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Krefeld
Von der Ritterburg zur Wohnanlage

Krefeld: Von der Ritterburg zur Wohnanlage
Die schöne Backstein-Anlage der ehemaligen Burg Gastendonk auf der Ortsgrenze von St. Hubert und Hüls ist noch heute von einem Graben umgeben. FOTO: Joachim
Krefeld. Im äußersten Nordwesten des Krefelder Stadtgebiets im Hülser Ortsteil Orbroich liegt - den meisten Krefeldern wohl nicht bewusst - die Burg Gastendonk, die seit 2001 eine private Wohnanlage ist. Der Hülser Karl Heußen hat die interessante Geschichte der alten Wasserburg in den Hülser Heimatblättern veröffentlicht. Im Folgenden bringen wir Auszüge dieses umfangreichen Aufsatzes.

Zum ersten Mal erwähnt werden die Herren von Gastendonk im Jahre 1274. Die Wasserburg lag im Norden des kurkölnischen Amtes Kempen und war dem Hülser Pfarrsprengel zuzuordnen, der damals noch von der Kempener Kirche abhängig war. Im Jahre 1348 wurden Sander von Eyll und Heinrich von Alpen gemeinsam vom Grafen von Moers mit der Gastendonk belehnt. Bis 1641 blieb die Gastendonk ein Lehen der Familie von Eyll.

1583 wurde der Truchsessische oder Kölnischen Krieg durch den Kölner Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg ausgelöst, der zum Protestantismus übergetreten war. Er versuchte, das Erzstift in ein weltliches, erbliches Kurfürstentum umzuwandeln. Sein Verbündeter, der Moerser Graf Adolf von Neuenahr, dessen Denkmal auf dem Krefelder Platz an der Alten Kirche steht, ließ Hüls besetzen und befestigen. In Folge dessen kam es zu einer Belagerung durch die katholische Seite und zur ersten "Schlacht bei Hüls".

Während dieser Ereignisse wurde "Schloss Gastendonk" durch einen wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem Überfall entstandenen Brand erheblich zerstört und ein Jahr später durch die die Besatzung der Burg Cracau bei Krefeld geplündert. 1602 wurde die Gastendonk noch einmal ausgeraubt.

1589 soll das Haupthaus der Gastendonk in neuer Form wieder aufgebaut worden sein. Noch ein Jahr vor dem Tod des jüngeren Engelbert von Eyll war das Torhaus saniert worden, wie eine Inschrift daran zeigt. Konstantin von Nievenheim ließ 1627 die Vorburg wieder herrichten, wobei für ihn selbst eine Wohnung für seine vorübergehenden Aufenthalte eingerichtet wurde.

1922 wurden Teile der Gebäude, darunter auch die Kapelle, durch einen Brand zerstört. 1927 übernahm dann der preußische Staat den Gutshof. Pächter der Staatsdomäne wurde Franz Dahlhoff (1887 - 1968), der den Besitz 1967 an den 1940 geborenen Sohn Helmut übergab, der in den 1970er Jahren das Rokoko-Wohnhaus restaurieren ließ. Er richtete in der Vorburg Boxen für in Pension gegebene Pferde ein und baute nördlich des Hofes auf Kempener Gebiet eine Reithalle und eine Scheune.

1999 kam es zum Verkauf an den Architekten Uwe Neuhoff aus Traar und weitere Investoren. Die Dahlhoffs bauten im Jahr darauf auf der Kempener Seite von Mittelorbroich einen neuen, modernen Reitstall mit einer großen Halle und mehrere Wohnhäuser für die Familie. Seit 2005 leitet Sohn Klaus den Betrieb.

Die Entwicklungs- und Planungsgesellschaft des Architekten sanierte den uralten Herrensitz von Grund auf und baute ihn sogar teilweise um - alles in Absprache und im Einvernehmen mit den Denkmalbehörden. Eine große Rolle spielte dabei der behutsame Umgang mit den wirklich historischen Bauteilen vor allem bei Fensteröffnungen, Dachform und -neigung und den verwendeten Baumaterialien. So wurden zum Beispiel in früheren Zeiten zugemauerte Fenster und Schießscharten wieder geöffnet, einige wenige kamen neu hinzu. Ein nicht zur Vorburg gehörender Stall wurde abgerissen. An dieser Stelle entstand ein in Form und Größe entsprechendes Gebäude, in dem alle Nebenräume, die Hausanschlüsse und die Heizanlage untergebracht sind.

Völlig neu gestaltet wurde die mit Ausnahme der Fassade des Ostflügels durch den Brand von 1922 zerstörte Hofseite der Vorburg, deren Wiederaufbau damals ohne Berücksichtigung der Historie in erster Linie aus landwirtschaftlicher Sicht erfolgte. Hier gibt es heute in zeitgemäßer Architektur gestaltete Wände mit großzügigen Fensterflächen.

Der Innenhof wurde gärtnerisch gestaltet, das frühere große Tor in der Mitte der Vorburg dient nur noch als fußläufiger Zugang. So entstand aus der früheren Ritterburg eine moderne Wohnanlage, die dem Vorbeiwandernden oder -fahrenden aber immer noch ihr altes verträumt-romantisches Gesicht zeigt.

Quelle: RP
 
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