 2014 das Burgtheater in Wien leiten sollte, in Krefeld den "Klassenfeind" von Nigel Williams inszenierte, hat Pinkowski vorgesprochen - und eine Rolle bekommen. "Da war es dann klar, was ich wollte", sagt er. "Ich glaube in diesem Alter war es wichtig, dass alles ohne Zwang passiert ist."

Dem Kresch ist er immer verbunden geblieben. Auch als er sich an der Kölner Universität für Bauwesen, für Germanistik und Philosphie eingeschrieben hat. "Ich habe das Theater als Hobby gesehen, aber irgendwann gemerkt: Ich mag das zu sehr. Ich muss das zum Beruf machen." Nach vielen Brot-Jobs - unter anderem als LKW-Fahrer, Schweißer, Bauzeichner und Pfleger für Schwerstkörperbehinderte hat Pinkowski als Schauspieler, Drehbuchautor und Fernsehproduzent Erfolg. Mit dem Regisseur Axel Ranisch und Kollegen hat er die Produktionsfirma "Sehr gute Filme" gegründet, und gleich mit der ersten Produktion "Dicke Mädchen" einen Coup gelandet. Als Schauspieler kennt man ihn aus Reihen wie Tatort und Polizeiruf oder Komödien ("Ich bin dann mal weg"). Morgen läuft in den Kinos "Die Hände meiner Mutter" an. Pinkowski spielt er an der Seite von Jessica Schwarz einen Vater, dessen Sohn als Kind von seiner Mutter sexuell missbraucht worden ist." Ein schwerer Stoff.

Aber Komödien sind nicht einfacher: "Die dürfen wir in Deutschland nicht allein dem Mainstream überlassen - mit Filmen von Schweiger, Schweighöfer oder auch "Fuck ju Göthe". Wir versuchen immer, auch die Tragik des Lebens abzubilden. In der Tragik steckt oft auch Komödie." Beides auszuloten und die richtige Färbung zu finden, reizt ihn.

Die Grundlagen für seine Profession hat das Kresch geschaffen: "Ich bin Inge Brand so dankbar. Sie hat mir klar gemacht, wie wichtig Disziplin ist, dass man pünktlich und vorbereitet zu Proben kommen muss. Und sie hat mich immer ernst genommen - einen Schüler, der ja noch nichts zustandegebracht hatte." Und wenn er heute vor der Kamera steht, hat er manchmal noch einen Satz der Kresch-Gründerin Brand im Ohr: "Was machst du da mit deinen Händen". Pinkowski: "Ich wusste nie, wohin damit. Wenn ich dieses Gefühl heute nochmal habe, höre ich Inge.

Bis 1992, als Pinkowski nach Berlin ging, war er im Kresch aktiv. Die Treue hält er dem Theater immer noch. "Wir waren ja alle auch miteinander befreundet. Und weil meine Eltern noch in Hüls leben, nehme ich noch Anteil." Das Krefelder Kinder- und Jugendtheater hält er für herausragend. "Theater für Kinder machen viele, aber das ist Theater mit Kindern, und das ist ein relatives Alleinstellungsmerkmal. Die Theaterarbeit wird hochprofessionell begleitet, das hohe Niveau lässt sich an den Bühnenbildern ablesen, und natürlich an den zahlreichen Preisen."

Kresch-Gala zum 25-jährigen Bestehen am Samstag, 3. Dezember, ab 19 Uhr, Fabrik Heeder, Virchowstraße; mit bekannten (ehemaligen) Schauspielern und Klassikern wie "Hotel Südwall". Eintritt: 10 Euro.

Quelle: RP
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