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Serie Herausforderung E-Commerce (8)
Was ein Online-Auftritt kostet

Serie Herausforderung E-Commerce (8): Was ein Online-Auftritt kostet
"Wenn der erste Eindruck nicht gut ist und der Interessent kein gutes Gefühl hat, ist er weg und kommt nicht wieder": Medienexperte Frank Maas über den Internetauftritt eines Unternehmens. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Was muss man beachten, und wie viel muss man investieren - wir sprachen mit dem Krefelder Marketing-Experten Frank Maas über die Frage, wie Einzelhändler das Internet nutzen können. Nein, Stand der Dinge ist: nicht können - müssen. Von Jens Voss

Es ist so etwas wie die Gretchenfrage aller Investitionen: Was kostet es? Wie viel Geld muss ein Einzelhändler in die Hand nehmen, wenn er sich dem Thema Internet nähert, und sei es, dass er über eine eigene Web-Seite erst einmal Internetpräsenz schaffen will? Laut Frank Maas, Geschäftsführer des Marketing- und Mediendienstleisters Vimago, lässt sich das nicht pauschal beantworten: "Wer aber glaubt, mit einer einmaligen Investition von 500 oder 1.000 Euro im Internet erfolgreich zu sein, der ist auf dem falschen Weg." Die Botschaft unterm Strich ist: Es muss bei weitem nicht immer ein Vermögen sein - aber wenn man an Internetpräsenz arbeitet, muss der Auftritt sitzen. "Man hat nur eine Chance, sich dem Interessenten schlüssig zu präsentieren", sagt Frank Maas, "wenn der erste Eindruck nicht gut ist und der Interessent kein gutes Gefühl hat, ist er weg und kommt nicht wieder."

Eine Frage stellt sich für Maas nicht: das Ob; ob man also überhaupt als Einzelhändler das Internet als Marketingplattform nutzen sollte. "Eigentlich ist es seit mehr als einem Jahrzehnt Standard, dass Unternehmen sich auch im Internet präsentieren", sagt Maas, "vom Fünf-Mann-Sanitärinstallationsbetrieb bis zum Konzern: Das Internet ist eine wichtige Plattform, um das Portfolio seiner Leistungen zu präsentieren. Außerdem ist es auch eine Frage der Imagepflege und der Kundenbindung."

Das zu ignorieren und nicht systematisch in Onlinemarketing zu investieren, sei für den stationären Handel mindestens fahrlässig. "Die Menschen sind sowieso im Internet unterwegs; entweder recherchieren sie vor dem Einkauf oder nach dem Besuch in einem Geschäft. Die Chance, in diesem Wechselspiel wahrgenommen zu werden, vergibt man ohne Internetauftritt komplett", betont Maas.

Die erste Phase bei der Erarbeitung eines Internetauftritts ist eine gründliche Analyse. Was ist mein Ziel, wen will ich erreichen, was passt zu meinem Geschäft und - auch wichtig - zu dem Budget, das ich habe, und was passt zu mir und dem Stand meines Unternehmens? "Wenn jemand von Null startet, überfordert ihn vielleicht ein kompletter Online-Shop", sagt Maas; es geht demnach nicht nur um die Frage, was man sich finanziell leisten kann, sondern auch darum, was man selber leisten kann. "Jeder braucht sein eigenes Konzept, und man muss ihn da abholen, wo er steht", so Maas.

Zentral ist aber auch: Auch wenn man in kleinerem Rahmen startet, muss das Ergebnis professionell sein. "Die Leute bringen Internet-Sehgewohnheiten mit und verinnerlichen Standards, gegen die man nicht verstoßen sollte", betont Maas. Design, Texte, Fotos, Schrift, Farbgebung, Videos - "alles muss ein schlüssiges Ganzes ergeben". Konzeptionelle Arbeit an einer Internetseite sei immer auch eine Chance, seinen kompletten Werbe- und Marketingauftritt zu überdenken. Maas betont etwa, dass das Internet allein zu wenig sei - gerade für den stationären Handel sei auch der Printbereich weiter wichtig, vom Flyer bis zur Werbeanzeige. "Marketing sollte man ganzheitlich denken", sagt Maas.

Dilettantismus in einem Bereich verdirbt das Ganze. Maas nennt das Beispiel Fotos: Mit schlecht gemachten Bildern zu arbeiten sei verheerend für den Gesamteindruck; "die Fotos müssen professionell sein und spielen für die Wirkung eine enorme Rolle". Immer wichtiger wird der Einsatz von Videos; mit ihnen lassen sich wichtige Botschaften schnell und unterhaltsam transportieren, sie müssen aber eben auch professionell wirken.

Eine weitere Kategorie ist wichtig: Authentizität. Ein Handwerksbetrieb muss in seinem Auftritt so etwas wie Bodenständigkeit und Regionalität widerspiegeln; wer zu dick aufträgt oder die falsche Stilebene wählt, wirkt schnell unglaubwürdig, und das irritiert neugierige Besucher auf einer Webseite - oder schreckt sie im ungünstigsten Fall ab.

"Im Grunde ist es wie bei einem Wochenmarkt", sagt Maas in einem griffigen Vergleich, "kein Händler käme auf die Idee, Gemüse auf Edelstahl feilzubieten - weil es einfach nicht passt. So ist es auch im Internet - denn das Internet ist am Ende dies: ein riesiger Marktplatz. Ihn gezielt zu nutzen birgt vor allem viele neue Möglichkeiten."

Quelle: RP
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