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Rp-Serie Krefelder Märtyrer
Wegen Religionsunterrichts ins KZ Dachau

Krefeld. Matthias Eickels war Reichsbahn-Assistent in Krefeld-Linn - nicht freiwillig. Er wurde nach Denunziationen strafversetzt. Weil er in seinem Haus Zusammenkünfte der katholischen Jugend duldete, wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager deportiert. Von Norbert Stirken

Matthias Eickels wollte mit den Nationalsozialisten nie etwas zu tun haben. Und daraus machten er und seine Familie auch keinen Hehl. Diese Haltung führte ihn nach Krefeld und später in das Konzentrationslager Dachau, wo er am 10. Dezember 1942 nach mehreren Wochen schweren gesundheitlichen Leidens starb.

Seine Geschichte ist akribisch nachvollzogen. Er gilt als Märtyrer, der für seinen Glauben gestorben ist. Helmut Moll hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz recherchiert und die Resultate im deutschen Martylogium für das 20. Jahrhundert festgehalten. Über das Leben und den Tod von Matthias Eickels informiert eine Ausstellung der St. Christophorus Pfarrei, die morgen, 11.15 Uhr, in den Räumen der St. Hubertus Gemeinde am Hohen Dyk 130 zu sehen sein wird.

Eickels war gebürtiger Rheinländer. In Klinkum bei Wegberg erblickte er das Licht der Welt. Im Alter von 29 Jahren trat er in den Eisenbahndienst ein, stieg zum Reichsbahn-Assistenten in Wegberg auf. Schon 1935 wurde er wegen Schwierigkeiten mit dem NS-Regime aktenkundig. "Der größte Saboteur ... ist ohne Zweifel der Rb. Ass. M. Eickels", hieß es in den Unterlagen. Anlass für diese Denunziation sah der damalige Kreisleiter in Erkelenz in der Ablehnung Eickels, sich bei der Sammlung für das Winterhilfswerk großzügig zu zeigen. Außerdem sei sein Sohn Josef nicht Mitglied der Hitler-Jugend, sondern engagiere sich führend in den katholischen Jugendverbänden. Die Nazis nannten ihn einen Volksschädling.

Am 18. März 1935 musste sich Eickels auf Drängen der NSDAP Erkelenz vor der Reichsbahndirektion in Köln verantworten. Monate später wurde er nach "Crefeld-Linn" strafversetzt. Wegen des Wohnungsmangels radelte er mehrmals in der Woche zur Arbeit nach Krefeld. Später mietete er ein Zimmer in Hohenbudberg in der "Übernachtung des Bahnhofs". Seine Gesuche, wieder nach Wegberg zurückkehren zu dürfen, wurden regelmäßig abgelehnt. Die Strapazen durch die Schikanen und Vernehmungen griffen die Gesundheit des Krefelder Reichsbahn-Assistenten stark an. Der Druck auf ihn blieb hoch, anstehende Beförderungen blieben aus. Nach der vorzeitigen Versetzung in den Ruhestand gingen die Drangsalierungen erst richtig los. Denn Eickels ließ sich auch weiterhin kein bisschen einschüchtern. Bei den Haussammlungen der Nazis gab er nichts. Im Gegenteil, er betonte ausdrücklich, dass er nur der katholischen Wohlfahrt Caritas etwas spenden wolle. Zu Beginn des Jahres 1942 wurde Eickels offiziell aus der Volkswohlfahrt ausgeschlossen.

Dass in seinem Wohnhaus Zusammenkünfte der katholischen Jugend erfolgt sind und Religionsunterricht stattgefunden hat, nahm die Geheime Staatspolizei zum Anlass, die Räume zu durchsuchen. Acht Tage später im März 1942 erfolgte dann die Verhaftung und Deportation ins KZ Dachau. Seine Frau erhielt die Nachricht, ihr Mann befinde sich dort in Schutzhaft. Er sei gesund.

Tatsächlich aber war Eickels sterbenskrank, konnte auf die Briefe seiner Frau schon nicht mehr reagieren. Ein polnischer Geistlicher gab dem 55-Jährigen die letzte Ölung. Er starb fünf Tage vor seinem 56. Geburtstag ausgezehrt von den Folgen eines Darmkatarrhs. Sein Leichnam wurde in Dachau im Krematorium eingeäschert, die Urne später unter unwürdigen Begleitumständen in seinem Heimatort beigesetzt.

Quelle: RP
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