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Krefeld
Wenn der Strom in Krefeld weg ist

Krefeld. Stromausfälle machen immer wieder klar, wie abhängig die Bürger vom elektrischen Saft sind. Laut Bundesnetzagentur fehlt jedem Bürger pro Jahr für rund zwölf Minuten der Strom - in Krefeld sind es im Mittel zwei Minuten weniger. Von Bianca Treffer

Jeder hat es schon erlebt. Beim Druck auf den Lichtschalter erfolgt nichts, das Radio gibt keinen Ton mehr von sich, der PC hat keinen Bildschirm, und das leise Brummen des Kühlschranks fehlt. Stromausfall! Der Griff zum Handy liegt nahe, um die Rufnummer der Störungsstelle der Stadtwerke Krefeld zu wählen. Doch bevor der Anruf in Richtung Netzleitstelle erfolgt - dort laufen die Anrufe nämlich auf - sollte immer zuerst überprüft werden, ob der Fehler nicht innerhalb der Wohnung liegen könnte. Ein Gang zum Sicherungskasten ist angesagt, schauen, ob der Nachbar eventuell auch betroffen ist. "Die Stadtwerke sind bis zum Hausanschluss zuständig, alles was dahinter liegt und Probleme verursacht ist ein Fall für den Hauseigentümer. Da darf nur der Elektriker ran und nicht wir", sagt Sven Wienand, Teamleiter der Netzführung der SWK.

Ist das nicht der Fall ist die Rufnummer der Störungsstelle zu nutzen, denn "einen Fehler in der Niederspannung bekommen wir nur auf diesem Wege mit", sagt Marc Zimmermann, Leiter Netz- und Störungsmanagement. Anders als im Bereich der Mittelspannung, wo eine Überwachung von Seiten der Stadtwerke erfolgt und Fehler dank der modernen Technik auf den großen Displays in der Netzleitstelle angezeigt werden, ist dies bei der Niederspannung nicht der Fall. Daher dauert es auch länger, bis ein Fehler in der Niederspannung behoben ist. Zeiten von sechs bis sieben Stunden können durchaus vorkommen.

Bei einem gemeldeten Stromausfall rückt ein Team in der betroffenen Straße an, und es geht an das Abhören der Leitung, um die Fehlerquelle zu finden. Dafür laufen die Mitarbeiter mit Kopfhörern entlang der Leitung, da an der defekten Stelle akustische Signale erzeugt werden. Ist die Stelle gefunden, wird sie freigelegt. Es erfolgt die Fehlerbebung und danach ist warten angesagt, denn die Reparaturmaterialien müssen aushärten, bevor wieder Strom auf die Leitung gegeben werden kann.

Als häufige Fehlerquellen entpuppen sich Muffen, in die Wasser eingedrungen ist. Es kann aber auch einmal ein Stein sein, der über Jahre hinweg in die Leitung gedrückt wurde und sie letztendlich beschädigt. Ist hingegen ein Mittelspannungskabel in Mitleidenschaft gezogen, müssen die Bürger in der Regel nicht so lange auf Strom verzichten, da hier die Fehlerquelle schneller gefunden werden kann und die Möglichkeit der Stromumschaltung besteht. Die großen Displays in der Netzleitstelle zeigen an, zwischen welchen Ortsnetzstationen es zu einem Fehler gekommen ist. "Wir schalten fehlerbehaftete Strecke zwischen den Ortsnetzstationen aus und schalten dafür von der anderen Seite den Strom zu, so dass wir sowohl vor als auch hinter der Strecke, wo der Fehler liegt, ganz normal Strom haben. Das heißt, der Strom kommt von zwei Seiten von der Umspannanlage an die Ortsnetzstationen und versorgt weiter, während unser Team den Fehler behebt", erklärt Wienand.

Meist sind es dabei Bagger, die trotz vorausgehender Planungsauskunft, wo welche Versorgungsleitungen liegen, ein Mittelspannungskabel bei Tiefbauarbeiten erfasst haben. In diesem Zusammenhang erinnert Zimmermann daran, dass auch Krefelder, die Bodenarbeiten in ihrem Garten ausführen, die tiefer als normale Spatenarbeiten in die Erde gehen, einer Planungsauskunft durch die Stadtwerke bedürfen.

Auch der Bürger, der sich einen Mini-Bagger leiht, könnte ansonsten Leitungen, die zum Beispiel durch Vorgärten führen, beschädigen und für einen Stromausfall sorgen. Stromausfälle werden generell von der Bundesnetzagentur in Minuten pro Bürger innerhalb eines Jahres gemessen. Jede Störung über drei Minuten wird der Bundesnetzagentur vom Stromanbieter gemeldet.

"Die Stadtwerke Krefeld liegen bei zehn Minuten Stromausfall pro Bürger, pro Jahr. Der Bundesdurchschnitt liegt bei zwölf Minuten", berichtet Wienand. Zahlen, wie viele Stromausfälle und in welchem Zeitumfang dahinter stehen, gibt es nicht. Auch Haus und Grund Krefeld/Niederrhein kann dazu keine Angaben machen. "Das Thema ist bei uns bislang noch nicht aufgeschlagen. Weder Mieter noch Eigentümer haben uns betreffend des Themas Stromausfälle kontaktiert", sagt Michael Heß, Geschäftsführer bei Haus und Grund.

Und dann gibt es auch noch Stromausfälle, bei denen die Stadtwerke wenig tun können. Das ist der Fall, wenn Probleme im vorgelagerten Netz auftauchen. Aber egal, welche Ursache ein Stromausfall hat, Bürger die medizintechnisches Gerät nutzen, wie zum Beispiel ein Beatmungsgerät, sollen sich sofort über die Notrufnummer 112 melden. "Wir wissen im Voraus nie, wie lange ein Stromausfall dauert, daher ist es unabdingbar bei diesen Fällen entsprechend versorgt zu werden. Krankenhäuser haben Notstromaggregate", sagt Wienand. Kühltruhen macht selbst ein längerer Stromausfall von bis zu 24 Stunden in der Regel nichts, solange sie geschlossen bleiben.

Quelle: RP
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