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Ostern 2016
Was Blumen über Ostern erzählen

Was Blumen über Ostern erzählen
Was Blumen über Ostern erzählen FOTO: S. Hopf
Krefeld. Viele Pflanzen im Botanischen Garten erzählen in ihrem Namen vom Osterfest oder anderen christlich-kirchlichen Begriffen. So gibt es einen Judasbaum - der Legende nach soll sich Judas nach seinem Verrat an einem solchen Baum aufgehängt haben. Von Jochen Lenzen

Noch ist der Frühling jung, und ganz selten fällt das Osterfest auf das Ende der ersten, diesmal recht kalten Frühjahrswoche. Trotzdem beginnen jetzt im Botanischen Garten die ersten Pflanzen zu blühen, deren Namen mit dem Fest und mit anderen christlichen Begriffen verbunden sind. Mit Birgit Loy, Leiterin des Gartens, haben wir einige Beispiele ausgewählt.

Weil sie zur Blume des Jahres 2016 gekürt wurde, und weil ihr lateinischer Name "Primula veris" soviel wie "erste Blume des Frühlings" bedeutet, soll die Schlüsselblume, auch Himmelsschlüssel genannt, an erster Stelle genannt werden. "Der Legende nach fiel dem Heiligen Petrus sein Schlüsselbund vom Himmel, berührte die Erde und schuf dort die Schlüsselblumen, deren Blütenanordnung an einen Schlüsselbund erinnern soll", erläutert die Botanikerin. "Als Himmelsschlüssel gelten sie als Symbol für den Frühling und die Auferstehung." Die Pflanze ist vorzugsweise auf niederwüchsigen, kalkhaltigen Wiesen zu finden, die vor allem im Norden eher selten sind. Sie steht daher, wie alle anderen Primelarten, unter Naturschutz. Im Süden dagegen können ganze Wiesen Mitte und Ende April mit Schlüsselblumen übersät sein. Als Heilpflanze mit schleimlösender Wirkung ihrer Wurzeln hat sie sich bei Erkrankungen der Atemwege bewährt.

Natürlich ist die Osterglocke die erste Blume, auf die man sich in Zusammenhang mit dem Fest besinnt. Die gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) gibt es in etlichen Sorten, doch ist ihr natürliches Vorkommen sehr selten geworden. "In der südlichen und westlichen Eifel kommt sie aber noch verbreitet vor; dort werden sogar geführte Wanderungen zu den Vorkommen angeboten", sagt Birgit Loy. Die Blüten erstrahlen zu Ostern in voller Pracht; sie bestehen aus einer flachen Hauptkrone und einer glockenartigen Nebenkrone, der sie ihren Namen verdankt. Achtung: Die Zwiebel und auch das Blumenwasser der Osterglocke sind giftig. Noch vor der Osterglocke blüht eine heimische Pflanze, die im Volksmund auch Weiße Osterblume genannt wird: das Buschwindröschen (Anemone nemorosa). Es gedeiht in lichten Wäldern, ist mehrjährig und wird - die Verniedlichung des Namens legt es nahe - kaum größer als 20 Zentimeter.

Am Sonntag vor Ostern kommt mit Weihe und Prozession ein Gewächs zu Ehren, das ab März blüht - allerdings nur sehr unscheinbar: Der Buchsbaum (Buxus sempervirens) wird in unseren Breiten als Ersatz für die Palmwedel genutzt, mit denen Jesus am Gründonnerstag beim Einzug nach Jerusalem bejubelt wurde. Geweihter Palm wurde - und wird auch heute noch - in Haus und Hof an jedes Kreuz gesteckt oder als Busch an Scheune und Remise gehängt, damit es vor Blitz- und Hagelschlag, Missernte und Seuchen schützen sollte.

In Gedenken an den Verrat Jesu wird der Cercis siliquastrum auf Deutsch Gewöhnlicher Judasbaum genannt - vermutlich, weil er im Herbst etwa zwölf Zentimeter lange Schoten bildet, die den gesamten Winter über hängenbleiben. An einem solchen Baum, so die Legende, soll sich der von Schuldgefühlen getriebene Judas aufgehängt haben. Der Judasbaum ist ein botanisch sehr interessantes Gewächs: "Die purpurrosa Blüten, die sich übrigens mit ihrem süßsäuerlichen Geschmack gut als Salatzutat eignen, erscheinen schon vor den Blättern nicht nur an dünneren Trieben, sondern in Büscheln auch direkt am Stamm und dickeren Ästen; ein Phänomen, das sonst nur bei tropischen Baumarten auftritt", erklärt die Gartenleiterin.

Eine wichtige Nahrungspflanze für Insekten ist das Pfaffenhütchen (Euonymus europaea). Seine gelblich-grünen Blüten sind zwar unscheinbar, doch ihr Nektar ist für Bienen ein Hochgenuss. Den Namen verdankt der Strauch seinen rot-violetten Früchten, die sich von September bis Oktober bilden und an ein Barett, die priesterliche Kopfbedeckung, erinnern. Sie sind für Menschen giftig, bei Rotkehlchen und Meisen aber sehr beliebt.

Wer sich die aufgeführten und viele weitere Pflanzen anschauen möchte, findet sie im Botanischen Garten am Schönwasserpark (Zufahrt über die Johansenaue). In dem Garten gelten jetzt wieder die Sommeröffnungszeiten; er ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
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