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Heiligabend Friedensstifter
Wenn Kinder streiten, lernen sie fürs Leben

Heiligabend Friedensstifter: Wenn Kinder streiten, lernen sie fürs Leben
"In Streitsituation können Kinder wichtige Erfahrungen machen": Ulla Manten-Flieger (r.) und Silke Roddeck, Erzieherinnen an der Kita Kinderinsel. FOTO: Lammertz
Krefeld. Es ist zwar schön, wenn Kinder friedlich miteinander spielen, doch im Streit machen sie wichtige Erfahrungen. Zwei Erzieherinnen erzählen. Von Bärbel Kleinelsen

Es vergeht keine Stunde, in der nicht gestritten wird. Mal sind es die Babys, die lautstark auf sich aufmerksam machen, mal die Vorschulkinder, die zanken und sich um ein Spielzeug balgen. In einer Kindertagesstätte ist immer was los. Und oft geht es lautstark zur Sache. "Das ist auch richtig so", sagt Ulla Manten-Flieger, Leiterin der Bockumer Kindertagesstätte "Kinderinsel". "In Streitsituation können Kinder wichtige Erfahrungen machen. Sie trainieren ihr Durchsetzungsvermögen oder ihre Frustrationstoleranz. Beides muss man lernen. Wer nicht streitet, dem fehlt die Übung."

Ulla Manten-Flieger ist seit 1984 Sozialpädagogin. 33 Jahre, in denen sie tagtäglich die kleinen und großen Streitereien ihrer Schützlinge erlebt. Trotzdem bleibt sie gelassen. "Ich kann verstehen, dass Eltern genervt sind, wenn Kinder streiten. Es passiert ja auch gerne immer dann, wenn mal wieder die Zeit drängt und man eigentlich einen Termin hat. Trotzdem ist es immer wichtig zu wissen, warum gestritten wird, um das Problem mit den Kindern altersgerecht besprechen zu können."

In der Kita geht es bei den Auseinandersetzungen der Kleinen fast immer um Aufmerksamkeit und Anerkennung. "Ein besonders großes Streitpotenzial haben Zweijährige. Sie sind gerade erst richtig mobil und entdecken die Welt. Ihre Welt. In der erst einmal alles ,meins' ist. Und ,meins' muss natürlich verteidigt werden", weiß Silke Roddeck, seit vier Jahren Erzieherin in der Kinderinsel.

Häufig streiten Kinder, die ihre Wut nicht verbal ausdrücken können oder zu schüchtern dazu sind. Aus Angst, nicht beachtet zu werden, fangen sie Streit an, nehmen anderen das Spielzeug weg oder zerstören den Bauklötze-Turm des Mitspielers. Und warten dann auf die Reaktion der Erzieherinnen.

"Wir greifen nicht immer sofort ein, sondern beobachten die Situation. Eskaliert der Streit, gehen wir dazwischen. Finden die Kinder selbst eine Lösung, werden sie von uns dafür gelobt", sagt Ulla Manten-Flieger und ergänzt: "Es ist wichtig, Kinder und ihre Gefühle ernst zu nehmen. Deswegen setzen wir uns häufig mit den Streithähnen an einen Tisch und lassen uns erklären, worum es in dem Streit geht. Dann versuchen wir, mit den Kindern nach Lösungen zu suchen."

Manchmal helfen auch kleine Rollenspiele, um Verständnis für die Gefühle des anderen zu wecken. Besonders bei älteren Kindern, die ihr Verhalten schon in einem gewissen Rahmen reflektieren können, sorgt ein Rollenwechsel oft für ein Aha-Erlebnis. Nun spüren die Kleinen, wie es ist, von anderen ausgelacht zu werden, oder wie es sich anfühlt, wenn jemand einem das Spielzeug aus der Hand reißt. Das hilft.

"Erwachsene sind für Kinder Vorbilder. So beobachten uns unsere Kinder auch genau und schauen, wie wir Streit lösen. Manchmal hört man ein paar Tage später seine eigenen Worte von einem Vierjährigen, der auf diese Weise versucht, den Streit von anderen Kindern zu schlichten", erzählt Silke Roddeck. Dieses Verhalten machen sich die Erzieherinnen gerne zu nutzen, wenn es mal wieder richtig zur Sache geht, und warten ab, ob ältere Kinder als Streitschlichter eingreifen. "Kinder hören auf ältere Kinder anders als auf uns", weiß Ulla Manten-Flieger. Manchmal müssen Erzieherinnen aber auch mit Tricks arbeiten, wenn alles Reden so gar nichts hilft. Dann schlagen sie einem Kind beispielsweise vor, die eine Hand mit der anderen Hand festzuhalten, um zu verhindern, das sie jemanden schlägt.

Helfen auch Tricks nicht weiter, liegt das aggressive Verhalten vielleicht an anderen Dingen, an der Trennung der Eltern beispielsweise. "Solche Dinge klären wir in einem Elterngespräch und versuchen dort auch, eine Lösung zu finden", sagt die Kita-Leiterin. In ihrer kleinen Einrichtungen mit zwei Gruppen à 15 Kindern bleibt Zeit, sich um Streithähne, Raufbolde und wilde Hühner zu kümmern. Denn es sind nicht nur die Jungs, die handgreiflich werden. Kleine Rabauken gibt es überall - und sie haben viele verschiedene Gesichter.

Quelle: RP
 
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