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Krefeld
Vorsicht vor giftigen Champignon-Arten

Krefeld: Vorsicht vor giftigen Champignon-Arten
Karl Wehr von der Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein mit einem Champignon. Es gibt 60 Arten, zehn Prozent davon sind giftig. Ausgerechnet der giftige Karbolchampignon ist besonders häufig in unserer Region. Von ungiftigen Arten ist er für Laien nicht zu unterscheiden. FOTO: Lammertz
Krefeld. Ein Vergiftungsfall durch Pilze, die auf einem Trödelmarkt an der Mevissenstraße verkauft worden waren, lenkt den Blick auf das gefährliche Hobby Pilzsammeln. Experten warnen: Nur bei intimer Kenntnis sollte man selbstgesammelte Pilze verzehren. Auch selbst gesammelte Champignons sind keinesfalls unbedenklich. Von Jens Voss

Auf dem Trödelmarkt an der Mevissenstraße sind am 1. Oktober offenbar giftige Pilze verkauft worden. Der Krefelder Pilzexperte Karl Wehr, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde Niederrhein ist, geht aufgrund von Fotos davon aus, dass es sich nicht um den berüchtigten Grünen Knollenblätterpilz (berüchtigt, weil leicht zu verwechseln mit Champignons), sondern um den Kahlen Krempling gehandelt hat. "Wenn ich das Angebot gesehen hätte, hätte ich sofort die Polizei gerufen", sagt Wehr - zum einen, weil der Kahle Krempling hierzulande als Giftpilz eingestuft ist, zum anderen weil Speisepilze nur zum eigenen Verzehr und nicht zum Verkauf gesammelt werden dürfen. Der Kahle Krempling galt früher als unbedenklicher Speisepilz, bis man herausfand, dass er bei bestimmten Menschen und auch bei bestimmten Zubereitungsarten giftig wirkt. Zudem ist er wie jeder Pilz leicht verderblich und kann eine Lebensmittelvergiftung hervorrufen.

Die Region um Krefeld ist laut Wehr kein gutes Pilzrevier, auch wenn dieses Jahr ein besseres Pilzjahr sei als das vergangene. Es fehlen naturbelassene Wälder, in deren Laub und Nadelstreu Pilze am besten gedeihen. Die beliebten Pfifferlinge und der kostbare Steinpilz seien hier überhaupt nicht vertreten. Zum Champignon betont Wehr, dass zehn Prozent der 60 Champignonarten giftig seien. "Und ausgerechnet die häufigste Champignon-Art, die man hier findet, ist der giftige Karbol-Champignon. Für den Laien ist er von einer ungiftigen Art nicht zu unterscheiden", betont er.

Fotos: Das sind die unterschiedlichen Pilz-Sorten FOTO: dpa

Insgesamt nehme das Pilzsammeln etwas zu, schätzt Wehr - und zwar vor allem durch osteuropäische Einwanderer. Für sie ist das Pilzsammeln in ihrer Heimat oft eine selbstverständliche Praxis, die sie mit nach Deutschland bringen. Illegales Pilzsammeln komme vor. "Es gibt Auswüchse. Fälle, in denen sechs Mann in ein Gebiet fahren und massenhaft Pilze sammeln; so etwas ist total ärgerlich." Und verboten, betont er noch einmal. Pilzexperten wie Wehr sind kaum an Speisepilzen interessiert als faszinierende Lebensform. Biologisch gelten sie als eigens Reich von Lebewesen, die von Pflanzen und Tieren unterschieden werden, aber mittlerweile näher mit Tieren als mit Pflanzen verwandt sind. Die Arbeitsgemeinschaft Pilzkunde bietet auch keine Kurse zu Speisepilzen an.

Generell wird ohnehin von übermäßigem Pilzgenuss abgeraten. In Wildpilzen können sich Schwermetalle ablagern. nach einer Mitteilung der Stiftung Warentest konzentrieren sich bis zu fünfmal mehr Schadstoffe wie Kadmium und Blei in der Pilzfrucht als in der Erde. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt daher, wöchentlich nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze zu essen. Dabei enthalten die Pilze, die essbar sind und gezüchtet werden, wertvolle Stoffe zur Ernährung, denen auch heilende Wirkung zugeschrieben werden. In Krefeld gibt es seit 1993 die Gesellschaft für angewandte Mykologie und Umweltstudien mbH (GAMU), die damals als Ausgründung der Versuchsanstalt für Pilzanbau der Landwirtschaftskammer Rheinland gegründet wurde. Fachlicher Kopf ist Prof. Jan Lelley. "Viele Pilze enthalten das wichtige Vitamin D, das in anderen Pflanzen nicht vorkommt. Es wird vor allem durch Sonneneinstrahlung auf die Haut gebildet; deshalb sind Pilze gerade in der dunklen Jahreszeit ein wichtiger Vitamin-D-Lieferant", sagt Lelley. Keine Esoterik: Lelley hat Jahrzehnte als Professor an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn gelehrt; seine GmbH arbeitet unter anderem mit der Hochschule Niederrhein (Fachbereich Oecotrophologie, Industrielle Lebensmittelverarbeitung und Produktentwicklung) und nach wie vor mit der Universität Bonn zusammen. Die GAMU verkauft Pilzprodukte, teils als Mischungen, teils als getrocknete und gemahlene Pilze als Nahrungsergänzungsmittel. Zu den erstaunlichen Pilzarten gehört laut Lelley der "Glänzende Lackporling", der etwa gut ist bei Allergien, weil er die Histamin-Ausschüttung im Körper hemmt.

Quelle: RP
 
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