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Krefeld
Wenn Sprache stolpert

Krefeld: Wenn Sprache stolpert
Der Logopäde Guido Stiel, der auch Stotterer-Therapeut ist, klärt in Kitas und Schulen über die Sprachbehinderung auf. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Die Sprechbehinderung Stottern betrifft ein Prozent der Menschheit. Der Logopäde Guido Stiel will jetzt eine Selbsthilfegruppe gründen. Von Bianca Treffer

Sie wissen, was sie sagen wollen, aber sie können es nicht flüssig aussprechen. Stottern ist ein Phänomen, das sich durch alle Altersstrukturen und sämtliche soziale Schichten der Gesellschaft zieht. Allein in Deutschland stottern über 800.000 Menschen, wobei insbesondere Kinder und Jugendliche überprozentual betroffen sind. Haben generell rund ein Prozent der Gesamtbevölkerung diese Störung, liegt die Zahl bei der jüngeren Generation bei fünf Prozent.

Stottern basiert auf keiner psychischen Störung, sondern es ist eine körperlich bedingte Sprachbehinderung, deren Ursache bis heute nicht abschließend geklärt ist. Stottern ist sehr gut behandelbar, aber die Hemmschwelle, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist nach wie vor groß, wie Guido Stiel aus Erfahrung weiß. Der Logopäde, der seit Jahren auch Stotterer-Therapeut ist, bietet nicht nur die entsprechenden Therapien an, sondern klärt auch in Kitas und Schulen über die Sprachbehinderung auf. Wichtig sei eine frühzeitige Therapie, um Automatisierungsmechanismen zu verhindern, Vermeideverhalten anzugehen und auch Nicht-Stotterer zu sensibilisieren. "Das Verhalten eines Gesprächspartners bei einem Menschen, der stottert ist ebenso wichtig", sagt Stiel. Gut gemeinte Ratschläge, wie "Tief durchatmen" oder "Ruhig bleiben" seien völlig fehl am Platz. Auch den Blick abzuwenden helfe nicht. Viel wichtiger sei es, den Blickkontakt zu einem Menschen mit Sprachbehinderung locker zu halten, zuzuhören und ausreden zu lassen. Nachfragen, wenn etwas nicht richtig verstanden wurde, ist ebenso erlaubt. "Inzwischen kennt man viele Faktoren, die dazu beitragen das Stottern aufrecht erhalten wird und genau hier gilt es schon in jungen Jahren anzusetzen", sagt Stiel. Wichtig seien Gelassenheit und Akzeptanz. Wer sich schämt oder sich selbst abwertet, der trete in einen Teufelskreis ein, bei dem Angst und Vermeideverhalten siegen. Es könne sogar zu einem sozialen Rückzug führen. Ein Kampf gegen das Stottern, bei dem der Patient sich verzweifelt anstrengt, das Stottern zu verhindern, führe zu nichts. "Man darf stottern", betont Stiel. Vielmehr gehe es darum, durch Sprachtechniken das Stottern zu kontrollieren. Zu lernen, dass die Sprachbehinderung ein kleiner Teil eines Menschen ist, ihn aber nicht ausmacht und es unsinnig ist, so viel Energie aufzuwenden, um es zu verbergen, seien wichtige Schritte für Betroffene. Bei kleinen Kindern, deren Sprechweise auffällig ist, sollten sich Eltern nicht scheuen, eine fachliche Beratung und Diagnostik in Anspruch zu nehmen. Krankenkassen kommen für die Kosten auf, was auch für die Therapie an sich gilt.

Eine Störung des Redeflusses beginnt meist im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Teilweise handelt es sich um eine vorübergehende Phase, die mit der Pubertät endet. Bei rund 25 Prozent dieser Kinder entwickelt sich jedoch ein dauerhaftes Stottern. Frühzeitiges Erkennen und Handeln helfen hier weiter. Wichtig ist immer ein offener Umgang mit der Sprachbehinderung. Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe ("www.bvss.de" )steht Betroffenen unterstützend zur Seite.

Der Krefelder Logopäde Guido Stiel würde gerne neben dem normalen therapeutischen Angebot innerhalb seiner Praxis eine Selbsthilfegruppe für Stotterer ins Leben rufen. Kontakt: Telefon 02151/9282303, Mail "logopaedie-stiel@gmx.de" .

Quelle: RP
 
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