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Krefeld
Weiher an der Musikschule stinkt zum Himmel

Krefeld: Weiher an der Musikschule stinkt zum Himmel
Laut Verwaltung verbirgt sich im Weiher des Sollbrüggenparks ein ganz eigenes Problem: Er hat teilweise nur eine Tiefe von 60 Zentimetern. Dadurch "altert" das abgedichtete Gewässer schnell. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Geschwister untersuchten die Wasserqualität im Sollbrüggenpark und stellten die Ergebnisse der Politik im Umweltausschuss vor. Von Joachim Niessen

Selbstbewusst streicht sich die zwölfjährige Katharina Thome die Haare aus der Stirn. Gemeinsam mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Marcus geht sie in der jüngsten Sitzung des Krefelder Umweltausschusses in Richtung Laptop und Leinwand. Mehr als 30 Augenpaare der anwesenden Vertreter aus Politik, Verwaltung und Umweltschutzverbänden sind auf die beiden Schüler des Maria-Sibylla-Merian-Gymnasiums gerichtet. Nach kurzer Begrüßung steigen die Siebt- und Achtklässler ins Thema ein und legen sofort den Finger in die Wunde: "Wir haben eine kontinuierliche Verschlechterung des Gewässers im Sollbrüggenpark festgestellt", umschreibt Marcus die Situation und damit auch den selbstgestellten Prüfauftrag.

Seit mehreren Jahren beschäftigen sich die Geschwister mit Umweltprojekten im Krefelder Stadtgebiet. Immer wieder führten sie praktische Untersuchungen durch. Der Sollbrüggenpark ist ihr jüngstes Projekt. Ihre Ergebnisse belegen sie mit Fakten: "So ist die Geruchsbelästigung, welche man auf der Brücke zur Musikschule im Sommer wahrnimmt, deutlich gestiegen", erklärt der 14-Jährige. Und ergänzt mit kritischen Blick in Richtung der aufmerksamen Zuhörer: "Dabei ist der Sollbrüggenpark einer der schönsten Plätze in der Stadt."

Ein zentrales Problem des Weihers ist die seit 2013 immer weiter zunehmende Algenblüte im Sommer. "Das führt zu einer verstärkten Verschlammung. Teilweise liegen die Blatthaufen höher als der Wasserspiegel", beschreibt Marcus anhand von Fotos die Situation. "Aufgrund dieser Rahmenbedingen wenden wir uns jetzt an Sie", so Katharina Thome. "Der Sauerstoffgehalt an den untersuchten Stellen im Gewässer muss unbedingt erhöht werden." Neben dessen Absinken sei im Gegenzug der Phosphatanteil erheblich gestiegen. Die Geschwister haben mehrfach Proben entnommen und überprüft. "Das Wasser ist schwarz", sagt Marcus.

Von den Verantwortlichen im Sitzungssaal schaut mancher geschockt, andere sind verunsichert. Doch alle hören weiter interessiert zu. "Es gibt einfache Möglichkeiten, den Problemen entgegenzuwirken", erklärt Katharina. So würde der Einbau eines Springbrunnens das Wasser bewegen und die Sauerstoffzufuhr erhöhen. Die Verlegung des Zulaufs über die Wasseroberfläche wäre ein zweiter positiver Schritt. Außerdem müssten regelmäßig die Blätter aus dem Wasser entfernt werden, um dadurch das Algenwachstum zu verringern.

Beifall kommt auf, als sich die beiden Schüler bedanken. Sichtlich zufrieden zeigt sich Umweltdezernent Thomas Visser über den Vortrag: "Ich kann mir gut vorstellen, dass hier kurzfristig etwas geschehen muss." Eine Sanierung der Krefelder Gewässer sei vor 15 Jahren zum letzten Mal "angepackt" worden. Anja Cäsar von den Grünen wird noch konkreter: "Die Stadt braucht ein Parkpflegewerk, in dem aufgelistet ist, welche Gewässer in welcher Zeitfolge regelmäßig gepflegt werden." Laut Verwaltung verbirgt sich im Weiher des Sollbrüggenparks noch ein ganz eigenes Problem: Er hat teilweise nur eine Tiefe von 60 Zentimetern. Dadurch "altert" das Gewässer schnell. Und: Nach unten ist es komplett abgedichtet, da so ein dauerhafter Wasserstand erreicht wird. "Würde man die Abdichtung entfernen, wäre das Gewässer die meiste Zeit ausgetrocknet", so der Beigeordnete. Von der Politik bekam die Verwaltung abschließend die Aufgabe, sich mit den Lösungsmöglichkeiten der beiden Schüler intensiver zu befassen. Auch will der Bürgerverein Bockum das Projekt "Sollbrüggenpark" unterstützen.

Quelle: RP
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