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Krefeld
Wie Kochen und Essen glücklich machen

Krefeld: Wie Kochen und Essen glücklich machen
"Wer aus einer einfachen Möhre eine Delikatesse machen kann, der kann kochen", zitiert Heinz Günther Adolphs sein Vorbild, den Sternekoch Eckart Witzigmann, im Gespräch mit RP-Redakteur Jochen Lenzen. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Der Krefelder Heinz Günther Adolphs, ein Gewinner der ZDF-Serie "Küchenschlacht", hat den Status Hobbykoch weit hinter sich gelassen. Im Gespräch mit unserer Redaktion philosophiert er über Glücksgefühle beim Kochen und Tafeln. Von Jochen Lenzen

Essen ist für Heinz Günter Adolphs, vor drei Jahren einer der Gewinner der bekannten "Küchenschlacht" im ZDF, sehr viel mehr als Nahrungsaufnahme. Der hauptberufliche Herrenausstatter setzte sich, wie berichtet, vor der Jury - unter anderem mit Alfons Schubeck und Cornelia Poletto - gegen fünf Mitstreiter durch und ist seitdem vielen Freunden guten Tafelns zu einem Begriff geworden. Mit Starköchen wie der in Paris tätigen Krefelderin Martina Kömpel, mit Nelson Müller und Horst Lichters hat Adolphs schon talentierte Jungköche aus ganz NRW bewertet. Allesamt Profis, außer ihm. Im Gespräch mit unserer Redaktion philosophiert der 77-Jährige darüber, wie Kochen und Essen Glück vermitteln können.

"So wie die Ohren ein wohlklingendes Konzert und die Augen ein schönes Bild genießen, erfreut ein gutes Essen den Geschmackssinn. "Für den einen muss es dabei mindestens Hummer mit Kaviar sein, für den anderen kann eine Currywurst eine Delikatesse sein", sagt Adolphs. "Diese Bandbreite ist geeignet, dem der isst, ein besonderes Wohlgefühl zu vermitteln. Und Wohlbefinden ist die Voraussetzung für Genuss, der wiederum Glücksgefühle freisetzt."

Die mehrmonatige Tätigkeit an einer Privatklinik hat Adolphs gezeigt, dass ein Feinschmecker-Menü Schmerzen vergessen machen und grundsätzlich zur Gesundung der Patienten beitragen kann. "Und aus dem Hospiz habe ich häufig gehört, dass sich dessen Gäste noch einmal ihr Lieblingsessen wünschen, um vielleicht eines ihrer letzten Glücksgefühle zu erleben."

Im Freundeskreis ist es nach Adolphs Verständnis die Gemeinschaft, die das Wohlbefinden stärkt: "Wenn man zusammen an der Tafel sitzt und ein besonderes Essen genießt . . ., ja, das ist schon vergleichbar mit der Freude eines Chors an der Harmonie seines Gesangs."

Glücklich mache aber nicht nur das Essen, sondern schon die Zubereitung: "Wer dabei ohne Stress an die Arbeit geht, ist auf dem besten Weg, glückliche Menschen am Tisch zu haben." Und zum stressfreien Kochen gehört für Adolphs, der den Status "Hobbykoch" schon lange hinter sich gelassen hat und seit 13 Jahren nebenberuflich eine Kochschule betreibt, die Vorbereitung. Das fängt beim gewissenhaft erarbeiteten Einkaufszettel an und geht mit der vernünftigen Ausstattung mit Küchengeräten weiter. So könne wenigstens er nicht auf ein Vakuumiergerät verzichten. "So ein Gerät ist heute schon für 250 Euro zu haben. Und ein Dampfgarer, durch den die Vitamine statt zu 25 zu 70 Prozent erhalten bleiben, kostet als Tischgerät gerade mal 100 Euro."

Natürlich ist die Qualität auch des einfachsten Produkts die Grundvoraussetzung für das Gelingen eines Gerichts. In diesem Zusammenhang zitiert Adolphs Eckart Witzigmann, den er für den bedeutendsten deutschen Koch der Nachkriegszeit hält: "Wer aus einer einfachen Möhre eine Delikatesse machen kann, der kann kochen." Man nehme, so Adolphs, beim Essen nämlich auch die Formen und die Konsistenz wahr. "Eine Möhre, die ich auf klassische Art zu Scheiben schneide, schmeckt anders als eine Möhre, die ich längs schneide. Und die schmeckt wiederum anders als eine Möhre, die ich mit dem entsprechenden Küchengerät in Spaghetti-Form gebracht habe. Und es ist ein Unterschied im Geschmack, ob ich Gemüse al dente oder weich koche. Grundsätzlich ganz wichtig: Das Auge isst mit; die Präsentation des Gerichts gehört zum Erlebnis Essen unabdingbar dazu". Grundsätzlich empfiehlt Adolphs beim Kochen für Gäste: Nicht experimentieren, sondern auf das konzentrieren, was man kann!

Zum Thema Gewürze rät der erfahrene Koch zu Vorsicht und leichter Dosierung sowie zum jahreszeitlich passenden Einsatz: Nelken und Anis als herbstliche Komponenten, leichte Gewürze und vor allem Kräuter zur Frühlings- und Sommerzeit. "Meiner Ansicht nach kann man kaum genug Kräuter verwenden. Sie sind durch nichts gleichwertig zu ersetzen und werden immer noch vernachlässigt. Als ich in der Klinik fast ohne Salz kochen musste, konnte ich den Speisen nur durch Kräuter, die ja auch noch sehr gesund sind, Raffinesse geben."

Das Lob für den Koch empfindet Adolphs natürlich auch als Glücksgefühl: "Der Glücklichste an der Tafel ist der, der selbst am Herd gestanden hat."

Quelle: RP
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