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Krefeld
Von der Raupenspucke zum Seidenkleid

Krefeld: Von der Raupenspucke zum Seidenkleid
Christel zeigt den Kindern, wie sie aus Pflanzenfasern Farbe gewinnen und damit T-Shirts batiken können. RP-Foto: Thomas Lammertz FOTO: Naber
Krefeld. Beim Sommerferienprogramm im Haus der Seidenkultur erleben Kinder ein spannendes Kapitel Krefelder Geschichte. Von Laura Sandgathe

Wie, ein Kleid aus Spucke? "Eklig" werden das wohl die meisten Kinder im ersten Moment finden. Doch gemeint ist hier nicht irgendwelche Spucke, sondern die einer Seidenraupe. Wenn die Flüssigkeit mit der Luft in Berührung kommt, wird sie zu Seide. Und damit zu einem wertvollen, glänzenden Stoff, der nicht nur zu schönen Kleidern verarbeitet werden kann, sondern auch sehr prägend war für Krefelds Geschichte.

Das Sommerferienprogramm im Haus der Seidenkultur widmet sich diesen beiden Facetten der Seidenthematik: Dem Stoff und seiner Gewinnung und Verarbeitung auf der einen und seiner Bedeutung für die Stadt Krefeld auf der anderen Seite. Es richtet sich an Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren. Gemeinsam mit Museumspädagogin Christel Naber und ihren Kolleginnen können die Kinder hier selbst Seide gewinnen; erleben, wie ein Webstuhl funktioniert und als Erinnerung ein T-Shirt selbst einfärben oder bemalen. Außerdem sind sie auf den Spuren von Seidenweber Meister Ponzelar in der Stadt unterwegs.

Besonders beliebt sei das Färben der T-Shirts oder das Weben einer Handytasche. "Wir erleben immer wieder, wie begeistert die Kinder sind, wenn sie etwas selbst hergestellt haben und am Ende das Ergebnis sehen", sagt Dieter Brenner, Sprecher des Museums.

Die Kinder aktiv einbinden, das ist das Motto der Museumspädagogik im Haus der Seidenkultur. So können sie in der ersten Etage des 1868 erbauten Hauses an der Luisenstraße an einem Originalschauplatz in die Welt der Weber eintauchen. Hier befindet sich der einzige Jacquardwebsaal in Europa, der noch immer an seinem ursprünglichen Platz steht. Und mit Günter Oehms sitzt an ihm ein echter Profi in der Webkunst. Wenn er am Webstuhl in die Pedale tritt und das Schiffchen mit der Seidenspule hin und her schießen lässt, ertönt das typische ratternde Geräusch des Webstuhls, und der Boden erzittert. Authentischer kann man das Lebensgefühl, das Anfang des 20. Jahrhunderts in den Krefelder Webhäusern herrschte, kaum vermitteln.

Am "lebendigen Webstuhl" dürfen die Kinder dann selbst die Fäden ziehen. Zuvor gewinnen sie Seide aus den feinen weißen Kokons der Seidenraupe, der Fachmann spricht von "Haspeln". In einem anderen Raum des Museums sind feinste Seidenkleider ausgestellt, denn zwischen 1908 und 1992 wurden die kostbaren Gewänder, die die Priester der Katholischen Kirche damals trugen, in Krefeld gewebt. Im Garten zeigt Museumspädagogin Naber den Kindern, mit welchen Pflanzen man Stoffe in unterschiedlichen Tönen färben kann.

Das geplante Programm könne aber laut Naber auch aufgebrochen werden: "Wir freuen uns, wenn die Kinder Wünsche äußern, und gehen gerne darauf ein." So werde aus jeder Führung, jedem Workshop eine individuell auf die kleinen Teilnehmer zugeschnittene Veranstaltung.

Quelle: RP
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