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Krefeld
Wenn Schule allein zu langweilig ist

Krefeld: Wenn Schule allein zu langweilig ist
Die Schülerstudenten Florian Fuchs, Alina Bendt, Niklas Reusch und Simon Dietz; im Hintergrund Jürgen Maas, Leiter der Schulverwaltung. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. An der "SchülerUni" können schon Schüler ein Studium beginnen. Trotz G8 - es geht. Vier Schülerstudenten erzählen. Von Ronja Plottnik, Joanne Wolverson und Sophie Strohmeyer

Während der Schulzeit studieren? Es klingt unvorstellbar - gerade durch den hohen Leistungsdruck des neuen G8-Systems an Gymnasien. Das gilt aber nicht für die Teilnehmer des Projekts "SchülerUni" in Krefeld: Parallel zum Schulalltag beginnen die Schüler ein Studium, meist Ende der neunten Klasse, manche auch erst inmitten der Qualifikationsphase. Diese Chance bietet die Stadt Krefeld mit SchülerUni und Fernuniversität."In der Schule war mir langweilig, und ich fühlte mich unterfordert", sagt Niklas Reusch. Er ist 17 Jahre alt und nutzt das Angebot. "Darauf gekommen bin ich durch einen Freund, der an einer Uni studiert. Die war mir aber zu weit weg, also bin ich auf die Fernuniversität gekommen." Er geht in die Q1 (Stufe elf) und studiert seit zwei Jahren Informatik. Da er Vorkenntnisse im Programmieren eines Computers besaß, fiel ihm die Kombination aus Schule und Studium nicht sonderlich schwer. Seine Freunde würden es überhaupt nicht bemerken, er habe trotzdem noch genug Zeit für Freizeitaktivitäten.

Auch Florian Fuchs hat neben seinem Studium noch ausreichend Zeit um seinem Hobby, Schwimmen bei der DLRG, nachzugehen. Der 18-Jährige studiert Wirtschaftsinformatik im dritten Semester und hat kürzlich den Status des Jungstudierenden erreicht. Marienschülerin Alina Bendt, 16 Jahre alt, wurde durch eine Lehrerin auf die Schüler Uni aufmerksam gemacht. Sie hatte zuvor bereits alle Förderprogramme für begabte Schüler durchlaufen. "Ich studiere gerade Mathematik im zweiten Semester, damit ich mich später, nach der Schule, voll und ganz auf mein Physikstudium konzentrieren kann."

Dabei sei allerdings zu beachten, so Jutta Roßbach, Leiterin des Studienzentrums der Fernuniversität, dass bei einem Studium wie Mathematik die große Lücke zwischen der neunten und zwölften Klasse geschlossen werden muss. Schließlich baut das Studium auf das gesamte fachspezifische Schulwissen auf, das die Schüler bei Studienbeginn noch nicht besitzen. Es sei notwendig, sich dieses Wissen selbst anzueignen.

"Darauf hatte ich nicht so große Lust, deswegen habe ich mich für Psychologie entschieden. Das kann man nämlich auch so studieren - ohne Aufholbedarf", sagt Simon Dietz, Abiturient an der Montessori-Gesamtschule. Für ihn ist es bereits das sechste Semester an der Fernuniversität, und da er sein Abitur schon erfolgreich bestanden hat, darf er nun seine letzten beiden Klausuren vor der Bachelor-Abschluss-Arbeit schreiben. Ende diesen Jahres wird er also ganze zwei Abschlüsse in den Händen halten: sein Abitur und seinen Bachelor. Die Klausuren könnten leider oft auch in die Sommerferien fallen, aber lernen täte er das ganze Semester sowieso fast nie, erst kurz vor den Klausuren beginne er immer. "Wenn ich mit allem fertig bin, möchte ich Philosophie studieren. Im zweiten Semester meines Psychologie-Studiums habe ich gemerkt, dass mir andere Fächer mehr Spaß machen würden."

Sich vor Mitschülern als unterfordert zu outen, fällt nicht jedem leicht, es gibt immer eine gewisse Hemmschwelle. "Natürlich stößt es nicht überall auf Verständnis, bereits während der Schulzeit ein Studium zu beginnen und dies fast zeitgleich mit dem Erhalten des Abiturs abzuschließen", erklärt Markus Prehn, Vertreter der Bürgerstiftung Krefeld, die die Schülerstudenten fördert, "jedoch findet langsam ein Umdenken statt. Heutzutage gehen die meisten damit etwas lockerer um als früher." Diese Schüler bräuchten "Futter" um zu lernen, um zu denken.

Deswegen sei es wichtig, sich trotz Hemmschwelle auch mit so einer Option des Studiums zu befassen, wenn das Interesse und Potenzial vorliegt, so Roßbach. Daher könnten alle interessierten Schüler jederzeit die Möglichkeit wahrnehmen, als Gasthörer in verschiedene Studiengänge reinzuschnuppern.

Quelle: RP
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