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Krefeld
Vom Zauber des Hülser Bergs

Krefeld. Der Saale-Eiszeit vor etwa 130 000 Jahren ist es zu verdanken, dass es heute das beliebte Naherholungsgebiet Hülser Berg gibt, eine so genannte Stauchendmoräne. Diese Zusammenhänge haben Forscher erst Ende des 19. Jahrhunderts herausgefunden, berichtete Theo Malschützky vom Fachbereich Grünflächen rund 20 Teilnehmern eines Spaziergangs im Rahmen des CDU-Sommerprogramms. Zwei Stunden lang wanderte die Gruppe unter Malschützkys fachkundiger Führung durch das Gebiet. Ausgangspunkt war der Gedenkstein für Johann Junkers (1828-1899) an der Bergschänke. Von Christine van Delden

Junkers war der Gründer des Krefelder Wanderbundes (1883) und kaufte eine große Fläche auf dem Hülser Berg, um dort einen Aussichtsturm und eine Trinkhalle zu errichten. Nach seinem Tod vermachte Junkers seine Waldflächen der Stadt Krefeld, mit der Auflage, "das Terrain nebst Zubehör für immer der allgemeinen Nutzung freizustellen", wie es auf einer Informationstafel heißt. Heute umfasst das Naturschutzgebiet rund um den Hülser Berg 430 Hektar und steht als Naherholungsgebiet zur Verfügung.

Mit etwa 63 Metern ist der Hülser Berg die höchste natürliche Erhebung Krefelds. Eine Gesteinssammlung an der Bergschänke weist Fundstücke auf, die auch im Rhein zu finden seien, erläuterte Malschützky. Wie beispielsweise Basaltbrocken, die aus dem Siebengebirge oder dem Main stammen oder Tonsteine aus dem Hunsrück. Einige Fundstücke von "nordischem Geschiebe", Geröllbrocken, die der Gletscher aus Skandinavien bis nach Krefeld vor sich herschob, fehlen leider in der Sammlung: "Sie zieren mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwelche Vorgärten," vermutete Theo Malschützky.

Vorbei am 1973 neu errichteten "Johannes-Turm" führte der Ausflug durch den lichten Buchenwald, der noch gar nicht so lange das Aussehen des Hülser Bergs prägt. In früheren Zeiten wurde er nämlich als Allmende-Gebiet, also als Gemeinbesitz genutzt: Bauern weideten dort ihr Vieh, und die Bevölkerung sammelte und nutzte das Holzvorkommen. In der Folge wandelte sich der ehemals bewaldete Hülser Berg in eine Heidelandschaft. Ernst Schraetz (Nabu) zitierte Hermann Keussen aus dem 19. Jahrhundert, der den Hülser Berg als einen "dünenartigen Höhenzug" beschreibt. Eine vor etwa zehn Jahren geschlagene Lichtung, die "kiesige Kuppe", ist ein lebendiges Zeugnis dieser Zeit, "denn das Licht hat einen Keimreiz in den noch im Boden schlummernden Heidesamen ausgelöst", wie Malschützky erklärte. Das Heidekraut bedeckt heute wieder große Teile der Lichtung und bietet unter anderem vielen Insekten Nahrung.

Weiter führte der Spazierweg vorbei an der Eremitenquelle, dem Dammwild- und dem Wildschweingehege, den Überresten einer vorzeitlichen Wallanlage und den Tongruben der Hülser Pottbäcker. "Diese Wanderungen sind immer sehr spannend, weil sie von Fachleuten geführt werden," sagte das Ehepaar Kostyrok. Und Karin Zillen ergänzte: "Das ist was ganz anders als ein trockener Vortrag; hier sieht man konkret, wovon erzählt wird."

Dass 63 Höhenmeter gar nicht so wenige sind, bestätigten die Teilnehmer des Spaziergangs, als sie zum Ausgangspunkt zurückkehrten - nach einem interessanten, lehrreichen und unterhaltsamen Ausflug durch den (un)bekannten Hülser Berg.

Der nächste Termin des CDU-Sommerprogramms ist eine Führung durch die neue Hauptfeuerwache mit Peter Vermeulen am Dienstag, 21. Juli, 17 Uhr. Treffpunkt: Neubau, Zur Feuerwache 1, festes Schuhwerk notwendig. Anmeldung über die Geschäftsstelle unter Telefon 02151 81 98 0.

Quelle: RP
 
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