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Krefeld
Warum die "Stars"-Wirtin aufgegeben hat

Krefeld: Warum die "Stars"-Wirtin aufgegeben hat
"Das tut schon weh": Doro Krüger steht vor ihrem ehemaligen Restaurant "Stars" an der Uerdinger Straße. Es war eine schöne Zeit, sagt sie, aber man müsse wissen, wann Schluss ist - jetzt. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Dreieinhalb Jahre lang hat Doro Krüger das "Stars" an der Uerdinger Straße im Alleingang betrieben. Zum Jahreswechsel hat sie die Tür ein letztes Mal abgeschlossen - es kamen immer weniger Gäste in das Restaurant mit Bar. Von Henning Rasche

Natürlich findet sie etwas Neues. Hat sie ja immer. Aber noch geht es nicht um das Neue, um das, was da vielleicht kommen mag. Doro Krüger geht es um die vergangenen dreieinhalb Jahre. Und wie sie davon erzählt, durchlebt sie die Zeit noch einmal, mit all ihren Emotionen. Sie weiß gar nicht recht, wo es sich zu beginnen lohnt. Also redet sie einfach drauflos und kommt kaum zur Ruhe. Nur kurz macht sie eine Pause. Dann sieht es so aus, als habe sie feuchte Augen.

Das "Stars" an der Uerdinger Straße 224 - ein denkmalgeschütztes Gebäude, gegenüber der Sprödentalplatz, nebenan der Sprödental-Grill. Der Geruch von Brathähnchen liegt in der Luft. Der Briefkasten des in Restaurant und Bar aufgeteilten Lokals mit 200 Quadratmetern quillt über. Die Speisekarten in den Kästen am Eingang fehlen, die Rollläden sind heruntergelassen.

Doro Krüger hat nach dreieinhalb Jahren Selbstständigkeit als Wirtin des "Stars" einen Schlussstrich gezogen und den Betrieb zum 31. Dezember eingestellt. "Die Zeiten sind nicht schlechter geworden, aber anders", sagt die 50-Jährige. Es kamen einfach immer weniger Gäste, erzählt Krüger. Und weil sie keine Schulden machen wollte, musste sie aufhören. "Es war eine schöne Zeit, aber man muss wissen, wann Schluss ist." Sie ist mit sich im Reinen, hat alles "korrekt" abgewickelt, wie sie betont.

Das "Stars" war ein Treffpunkt in Bockum, für Geschäftsleute, Arbeitnehmer oder Rechtsanwälte. Das Finanzamt gegenüber hat regelmäßig seine Weihnachtsfeier im "Stars" abgehalten. Doch damit ist Schluss. Doro Krüger sagt, dass sich die Kommunikationswege verändert hätten. Es gibt Facebook, Smartphones - jeder ist immer und überall im Internet. "Die jungen Leute haben keine Stammkneipe mehr, das sehe ich doch an meinen erwachsenen Kindern. Sie verabreden sich übers Netz an immer anderen Orten." Etwa da, wo es eine "Happy Hour" gebe.

Auch Doro Krüger, die Meister-Goldschmiedin aus Danzig, musste mit Porsche fahrenden Damen darüber diskutieren, ob die Stunde für vergünstigte Cocktails nicht eine Viertelstunde verlängert werden könnte. Es ging um 1,50 Euro. "Die Leute waren immer weniger bereit, für gute Sachen Geld auszugeben. Das passt doch nicht zusammen", beklagt sie. Sogar die Firmen hätten bei den Weihnachtsfeiern gespart: Alkohol mussten Mitarbeiter selber zahlen und haben deshalb deutlich weniger getrunken.

Und Doro Krüger hat weniger verdient. Das Geschäft fing an, sich nicht mehr zu rechnen. 4000 Euro Kaltmiete musste sie nach eigenen Angaben aufbringen, berichtet die Gastronomin. Acht Mitarbeiter musste sie bezahlen, die Waren, die Reinigung, Strom - und sich selbst. In den Urlaub ist sie nicht gekommen in der ganzen Zeit.

Doro Krüger ist Perfektionistin, erzählt sie. Auf das kleinste Detail hat sie geachtet; für jede der vier Biersorten hatte sie eigene Bierdeckel. "Jeder Gast soll das Gefühl haben, etwas Besonderes zu sein." Wie es für sie weitergeht, weiß sie noch nicht. Ein paar Angebote hat sie bekommen. Nur ganz allein selbstständig sein, das will sie nicht mehr.

Quelle: RP
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