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Krefeld
Weltmeister im Electric Boogie in Graz

Krefeld: Weltmeister im Electric Boogie in Graz
Die beiden 17-Jährigen holten den Weltmeistertitel bei den Erwachsenen im Electric Boogie. Louis Drahim (links) aus Bochum und der Krefelder Can Berdermann. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Cool sein gehört zum Auftritt. Der Krefelder Can Berdermann (17) und der Bochumer Louis Drahim (17) sind Weltmeister im Electric Boogie in der Messehalle im österreichischen Graz geworden. Sie machen nicht viel Aufhebens über ihren Erfolg. Wortkarg zeigen sie die Siegertrophäe. Tanzen ist ihre Ausdrucksform und sonst: Schweigen - in beidem sind sie Weltspitze. Von Norbert Stirken

Es ist der größte Erfolg in ihrer schon Jahre währenden Laufbahn im Streetdance: Die beiden Jugendlichen Louis Drahim aus Bochum und Can Berdermann aus Krefeld wurden in Österreich unter 4000 Teilnehmern aus Südafrika, England, Kanada, Frankreich, Russland und vielen Ländern mehr - darunter etwa 400 aus Deutschland - zum ersten Mal bei den Erwachsenen Weltmeister in der Kategorie Electric Boogie. Für den Ruhrgebietler ist es der erste internationale Titel überhaupt. Can Berdermann aus der Tanzschule Mine-Sports an der Vereinsstraße war bereits zweimal Breakdance-Weltmeister bei den Jugendlichen. Der aktuelle Erfolg bedeutet ihm jedoch am meisten. "Bei den Erwachsenen ist es doch am schwersten", begründet er seine Bewertung.

Das Duo arbeitet er seit kurzem zusammen. "Wir haben uns bei Meisterschaften kennengelernt", berichtet Louis Drahim. Nach gegenseitigen Besuchen in den Tanzstudios in Essen und Krefeld war schnell klar, dass sie etwas zusammen machen wollten. Seitdem kommt Drahim einmal in der Woche mit dem Zug in die Seidenstadt, um in der Tanzschule von Mine Berdermann mit deren Sohn Can zu trainieren.

Dass das Training so schnell zum Erfolg führen würde, hätten sie nicht vermutet. Der fünftägige Wettkampf in der Messehalle in Graz begann auch anders als erwartet. Can Berdermann musste überraschend in seiner Paradedisziplin Breakdance kleine Brötchen backen. "Mir fehlte die körperliche Fitness, um die akrobatischen Elemente fehlerfrei darbieten zu können", erzählte er. Auch in der Kategorie Hip-Hop hatte er einen Durchhänger, während sich Louis Drahim dort schon eine Menge Selbstvertrauen holte. Der Coup gelang dann beim Electric Boogie - einer Tanzart aus Kalifornien, die sich aus dem Streetdance entwickelt hat, und bei der vor allem die Extremitäten zum Einsatz kommen, um Wellenbewegungen, die rhythmisch durch den ganz Körper strömen, zu betonen. Ein anderes Mal sind es eckige, abgehackte Gesten, die an die Fortbewegung von Robotern erinnern.

In roten, blau abgesetzten Hemden, mit Sportschuhen und Freizeithosen bekleidet überzeugte das Weltmeisterduo die fünfköpfige Jury. "Wir haben uns gegen die amtierenden Weltmeister aus Italien behauptet", berichten die beiden voller Stolz. Während Can Berdermann mit dem Weg aufs Treppchen routiniert umging, merkten die Besucher Louis Drahim die Freude eher an. Sein Anruf bei den Eltern und seiner Schwester, die ihn vor zehn Jahrenerstmals mit ins Tanzstudio, geschleppt hatte, löste Tränen der Freude aus. "Das war schon Wahnsinn", berichtete der 17-Jährige. Tanzen und reisen, das seien seine Leidenschaften, betonte der Schüler, der sein Hobby später zum Beruf machen möchte. "Sich einmal eine Choreografie für Beyonce ausdenken, das wäre toll", träumt der junge Weltmeister.

Auf dem Weg nach ganz oben musste das Duo gegen 30 weitere Paare antreten. Nach der ersten Runde mit drei Auftritten blieben noch zwölf im Wettbewerb. Nach der zweiten Runde - wieder mit drei Auftritten - standen die sechs Duos für die Finalrunde fest. Zweimal standen alle gleichzeitig auf der Tanzfläche und einmal mussten Can Berdermann und Louis Drahim der Jury alleine vortanzen, dann hatten die Kampfrichter ihr Urteil gefällt - und das fiel einstimmig aus: Das beste Duo auf der Welt bei den Titelkämpfen der International Dance Organisation (IDO) 2016 im Electric Boogie stammt aus Krefeld und Bochum.

Can Berdermann tanzt seitdem er drei Jahre alt ist. Seine starke Verbindung zum Tanzen rührt sicher daher, dass seine Mutter eine Tanzschule betreibt und als Wettkampfrichterin bei vielen Turnieren dabei ist. Sein Talent förderte sie von Beginn an. Doch der Blick ist schon wieder nach vorne gerichtet. Im Training fließen jede Menge Schweißtropfen, um nahe der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart am übernächsten Wochenende, 26. und 27. November, beim TAF Deutschland Cup in Bietigheim ihrer Favoritenstellung gerecht zu werden.

Quelle: RP
 
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