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Krefeld
Von Hirschhausen über Krawatten, Männer und Frauen
Eckart von Hirschhausen ist Krawattenmann des Jahres 2009
Eckart von Hirschhausen ist Krawattenmann des Jahres 2009 FOTO: Thomas Lammertz
Eckart von Hirschhausen wäre kein Kabarettist, wenn er die Ehrung zum Krawattenmann des Jahres 2009 nicht augenzwinkernd kommentiert hätte: Krawatten, sagte er am Donnerstag in Krefeld bei der Ehrung, übernehmen in etwa die Rolle von Schuhen bei Frauen. Von Jens Voss und Sven Durgunlar

„Frauen kaufen sich Schuhe für den kurzen Glücksmoment, sie abends ausziehen zu dürfen.“ Auch bei Männern sei es nicht selbstverständlich, per Krawatte demonstrativ die Blutzufuhr in den Kopf zu drosseln. Und so vermutete der Kabarettist, dass Männer Krawatten für den Moment tragen, wenn man sie lockert, um zu zeigen, dass man eigentlich gar nicht so ein steifer Typ sei, sagte von Hirschhausen, der zum dunklen Zweireiher eine Krawatte mit breiten weißen und dunkellila Streifen trug.

Das Geheimnis um den 33. Krawattenmann des Jahres war bis zuletzt gehütet worden. 54 Prozent der deutschen Männer tragen selten oder gar nicht Krawatte, hatte zuvor Krefeld Oberbürgermeister Gregor Kathstede erklärt – „diese Zahl ist mir selbstverständlich unverständlich“. Krawattenmuffel kämen aus allen Schichten.

Andererseits tragen laut Kathstede 30 bis 40 Prozent der Männer täglich eine Krawatte – eine gute Nachricht für Krefeld, die Krawattenhauptstadt Deutschlands, so der Oberbürgermeister, der selbst eine Krawatte mit feinen fliederfarbenen Längsstreifen trug.

Von Hirschhausen nutzte die Ehrung für einen kleinen Vergleich zwischen Mann und Frau. Frauen, sagte er, stehen vor dem Spiegel, drücken die Haut ihres Oberschenkels zusammen und sagen: „Guck mal, so sehe ich in 30 Jahren aus.“ Dies sei ein typischer Fall von TMI, to much information, zu viele Informationen. „Kein Mann ist so doof, sich vor dem Spiegel ins Profil zu drehen“, sagte von Hirschhausen und gab Frauen den Rat: „Liebe Frauen, Beine haben die richtige Länge, wenn beide bis auf den Boden reichen.“

Mit der Kürung des Krawattenmanns zeichnet die Stadt Krefeld zusammen mit dem Deutschen Mode-Institut jährlich eine Persönlichkeit aus Sport, Politik oder Gesellschaft aus, die sich in der Öffentlichkeit durch ihr gepflegtes Aussehen und das Tragen von Krawatten hervorgehoben hat.

Der Mediziner und Buchautor stelle seine äußere Erscheinung "bewusst und dabei kultiviert in den Dienst seiner Inhalte", begründete das Deutsche Mode-Institut (DMI) die Entscheidung der Jury am Donnerstag in Krefeld. "Damit wirkt sein Auftritt angenehm, selbstverständlich und glaubwürdig zugleich", erklärte DMI-Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins. Mal mit und auch ohne Krawatte schienen von Hirschhausens Anzüge, Hemden und Accessoires "dezidiert, aktuell und wohlüberlegt aufeinander abgestimmt".

Eckart von Hirschhausen nennt sich selbst „medizinischer Kabarettist”. Der promovierte Arzt spricht auf der Bühne als „Glücksbringer“ über das, womit er sich am besten auskennt: die körperliche und seelische Gesundheit.

Er reiht sich damit in die Reihe der namhaften Krawattenmänner der vergangenen Jahre ein, zu denen der verstorbene Altbundeskanzler Willy Brandt (SPD), der frühere Bundespräsident Walter Scheel, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, die Fernsehmoderatoren Günther Jauch und Johannes B. Kerner sowie FDP-Chef Guido Westerwelle gehören.

Bereits seit Monaten wurde darüber spekuliert, wer der neue Preisträger 2010 sein könnte. Zuletzt war Moderatorin und Sängerin Barbara Schönebweger ins Gespräch gebracht worden. In der Jubiläumsausgabe der WDR-Show „Zimmer frei“ mit Götz Alsmann und Christine Westermann hatte Moderator Götz Alsmann die Sängerin mit „Die Krawattenfrau des Jahres“ angekündigt.

Eine Abfuhr hatte davor Fußball-Star Franz Beckenbauer der Samt- und Seidenstadt erteilt. Krefeld wollte den 64-Jährigen zum Krawattenmann küren. Beckenbauer knüpfte aber eine Bedingung an die Ehre: Seinen Auftritt bei der Preisverleihung wollte sich Beckenbauer nach Informationen der Rheinischen Post versilbern lassen – für die halbstündige Veranstaltung verlangte er dem Vernehmen nach einen Betrag zwischen 10 000 und 20 000 Euro. Daraufhin zog die Stadt ihr Angebot zurück.

Der Krawattenmann wird seit 1965 gekürt. Die Wahl des Geehrten ist bis zur Preisverleihung ein streng gehütetes Geheimnis.

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