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Krefeld
Weniger neue Schüler an Gymnasien - Rätsel um Verlust bei Ricarda Huch

Krefeld: Weniger neue Schüler an Gymnasien - Rätsel um Verlust bei Ricarda Huch
1. MSM-Gymnasium 135 Anmeldungen (Vorjahr 144).
Krefeld. Krefelds Gymnasien sind geschwächt. Vermutete Ursache: G8 lässt Eltern die Gesamtschule wählen. Von Jens Voss

Die acht Krefelder Gymnasien haben im Vergleich zum Vorjahr rund 60 Schüler bei den Anmeldezahlen verloren: "Das entspricht zwei Klassen und ist relativ viel", sagte gestern Horst Opdenbusch, Direktor des Fabritianum und Sprecher der Krefelder Gymnasien. Er vermutet, dass der Druck des G8-Abiturs (Abitur in Stufe zwölf) ein Grund ist, warum Eltern ihre Kinder verstärkt auf Gesamtschulen schicken, wo das Abitur nach wie vor erst in Stufe 13 abgelegt wird. Insgesamt verzeichnen die Gymnasien 694 Anmeldungen.

Rätselhaft ist der Einbruch am Ricarda-Huch-Gymnasium, wo die Zahl der Anmeldungen von 98 im Vorjahr auf 45 gefallen ist. Über die Vermutung, dass die Belegung der Koerverhalle mit Flüchtlingen Sorge bei Eltern geschürt hat, will Schulamtsleiter Jürgen Maas nicht spekulieren: "Auch bei anderen Schulen hat es in den vergangenen Jahren starke Schwankungen bei den Anmeldezahlen gegeben", sagte er gestern auf Anfrage unserer Redaktion. "An anderen Standorten, bei denen Sammelunterkünfte ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu Schulen liegen (Reepenweg, Glockenspitz), waren keine signifikanten Veränderungen im Anmeldeverhalten erkennbar."

2. Fabritianum: 126 Anmeldungen (Vorjahr 107) FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Opdenbusch sieht die gymnasiale Landschaft in Krefeld geschwächt. "An den Gymnasien hat auch die Zahl der Schüler, die im Grundschulgutachten ein 'Eingeschränkt geeignet fürs Gymnasium' bekommen haben, abgenommen. Man kann vermuten, dass Eltern solche Kinder verstärkt auf die Gesamtschule schicken", sagte er. Die Zahlen legen das nahe: "Die Gymnasien haben 20 Schüler weniger mit Teil-Eignung", sagt Opdenbusch. Generell sei das Unbehagen am Leistungsdruck im G8-Bildungsgang ein möglicher Grund für die Umorientierung zur Gesamtschule: "Manche Eltern fragen sich bestimmt, ob sie das ihrem Kind antun sollen", sagt Opdenbusch.

Demographische Gründe sieht er jedenfalls nicht als Ursache. Die Zahl der Grundschüler sei im Vergleich zum Vorjahr in etwa gleich geblieben. Aufs Ganze gesehen, sinkt der Schülerstand an den Gymnasien: "Die, die bislang sicher vierzügig waren, bewegen sich auf die Dreizügigkeit zu, die Dreizügigen auf die Zweizügigkeit", sagt Opdenbusch.

Den Ausreißer am Ricarda wertet Opdenbusch als Sondereffekt. "Die Schule hat gute Arbeit geleistet", betont er. Auch Ulrike Höttges, Schulleiterin am Ricarda-Huch-Gymnasium, sieht die Ursachen nicht in der Schule selbst und stützt sich dabei auf den Trend der vergangenen Jahre: Im vergangenen Jahr haben sich 98 Kinder am Ricarda angemeldet, im Jahr davor waren es 88 - die Tendenz war also steigend, der Einbruch jetzt kommt aus heiterem Himmel.

3. Gymnasium am Stadtpark: 95 Anmeldungen (Vorjahr 86) FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

"Wir gehen davon aus, dass das nichts mit unserem Schulleben zu tun hat", sagte Höttges dann auch auf Anfrage. "Was die Schulfamilie angeht, sind wir als Schulleitung mit einem motivierten Kollegium auf einem sehr guten Weg. Dies ist ablesbar an den steigenden Anmeldezahlen der vergangenen Jahre, einem sehr gut besuchten Tag der offenen Tür und der guten Schulentwicklung in den vergangenen Jahren." Die Schule lege viel Wert auf Förderung der Schüler. "Wir beginnen das nächste Schuljahr mit einer Kunstprofilklasse. Wir haben eine frisch gegründete Theater-AG. Wir haben mit Hilfe engagierter Eltern eine neue Schülerbücherei eingerichtet - wir machen hier engagiert unsere Arbeit", so Höttges.

Im nächsten Schritt wird die Schulverwaltung mit den Schulen über die Bildung von Eingangsklassen beraten. Die Stadt wird versuchen, die Schüler umzuverteilen. Rechnerisch bräuchte etwa das Ricarda mindestens 54 Schüler für Zweizügigkeit - der "Klassenfrequenzrichtwert" für die fünften Klassen beträgt 27 Schüler.

4. Gymnasium am Moltkeplatz: 86 Anmeldungen (Vorjahr 96) FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Quelle: RP
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