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Serie Swk - Einsatz Rund Um Die Uhr
Wenn Fahrer von Bus und Bahn erzählen

Serie Swk - Einsatz Rund Um Die Uhr: Wenn Fahrer von Bus und Bahn erzählen
Sechs Fahrer erzählen: Susanne Poelen-Lüdtke, Ottmar Peuter, Betty Kluth, Waldemar Glomb, Alper Savrur und Wilfried Pesch. FOTO: vo
Krefeld. Natürlich möchte man erst von den Gruselgeschichten erzählen: Wie Busfahrer Waldemar Glomb zweimal innerhalb von zwei Monaten an der gleichen Haltestelle überfallen und bedroht wurde: mit Waffe, Baseballschläger und Axt - das passiert Gott sei Dank äußerst selten. Von Jens Voss

Zu groß ist das Risiko für Täter, gefasst zu werden, wegen der Videoüberwachung in den Fahrzeugen und weil die Polizei innerhalb von Minuten präsent ist. Die alltäglichen Dinge sind nicht so furchterregend, aber zu erzählen haben die Fahrer von Bus und Bahn am Ende eines Arbeitstages jede Menge. Wenn etwa die Jugendkultur sich ändert, bekommen es die Fahrer hautnah mit.

Dabei ist das Schülervolk morgens aufs Ganze gesehen unproblematisch; trotz der Wuselei. Die Fahrer beobachten allerdings schon über die Jahre Trends bei Jugendlichen. Vor allem abends und nachts gibt es Verhaltensweisen, die die Fahrer kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. "Früher hatten die einen Walkman mit, heute kommen die mit einem Kasten Bier und einer Flasche Wodka in die Bahn", sagt Fahrerin Betty Kluth, "manchmal ist es erschreckend, wie besoffen die sind." Sie berichtet auch von einer anderen Tendenz: "Jugendliche haben heute weniger Respekt vor fremdem Eigentum. Die machen Dinge, die sie sich zu Hause nie erlauben würden, zum Beispiel die Füße auf die Sitze legen; es kümmert sie nicht, dass dann andere Leute versiffte Sitze vorfinden."

Mit Unverständnis reagieren die SWK-Leute auch auf den Einfallsreichtum bei Sachbeschädigungen, die über das übliche Maß an Vermüllung - vom Pizza-Karton über Dönerreste bis zu Erbrochenem - hinausgehen. Wenn etwa jemand mit einer Münze oder einem Taschenmesser Graffiti in die Lackierung der Wände neben den Sitzen ritzt; teils mit "tag" (von englisch tag, Etikett, Markierung), also dem Zeichen, mit dem Graffiti-Künstler ihre Arbeit kennzeichnen. Manchmal kommt die Polizei ihnen über dieses Kürzel auf die Spur, aber eben nur manchmal - oft genug bleiben die Stadtwerke auf dem Schaden sitzen. "Schade", sagt Fahrerin Betty Kluth, "die Bahnen sind so schön. Ich bin von altem Schlag, ich finde es schlimm, wie manche damit umgehen."

Auch das ganz normale Fahren hat quasi unterirdische Belastungen: Nach einer Nachtschicht, die um vier Uhr morgens endet, zur Ruhe zu kommen, ist so ein Problem. "Man braucht eine Weile, um runterzukommen", berichtet Betty Kluth, "man sieht so viele Schatten, könnte ja auch mal ein Mensch sein." Auch Schrecksekunden am Tage wirken nach: Bahnfahrer Alper Savrur berichtet von einem Vorfall, bei dem eine Frau so dicht vor der haltenden Bahn über die Gleise gegangen ist, dass er sie vom Fahrersitz aus nicht gesehen hat und beinahe losgefahren wäre. Im letzten Moment sah er eine Bewegung und blieb stehen. Auch rücksichtslose Autofahrer belasten die Fahrer - Wilfried Pesch etwa erzählt, dass immer noch viele Autofahrer an der geöffneten Türe der Bahn vorbeifahren; vor allem Taxis sind bei SWK-Fahrern berüchtigt.

Im Gespräch ist bei allen zu spüren, dass sie wissen, mit welch schwerem Gerät sie in den Straßen unterwegs sind - vor allem Straßenbahnfahren ist psychologisch sehr anstrengend, weil der Weg der Bahn ans Gleis gebunden und die Bahn als Gefährt schwerfällig ist. "Viele Autofahrer unterschätzen den Bremsweg", sagt Ottmar Peter - die Fahrer aber kennen den Weg und müssen für die anderen mitdenken. Ausweichen geht eben nicht.

Quelle: RP
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