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Heimat entdecken: Vier "Immis" berichten
Warum wir nach Krefeld gezogen sind

Heimat entdecken: Vier "Immis" berichten: Warum wir nach Krefeld gezogen sind
Maria Benyumova leitet den Opernchor des Gemeinschaftstheaters. 2010 kam die in Sibirien geborene Musikerin erstmals nach Krefeld. Heute fühlt sie sich hier heimisch: "Hier gibt es viele Gute-Laune-Häuser", sagt sie. Zu ihren Lieblingsplätzen gehört ihre Küche. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Was schätzen Menschen, die von auswärts kommen, an ihrer neuen Heimat Krefeld? Wir haben vier Menschen befragt. Von Petra Diederichs

Die ersten Schritte durch die Stadt waren wenig verheißungsvoll: Maria Benyumova reiste 2010 aus München an zum Vordirigat im Krefelder Theater. "Der Weg vom Bahnhof über den Ostwall war trostlos. Aber die Aufgaben, die mich hier erwarteten, waren so spannend, da habe ich mich nicht beirren lassen", erzählt sie. Die Stelle als Chordirektorin des Gemeinschaftstheaters hat Benyumova bekommen - und Krefeld sieht sie inzwischen mit ganz anderen Augen. "Ich fühle mich hier wohl", sagt sie. "Mein Alltag hat sich hier eingespielt. Und wenn ich von Auslandsreisen zurückkehre, empfinde ich, dass ich nach Hause komme."

Statt auf die Baustellen-Tristesse blickt sie auf Krefelds "Gute-Laune-Häuser". "Ich bin ein Fan des Jugendstils, und hier gibt es wundervoll restaurierte Architektur. So oft es geht, fahre ich mit dem Fahrrad zum Theater - vorbei an hell gestrichenen schönen Fassaden in Gelb, Hellblau. Diese Häuser geben den Straßen eine Festlichkeit, das hebt die Stimmung", sagt sie. Bockum, die Musiker- und Dichter-Viertel, Friedrich-Ebert-Straße und Uerdinger Straße - da zeigt Krefeld sein schönes Gesicht.

Maria Benyumova lebt mit ihrem Lebensgefährten in einem Altbau, "mit großen Fenstern und Balkonen. Das ist zwar nicht praktisch, aber sehr schön. Bei modernen Bauten vermisse ich, dass Fenster oft gar keine Rolle spielen. Die Proportionen sind oft seltsam. Ich mag den Charme des Altmodischen und die Spannung, wenn Altes mit neuen Technologien verbunden wird."

Maria Benyumova ist 1984 in Sibirien geboren, in Krasnojarsk, einer Provinz mit einer Million Einwohner. "Einfamilienhäuser kennt man dort nicht", erzählt sie. "Jedes Wohnhaus hat mindestens neun Stockwerke. Die Menschen leben dort sehr viel enger zusammen. Eine Wohnsituation wie hier können sie sich gar nicht leisten." Als sie zur Ausbildung nach Deutschland kam, zunächst bei Verwandten in Dortmund wohnte und später an der Essener Folkwang-Hochschule studierte, hat sich ihr Verhältnis zum Wohnraum verändert. "Ich habe gelernt, den Wunsch der Deutschen nach Privatheit zu respektieren und mag das heute sehr gerne." Wenn sie von klangerfüllten Arbeitstagen im Theater oder von Konzerten nach Hause kommt, genießt sie Stille. Dann legt sie keine Musik auf. "Ich habe mich hier schon sehr verändert in dieser Beziehung." Denn das Zuhause in Sibirien war turbulent: "Wir waren eine große, laute Familie, drei Schwestern. Bei uns wurde immer bis in die Nacht hinein Musik gemacht." Die Eltern hatten musische Berufe und einen großen Freundeskreis von Künstlern. "Da habe ich gelernt, mich auch auf kleinem Raum auf wichtige Dinge konzentrieren zu können." Das, was man tut, aus vollem Herzen und mit ganzer Kraft anzugehen, gehört zu den Lehren, die die Eltern ihren Kindern vermittelt haben.

Auch Stadtplaner, findet sie, sollten mit dem Herzen ihre Aufgaben erfüllen. Als das Papst-Johannes abgerissen war, um Platz für den Neubau der Volksbank zu machen, war Benyumova begeistert von dem Blick auf die plötzlich frei stehende Dionysiuskirche. "Es wäre so schön gewesen, wenn dort eine große Wiese angelegt worden wäre." Die Studenten fehlen ihr im Stadtbild. "Aber Krefeld ist groß genug, damit man hier alle Dinge des Alltags erledigen kann - und man doch vieles mit dem Fahrrad erreichen." Unterwgs mit dem Rad genießt sie, wie viel sich derzeit in der Stadt verändert: Fahrradwege werden saniert, Kindergärten mit hübschen Gartenanlagen gebaut, der Stadtgarten restauriert. "Und in den Straßen gibt es überall Blumen."

Doch zu den unübertroffenen Lieblingsplätzen in Krefeld zählt für Maria Benyumova ihre Küche: "Ich esse gerne gut."

Quelle: RP
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