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Krefeld
Von der Kunst, einen Kimono anzulegen

Krefeld. Lila steht für die Bessergestellten, Kirschblütenmuster sind Symbole weiblicher Schönheit, aber auch als Hinweis auf die Vergänglichkeit zu lesen. Farben, Muster, sogar die Weite der Ärmel verrät vieles über die Träger eines Kimonos. Was dahinter steckt - und wie kompliziert es ist, einen Kimono richtig anzulegen, zeigten Experten jetzt in Linn. Von Otmar Sprothen

Mit der Performance "Farbenpracht und Eleganz" zeigten elf Mitglieder des Kimonoklubs der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität in der Linner Museumsscheune, dass die über 1000-jährige Entwicklung dieses klassischen japanischen Kleidungsstücks noch lange nicht an ihr Ende gelangt ist. Besucher der Sonderausstellung des Deutschen Textilmuseums "Kirschblüten und Haifischhaut - Textilien der Samurai und Bürger der Edo-Zeit" können die in dezenter Farbgebung gestalteten Kimonos der Edo-Zeit bewundern.

Die Edo-Zeit (1603 - 1868) ist die Zeit der Shogune, in der sich Japan mit aller Macht gegen den Einfluss des Westens zur Wehr setzte. Der Kimonoklub führte fantasievoll und sehr farbenfroh gestaltete Kimonos vor, wie sie im heutigen Japan vor allem an öffentlichen wie an familiären Festtagen von beiden Geschlechtern getragen werden. Ruth Jäschke, Kulturreferentin des japanischen Generalkonsulates und bekennender Kimono-Fan, trat in einem einfachen Kimono ans Mikrofon und gab zu den verschiedenen Kimono-Arten, Farben, Dekors und Bildmotiven die notwendigen Erklärungen. Ein Kimono beeinflusst die Körperhaltung positiv, sagt Klubleiterin Rebecca Hemer. Sie trägt an diesem Tage einen Kimono in Lila mit aufgestickten großen goldumrandeten Kirschblüten. Sakura, die Zeit der Kirschblüte, markiert den Beginn des japanischen Frühlings und ist Anlass eines großen ausgelassenen Festes. Zugleich steht die Kirschblüte für weibliche Schönheit, aber auch für Vergänglichkeit. Auch andere Schmuckdekore wie Bambusmotive stehen symbolisch für ein langes Leben oder das Überwinden von Widerständen. Lila war in der Edo-Zeit die Farbe der Bessergestellten, denn diese Farbe ließ sich aus einfachen Naturfarben nicht herstellen.

Die Ärmel von Hemers Kimono sind nur 50 Zentimeter breit geweitet, da seine Trägerin bereits verheiratet ist. Kimonos unverheirateter Frauen messen bis zu 135 Zentimeter Ärmelweite. "Schon bei meinem ziemlich kurzärmeligen Kimono hatte ich heute Morgen Schwierigkeiten beim Zähneputzen", kommentierte Jäschke.

Überhaupt ist das Anlegen eines Kimonos nicht einfach. In Japan bieten zertifizierte Ankleidehelfer für das Kleidungsstück ihre Dienste an, wie Kimono in der Übersetzung heißt. Die elf Damen des Kimonoklubs haben Zweier- oder Dreiergruppen gebildet, um sich in 40 Minuten vor der Vorführung in Schale zu werfen. Schwierigstes Kimonoteil ist der Obi, ein mehrere Meter langer Schmuckgürtel, der, mit teuren lackierten Fäden bestickt, aus gefärbter Baumwolle oder gefärbtem Seidenbrokat besteht. Der in grellen Kontrastfarben gehaltene Obi bedeckt den Bauch der Frau bis zur Höhe des Brustbeins. Oft weist er noch eine Zierkordel auf, in die Goldfäden eingewebt sind. Die Schokoladenseite eines Obis findet sich in einer kunstvoll verknoteten Schleife, die die Trägerin auf dem Rücken trägt. Früher gab es rund 500 festgelegte Obi-Knoten, heute sind es immerhin noch 204. Ein derartig aufwändig gestalteter Kimono kann leicht mehr als 10.000 Euro kosten. Der Kimono verhüllt die Formen des weiblichen Körpers völlig. Seine Trägerin geht kerzengerade. Die Enge des Kimonos gestattet nur kleine Trippelschritte. Die einzige erotische Andeutung beim Tragen eines Kimonos ist das Hochstecken des Haares, wodurch der Nacken frei wird. Mit einem goldverzierten Zwischenkragen lenkt die Trägerin die Blicke auf diese Stelle. Vor drei Jahren haben die jungen Frauen, bis auf die 16-jährige Schülerin Manuela Striebich allesamt Studierende der Modernen Japanistik an der Heinrich-Heine-Universität, ihre Vereinigung gegründet, deren Kimono-Vorführungen immer stärker nachgefragt werden. Bei einem Studienjahr in Japan hatten einige Klubmitglieder erfahren, wie sehr das moderne Japan auf die Tradition des Kimonotragens zurückgreift, etwa beim Sakura genannten Kirschblütenfest oder bei der Volljährigkeitszeremonie im Alter von 20 Jahren oder auch bei Sportarten wie Kendo.

Quelle: RP
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